Häufige Zugausfälle und Verspätungen rund um Mainz: Das ist der Grund

In den letzten Wochen und Monaten ist es immer wieder zu Verspätungen und Zugausfällen auf den Schienen im Rhein-Main-Gebiet gekommen. Wir haben bei der Deutschen Bahn nach den Gründen gefragt.

Häufige Zugausfälle und Verspätungen rund um Mainz: Das ist der Grund

Der Ruf der Deutschen Bahn (DB) in Sachen Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit wird schon jahrelang unter den Fahrgästen diskutiert. In den letzten Wochen und Monaten fielen jedoch auffällig viele Züge im Rhein-Main-Gebiet gänzlich aus oder kamen mit erheblichen Verspätungen am Zielort an. Besonders häufig betroffen sind die Regional- und S-Bahnen auf der Strecke zwischen Wiesbaden/Mainz und Frankfurt.

So berichtet Merkurist-Leser H.G.: „Für eine Strecke, die theoretisch in 25 Minuten ginge, braucht man über 60, meistens durch Pannen an die zwei Stunden. Selbst mit ordentlich Puffer ist auf die Bahn einfach kein Verlass“, schreibt er in einem Snip.

So begründet die Deutsche Bahn die mangelhafte Zuverlässigkeit

Wie eine Sprecherin der DB zugibt, waren die Züge in den letzten Monaten „nicht immer mit einer zufriedenstellenden Qualität und Zuverlässigkeit unterwegs“. Das entspreche weder den eigenen Ansprüchen noch denen der Fahrgäste. Grund dafür seien „zahlreiche Herausforderungen“ gewesen, die auch jetzt noch nicht gänzlich überstanden seien. Als die beiden wichtigsten Gründe für die vermehrten Zugausfälle und Verspätungen nennt die Bahnsprecherin „baubedingte Einschränkungen im Netz sowie punktuell hohe Krankenstände“ bei der DB und anderen Infrastrukturunternehmen.

Hohe Krankheitsstände legen den Zugverkehr teilweise lahm

Wie die Bahnsprecherin weiter berichtet, komme es momentan besonders häufig zu krankheits-bedingten Ausfällen beim Fahr- und Stellwerkpersonal. Obwohl die DB in manchen Regionen sogar mit zusätzlichen Bereitschaften plane, ließen sich diese kurzfristigen Ausfälle auch „durch eine flexible und vorausschauende Personalplanung“ nicht vollständig kompensieren. Bei den Mitarbeitern in den Zügen und in den Stellwerken handele es sich um hochspezialisierte Fachkräfte, die kurzfristig nicht einfach zu ersetzen seien. Fahrdienstleiter müssten für die jeweilige Stellwerkstechnik und Region ausgebildet sein. Außerdem bedürfe es einer Einarbeitung in die örtlichen Gegebenheiten der jeweiligen Stellwerke. Die DB bemühe sich, ihre Mitarbeiter so weiterzubilden, dass sie bei kurzfristigen Personalausfällen flexibler auf unterschiedlichen Stellwerken eingesetzt werden können. Das sei jedoch nicht immer möglich.

Bauarbeiten auf der Strecke zwischen Mainz und Frankfurt

Zusätzlich zu den hohen Krankheitsständen beim Personal der DB kommen die Bauarbeiten hinzu. Auf der Strecke zwischen Wiesbaden/Mainz und Frankfurt gab es im September und Oktober zwei größere Baustellen: Am Halt „Frankfurt Stadion“ wurde bis vor kurzem die Strecke ausgebaut, während der Bauarbeiten kam es immer wieder zu Einschränkungen im Zugverkehr zwischen Wiesbaden/Mainz und Frankfurt. Betroffen waren nicht nur die S8 und die S9, sondern auch Fernverkehrszüge. Zudem wurden im Oktober Gleise auf der Strecke zwischen Mainz und Frankfurt erneuert. Aus diesem Grund entfielen zwischen dem 14. und dem 24. Oktober nahezu alle Fernverkehrshalte am Mainzer Hauptbahnhof. Auch die Regional- und S-Bahnen zwischen Mainz und Frankfurt fuhren in diesem Zeitraum nur eingeschränkt.

Ähnliche Probleme auch bei anderen Zugunternehmen

Die DB ist nicht das einzige Verkehrsunternehmen, das momentan Probleme hat. Auch bei den Bahnen von Vlexx (wir berichteten) und bei der Hessischen Landesbahn (HLB) kam es in den vergangenen Wochen und Monaten vermehrt zu Ausfällen und Verspätungen. So fährt die RB75 der HLB zwischen Wiesbaden/Mainz und Darmstadt seit dem 15. Oktober gar nicht. Grund dafür sind Bauarbeiten zwischen den Haltestellen Mainz-Bischofsheim und Groß-Gerau. Sie dauern noch bis zum 3. November an.

Des Weiteren begründet HLB-Sprecherin Sabrina Walter die Ausfälle und Verspätungen der Züge im Rhein-Main-Gebiet ebenfalls mit den unbesetzten Stellwerken der DB Netz. „Dies ist besonders problematisch, weil es sich in der Regel um sehr kurzfristig angekündigte Einschränkungen handelt. Wir können in der Folge oft nicht mehr adäquat auf die Sperrungen reagieren und für Ersatzverkehre sorgen“, so Walter. Zudem komme es auch beim Fahrpersonal der HLB momentan verstärkt zu kurzfristigen Krankmeldungen sowie coronabedingten Ausfällen. Generell gebe es aber keinen Personalmangel bei der HLB.

Um den Einschränkungen des HLB-Zugverkehrs entgegen zu wirken, stehe die HLB in engem Kontakt zur DB Netz. Bei Einschränkungen versuche man, „den Zugverkehr bestmöglich im Sinne der Fahrgäste zu gewährleisten“ – meist in Form von Ersatzfahrplänen, Schienenersatzverkehr und schnellen Updates zu den Fahrplänen auf ihren Portalen.

Deutsche Bahn plant Groß-Bauarbeiten

Bei der DB hingegen ist noch länger mit Einschränkungen des Zugverkehrs im Rhein-Main-Gebiet zu rechnen. Wie der DB-Infrastrukturvorstand, Berthold Huber, in einer Pressemitteilung verkündet, wird die DB bis 2030 ihre insgesamt acht Hochleistungsstrecken in ganz Deutschland ausbauen. Den Anfang der Groß-Bauarbeiten macht das Rhein-Main-Gebiet: Mitte 2024 soll mit der Erneuerung der Riedbahn-Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim begonnen werden. Insgesamt sollen die Bauarbeiten fünf Monate lang andauern, in denen der Zugverkehr in Form von Vollsperrungen immens einschränkt wird. Unter anderem sollen in dieser Zeit Züge über Mainz umgeleitet werden.

Später soll auch die Strecke zwischen Frankfurt und Mainz/Wiesbaden saniert werden. Wann genau die Bauarbeiten beginnen werden und mit welchen Einschränkungen Fahrgäste währenddessen konkret zu rechnen haben, steht noch nicht fest. Die DB verspricht aber, dass die Neuerungen es wert sein werden: Der Zugverkehr soll langfristig schneller und Gleis-Bauarbeiten sollen dann deutlich seltener von Nöten sein werden.

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