Ärztemangel: Gibt es in Mainz nur noch private Hautarztpraxen?

Entweder wartet man wochenlang auf einen Termin oder der Facharzt nimmt nur Privatversicherte und Selbstzahler als Patienten auf. Den Eindruck haben viele Merkurist-Leser. Speziell Hautärzte seien problematisch. Wir haben nachgefragt.

Ärztemangel: Gibt es in Mainz nur noch private Hautarztpraxen?

Hautprobleme, Nagelerkrankungen, Haarausfall und Geschlechtskrankheiten: Dermatologen decken eine Vielzahl von Gebieten ab, etliche von ihnen haben sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert. „Dermatologen sind besonders gefragte Fachärzte“, heißt es etwa bei Doctolib, einer Plattform für Termin- und Patientenmanagement. „Daher kann es vorkommen, dass Sie mehrere Wochen auf einen Termin warten müssen.“

Merkurist-Leserin Bianca W. hat sogar den Eindruck, dass nur noch wenige Hautärzte überhaupt noch gesetzlich Versicherte behandeln: „Wieso behandeln immer mehr Hautärzte in Mainz nur noch Privatpatienten oder Selbstzahler?“ fragt sie in einem Snip. Die schwierige Terminvergabe beschäftigt auch andere: „Gibt es so wenige Hautärzte in Mainz, dass sie alle ausgelastet sind?“, fragt etwa eine andere Leserin.

Bei der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz ist zu erfahren, dass der Großteil der Dermatologen tatsächlich mit einer kassenärztlichen Zulassung niedergelassen sei: „Laut unserer Statistik gibt es in Mainz insgesamt vier Fachärzte und-ärztinnen für Haut- und Geschlechtskrankheiten, die rein privatärztlich tätig sind“, sagt Pressesprecherin Ines Engelmohr. Dreimal so viele behandeln gesetzlich Versicherte.

In Rheinland-Pfalz ist das Verhältnis ähnlich: Landesweit gebe es 132 registrierte Hautärzte, die eine Zulassung zur kassenärztlichen Versorgung haben, 27 seien als Niedergelassene rein privatärztlich tätig. Laut einer Statistik des Bundestags von 2019 kommen deutschlandweit auf 100.000 Einwohner 4,25 niedergelassene Dermatologen. Mainz liegt demnach mit seinen 16 Hautarztpraxen sogar weit über dem Bundesdurchschnitt.

Einige Versicherungen übernehmen privatärztliche Rechnungen

„Einige Praxen bieten gesetzlich Versicherten individuelle Gesundheitsleistungen an, die Patienten grundsätzlich selbst bezahlen müssen, weil sie nicht zum Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherungen gehören“, so Engelmohr. Je nach Behandlung oder Vorsorgeuntersuchung übernehmen jedoch auch einige gesetzliche Versicherungen aufgrund der sogenannten Kostenerstattungsregelung die privatärztlich abgerechneten Leistungen.

Das gilt vor allem für die Hautkrebs-Vorsorge: Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebs-Screening etwa haben auch gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre. Die Untersuchung wird bei einem Hautarzt oder einem dafür qualifizierten Hausarzt durchgeführt. Bei der Techniker Krankenkasse (TK) können Versicherte bereits ab einem Alter von 20 Jahren einen Termin zum Hautkrebs-Screening wahrnehmen, auch „bei einem Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder Dermatologen, der an einem gesonderten Vertrag teilnimmt.“ Bis man 34 Jahre alt ist, gilt das alle 24 Monate, danach jährlich. Die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland beteiligt sich alle zwei Jahre mit bis zu 40 Euro an den Kosten, inklusive der Auflichtmikroskopie: „Erstattet werden 80 % des Rechnungsbetrages“, heißt es dort.

Zudem stehen einige private Hautarztpraxen auch für gesetzlich Versicherte zur Verfügung. Ein Beispiel ist die private Hautarztpraxis von Dr.med. Robert und Dr. med. Julia Kasten. Zu den Hintergründen wollten sie auf Anfrage zwar keine Auskünfte geben, auf der Webseite heißt es aber: „Die Leistungen in Ihrer Hautarztpraxis Dr. Kasten in Mainz kann jeder in Anspruch nehmen. In unserer Praxis lassen sich viele gesetzlich versicherte Menschen medizinisch behandeln und übernehmen die Kosten selbst.“ Aber: „Die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen unserer Erfahrung nach nicht die Kosten unserer Leistungen.“

Die kassenärztliche Vereinigung empfiehlt in jedem Fall, die Kostendeckung bei der Krankenversicherung abzuklären: „Ob eine gesetzliche Kasse privatärztlich abgerechnete Leistungen übernimmt, muss jeder Versicherte mit seiner Kasse im Vorfeld klären“, so Ines Engelmohr.

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