Stop-Motion made in Mainz

Cornelius Koch hat sich für seine Abschlussarbeit ein ambitioniertes Projekt ausgesucht: Der Student dreht den Stop-Motion-Film „Der Tod des Filmemachers“. Wir haben ihn in seiner Filmwerkstatt in Mombach besucht.

Stop-Motion made in Mainz

Der Regen taucht die alte Waggonfabrik in Mombach in ein düsteres Grau und lässt den Ort wie eine Filmkulisse wirken. Nicht ohne Grund hat sich Cornelius diese Umgebung ausgesucht, um das Set für seinen Stop-Motion-Film aufzustellen. Eine knarrende Holztreppe führt hinauf in die Wohnung. Überall hängen Skizzen und Zeichnungen, die Regale sind voll mit Spraydosen, Kartons und kleinen Puppen. Von nebenan dröhnt der dumpfe Sound einer Techno-Band durch die Wände. Cornelius ist nicht der einzige Künstler, der sich von der Atmosphäre der alten Fabrik inspirieren lässt.

Der Student arbeitet hier an einem Film-Projekt, dass gleichzeitig seine Abschlussarbeit im Master-Studiengang „Zeitbasierte Medien“ an der Hochschule Mainz ist. „Ich habe hier damals in einer Band gespielt und dann wurden auf einmal Räume frei“, so der 27-Jährige. Es sei schwer gewesen, etwas vergleichbares in Mainz zu finden - vor allem zu einem günstigen Preis. Nun dreht Cornelius bereits seit Januar in der alten Waggonfabrik und hat ungefähr 10 Minuten des Films im Kasten. Etwa 20 sollen es am Ende werden.

Ein Film übers Filmemachen

Die Handlung dreht sich um Fredelius, der eines Tages in der Produktionswerkstatt eines toten Filmemachers aufwacht. Er stellt fest, dass er eine Animationsfigur ist und in einem unvollendeten Film einen Bösewicht spielt. Nun versucht Fred mithilfe des Drehbuchs herauszufinden, wer er eigentlich ist. So kommt es zu einer Film-in-Film-Geschichte, die mal in der „realen Menschenwelt“, und mal in der „Miniaturwelt des Films“ spielt. „Es soll im Grunde ein Film übers Filmemachen werden“, sagt Cornelius.

Dass die Dreharbeiten so lange brauchen, liege auch an der aufwendigen Technik von Stop-Motion. Denn Cornelius arbeitet nicht mit einer Filmkamera, sondern mit Fotos, die dann in schneller Abfolge hintereinander gezeigt werden. „Für eine Sekunde Film brauche ich mindestens zwölf Bilder“, so der Filmemacher. Gedreht wird mit beweglichen Puppen. Von jeder ihrer Posen wird ein Bild gemacht; auch die Mimik muss stimmen. „Deshalb lassen sich die Münder mithilfe von einem Magneten schnell austauschen“, sagt Cornelius. Außerdem gebe es zu jedem Vokal eine passende Form. Um die Gesten der Figuren natürlich wirken zu lassen, greift der Student zu einer speziellen Technik. „Ich filme mich erstmal selbst und spreche den Dialog nach. So habe ich ein Gefühl dafür, wie die Figur sich dazu bewegt. Das ist quasi Motion-Capture mit Low-Budget.“

Die Hochschule wolle aber langsam Ergebnisse sehen. „Auch mit dem Geld wird es knapp“, sagt Cornelius. Finanziert habe er das Projekt zur Hälfte durch Crowdfunding, für den Rest sei er selbst aufgekommen. Aber auch seine Eltern unterstützen ihn finanziell. „Die haben sich natürlich auch vorgestellt, dass es schneller geht.“ Hetzen möchte er sich trotzdem nicht. „Es geht mir nicht um die Bewertung der Abschlussarbeit. Es geht einfach um den Film.“

Requisiten aus der Umgebung

Die Requisiten für sein Set hat Cornelius in der Umgebung gesammelt. In den Containern der alten Waggonfabrik oder im Sperrmüll wurde er fast immer fündig. Das meiste sei Elektroschrott gewesen, der dann in einer neuen Funktion ins Filmset eingebaut wurde. So wurden zum Beispiel ein Spülmaschinenfilter zum Säurekessel, Klinkenbuchsen zu Überwachungskameras und Feuerlöscher zu Atombomben. Auch die Chemiefabrik auf der anderen Straßenseite hat ein Platz im Miniatur-Set bekommen. „Die Umgebung hier hat das Aussehen des Sets schon stark beeinflusst,“ sagt Cornelius. „Hätten wir den Film an einem anderen Ort gedreht, würde er ganz anders aussehen.“

“Ich glaube, ich habe in meiner ganzen akademischen Laufbahn noch nie so viel gelernt wie mit diesem Projekt.“ - Cornelius Koch

Auch wenn es noch etwas dauern kann, bis Cornelius Der Tod des Filmemachers fertig gedreht hat, verfolgt er große Ziele: „Ich möchte den Film nicht nur lokal zeigen, sondern auch auf den großen Festivals.“ Außerdem versuche er eine Fernsehlizenz an Arte zu verkaufen. Gelohnt hat sich der Aufwand für Cornelius jedenfalls schon jetzt. „Man hat unglaublich viel Verantwortung und muss jeden Tag wichtige Entscheidungen treffen. Ich glaube, ich habe in meiner ganzen akademischen Laufbahn noch nie so viel gelernt wie mit diesem Projekt.“

Logo