Was mit den Römer-Funden unter der neuen Zahnklinik passiert

Beim Neubau der Uni-Zahnklinik sind die Bagger auf Fundamente der römischen Wasserleitung gestoßen. Deren Konservierung kostet viel Zeit und viel Geld. Ist die Erhaltung trotzdem sinnvoll?

Was mit den Römer-Funden unter der neuen Zahnklinik passiert

In Mainz kennt man das nur zu gut: Fängt man erst einmal an zu graben, dauert es meist nicht lange, bis die ersten antiken Relikte auftauchen. Beim Bau der neuen Zahn-, Mund-und Kieferklinik auf dem Campus der Universitätsmedizin wusste man sogar ganz genau, was im Untergrund wartet: An gleicher Stelle war man schon 1928 auf Pfeilerfundamente einer 2000 Jahre alten römischen Wasserleitung gestoßen.

Die Bauleitung war sich des Problems also bereits vorher bewusst: Was tun mit den insgesamt 15 mächtigen Steinsockeln? Aus Sicht des Denkmalschutzes gibt darauf eine klare Antwort: „Das Aquädukt ist in seinem gesamten Verlauf ein Kulturdenkmal. Das Denkmalschutzgesetz setzt den Erhalt eines Kulturdenkmals an erste Stelle“, erklärt Dr. Marion Witteyer. Sie leitet die Mainzer Außenstelle der Direktion Landesarchäologie, die der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz untergeordnet ist.

Keine Lösung wie in der Römerpassage

Dementsprechend frühzeitig setzten sich Archäologen und Bauherren zusammen. Eine transparente Integration in den Neubau, bei der die Überreste wie beim Isis-Tempel in der Römerpassage sichtbar gewesen wären, war mit dem Bauplan nicht vereinbar. Also blieb nur eine Möglichkeit: Die betroffenen Pfeiler im vorgefundenen Zustand „einhausen“, wie es im Fachjargon heißt, und somit an Ort und Stelle erhalten. Dass man sie später nicht mehr sehen kann, sei nachrangig, so Marion Witteyer.

„Es käme ja auch keiner auf die Idee zu sagen: Der Dom kann abgerissen werden, zwei Türme oder eine Wand genügen, um zu wissen, wie er gebaut ist“ - Marion Witteyer

Bleibt die Frage: Warum überhaupt so viel Aufwand, wenn kaum 500 Meter entfernt im Zahlbachtal noch zahlreiche, sogar besser erhaltene Pfeiler oberirdisch zu sehen sind? Für Landesarchäologin Marion Witteyer ist das keine Frage des Geldes: „Der Erhalt von historischer Substanz ist sinnvoll, da sonst ein Denkmal immer stärker reduziert werden könnte - bis zum Schluss quasi nur noch ein 'Belegpfeiler' übrig bleibt“, so Witteyer. „Es käme ja auch keiner auf die Idee zu sagen: Der Dom kann abgerissen werden, zwei Türme oder einer Wand genügen, um zu wissen, wie er gebaut ist.“

Bei den so genannten Römersteinen im Zahlbachtal handelt es sich um Überreste von weiteren 69 Pfeilern des Aquädukts. An dieser Stelle muss das Bauwerk in römischer Zeit beeindruckend gewesen sein: Über eine zweigeschossige Bogenkonstruktion wurde dort das Wasser in 25 Meter Höhe über das Tal auf den Kästrich geführt. Dort lebten zur Zeit der Errichtung des Aquädukts im Jahr 70 n. Chr. bereits rund 20.000 Menschen. Um diese mit Trinkwasser zu versorgen, leiteten die Römer täglich etwa 6500 Kubikmeter Quellwasser aus Finthen in die wachsende Stadt. Der Name Finthen lässt sich vom lateinischen Begriff „fontanetum“ ableiten, übersetzt etwa „Quellgebiet“.

Das Land zahlt rund 3,5 Millionen Euro

Rein wirtschaftlich betrachtet ist die Maßnahme für die Uniklinik ein notwendiges Übel. „Durch die Erhaltung der Aquäduktpfeiler als Bodendenkmal und die Integration in das entstehende Gebäude wird sich die Gesamtbauzeit um voraussichtlich ein Jahr verzögern“, so Kliniksprecher Oliver Kreft. Die dadurch zu erwartenden Mehrkosten von rund 3,5 Millionen Euro trägt das Land. Für Marion Witteyer ist es eine Investition in die Zukunft: „Künftige Generationen machen vielleicht etwas aus der Gesamtleitung. Wenn wir sie vorher teilweise zerstören, zerstören wir auch die Möglichkeit, etwas zu tun.“

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