300 Menschen demonstrieren in Mainz für psychotherapeutische Versorgung

Rund 300 Menschen haben in Mainz gegen Kürzungspläne in der psychotherapeutischen Versorgung demonstriert. Die Organisatorinnen befürchten eine massive Verschlechterung für Patienten.

300 Menschen demonstrieren in Mainz für psychotherapeutische Versorgung

Auf dem Mainzer Bahnhofplatz haben am Freitag rund 300 Menschen für die Rettung der psychotherapeutischen Versorgung demonstriert. Die beiden Mainzer Psychologiestudentinnen Sandra Munro und Ofra Deiglmayr hatten nur 24 Stunden zuvor zu der Kundgebung aufgerufen.

Anlass für den Protest sind angekündigte Maßnahmen der Bundesregierung, die den gesetzlichen Schutz des Mindesthonorars für die Behandlung von gesetzlich Versicherten abschaffen sollen. Die Demonstrierenden befürchten, dass dies die wirtschaftliche Existenz vieler psychotherapeutischer Praxen gefährdet und den ohnehin bestehenden Mangel an Therapieplätzen verschärft.

„Es weht ein neuer Wind. Der Bundeshaushalt für 2027 spricht für sich: im Gesundheitssystem wird radikal eingestampft während andere Bereiche massiv aufgestockt werden“, sagt Initiatorin Ofra Deiglmayr. Katharina Epstein, Vertreterin der Psychotherapeuten in Ausbildung in Rheinland-Pfalz, ergänzt: „Es ist eine Klatsche ins Gesicht aller Betroffenen und aller, die helfen wollen“.

Versorgung schon jetzt in angespannter Lage

Die Organisatorinnen betonen, dass sich die psychotherapeutische Versorgung bereits seit Jahren in einer angespannten Lage befinde. Schon heute müssten viele Menschen mit psychischen Erkrankungen monatelang auf einen Therapieplatz warten.

Gleichzeitig kämpften angehende Psychotherapeuten seit einer Reform um eine verlässliche Finanzierung ihrer Weiterbildung, die bis heute nicht gesichert sei. Ohne Weiterbildungsplätze könne es auch keine Psychotherapie geben, so die Veranstalterinnen.

Klare Forderungen und drastische Warnung

Die Demonstrierenden fordern die Bundesregierung auf, alle Maßnahmen zurückzunehmen, die die Versorgung verschlechtern. Sie setzen sich für eine flächendeckende ambulante Versorgung, ausreichend Kassensitze und einen gleichberechtigten Zugang zur Psychotherapie für alle Menschen ein.

Organisatorin Sandra Munro warnt vor drastischen Folgen: „Aktuell stirbt bereits jede Stunde ein Mensch in Deutschland an Suizid. Als Konsequenz der jüngsten Beschlüsse von CDU und SPD wird diese schreckliche Zahl noch steigen.“ Die Veranstalterinnen ziehen trotz der ernsten Lage ein positives Fazit zur Demonstration: „Nach nur 24 Stunden waren 300 Leute da. (...) Jetzt gibt es eine Gruppe und wir freuen uns über jede Person, die mit uns laut und unbequem wird!“