Wird es in Mainz Privilegien für Corona-Geimpfte geben?

Sollte es in der Privatwirtschaft Privilegien für Geimpfte geben dürfen oder nicht? Mit dieser Frage setzt sich vor allem die Politik auseinander. Was sagen Mainzer Unternehmen dazu?

Wird es in Mainz Privilegien für Corona-Geimpfte geben?

Stell dir vor, das „Red Cat“ macht wieder auf und du darfst nicht hingehen, weil du nicht gegen das Coronavirus geimpft bist. Dass ein solches Szenario gar nicht so abwegig ist, hat der Mainzer Professor Dr. Norbert Paul kürzlich in einem Merkurist-Interview skizziert. Denn rein rechtlich gesehen, wäre das möglich. Private Unternehmen dürfen nach wie vor entscheiden, wen sie in ihre Einrichtungen hineinlassen und wen nicht - zumindest solange sie niemanden wegen seiner ethnischen Herkunft oder des Geschlechts benachteiligen. Mainzer Unternehmen sind sich bei dieser Frage noch unsicher.

Capitol und Palatin wollen sich noch damit beschäftigen

„In der Rückschau hatte die Erteilung des Hausverbots in unseren Räumen Seltenheitswert“, sagt Eduard Zeiler von den Mainzer Filmtheatern Capitol und Palatin. In der Regel seien das Alkoholisierte und Querulanten gewesen. Ob man in Zukunft auch Personen, die nicht gegen das Virus geimpft sind, den Zugang verwehren wird, damit werde man sich in Zukunft wohl noch intensiver beschäftigen. Auch, weil es einen erheblichen Mehraufwand durch stärkere Kontrollen und Diskussionen mit sich bringen würde. „Wie wir letztendlich das Verhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit austarieren werden, kann ich final nicht beantworten.“

Staatstheater sieht sich gut ausgestattet

Sylvia Fritzinger vom Mainzer Staatstheater glaubt, dass solche Privilegien im Theater gar nicht nötig wären: „Unsere großen Zuschauerräume sind durch die Lüftung und die Sicherheitsvorkehrungen extrem gut ausgestattet, sodass Geimpfte und Nicht-Geimpfte mit gutem Gefühl ins Theater gehen könnten.“ Die finale Entscheidung werde man aber ohnehin nicht als Theater alleine treffen, sondern gemeinsam mit den Trägern, also Land und Stadt. Aktuell stehe das noch nicht zur Debatte. Viel mehr beschäftige sich das Theater damit, wie der Spielbetrieb nach dem Lockdown wieder starten könnte.

Mainzplus Citymarketing setzt stattdessen auf Digitalisierung

Ähnlich sieht es bei „Mainzplus Citymarketing“ aus, die unter anderem viele Events in der Stadt veranstalten. Bevor sich das Unternehmen mit Privilegien beschäftigt, hofft es zunächst einmal, dass die Betriebe und Hotels überhaupt bald wieder öffnen können. „Das ist für das Stadtmarketing extrem wichtig“, sagt Philipp Meier, Bereichsleiter Marketing, Sales & Tourismus, dazu. Für die Zeit bis dahin hat Mainzplus eine neue Marke gegründet, bei der sich die Frage nach Privilegien gar nicht erst stellt. Mit „Mainzplus digital“ veranstaltet das Unternehmen Online-Events.

„Wir haben die Digitalisierung für uns vorangetrieben und wollen das auch weiterhin tun. Es soll auch in Zukunft digitale und hybride Events geben“, so Meier dazu. Das gelte unter anderem für Kongresse und Tagungen, aber auch mit Fastnachtern berate man über digitale Sitzungen.

Frage nach Ansteckungsgefahr von Geimpften weiter ungeklärt

Darüber, ob Impf-Privilegien überhaupt sinnvoll wären, wird aktuell vor allem in der Politik diskutiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dazu erst vor Kurzem in einer Pressekonferenz: „Wir wissen nicht, ob Geimpfte noch ansteckend sein werden. Deshalb stellt sich die Frage eigentlich nicht.“ Sicherlich könnte das Reisen in verschiedene Länder zukünftig nur mit Impfung zulässig sein - das wäre aber nicht unüblich. Einige Länder setzen schon seit Jahren Impfungen bei der Einreise voraus. Ganz aktuell und im Zusammenhang mit dem Coronavirus sei es aufgrund der Impfstoffknappheit aber bereits ein Privileg, überhaupt geimpft zu sein, so die Kanzlerin.

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