Gibt es zu viele Optiker in der Mainzer Innenstadt? Diese Frage wirft ein Leser auf, der allein zwischen der Römerpassage und dem Brand zehn solcher Geschäfte gezählt hat. Seine Beobachtung befeuert wieder einmal die Diskussion um den Branchenmix und die Attraktivität der Innenstadt, die von manchen spöttisch auf Optiker, Döner-Läden, Nagelstudios und Ein-Euro-Shops reduziert wird. Doch was sagt eine solche Optiker-Dichte überhaupt über die Mainzer Innenstadt aus?
Auf Nachfrage von Merkurist erklärt die IHK Rheinhessen, dass die hohe Zahl an Optikern zunächst auf eines hindeutet: Unternehmen sehen in Mainz Marktchancen und treffen offenbar auf eine entsprechende Nachfrage. Als Oberzentrum versorge die Stadt nicht nur die eigene Bevölkerung, sondern ziehe auch viele Menschen aus dem Umland an. Ob ein Geschäft dauerhaft erfolgreich sei, würden letztlich die Kunden entscheiden.
Für die Attraktivität der Innenstadt bleibe dennoch ein vielfältiger Mix aus Handel, Gastronomie und Dienstleistungen entscheidend, so die IHK weiter. Ein direkter Vergleich mit anderen Städten, was Optikergeschäfte betreffe, sei wenig aussagekräftig, da sich die Strukturen und die Datenlage unterscheiden.
Gründe sind Nachfrage und Spezialisierung
Auch der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) kann nicht beurteilen, ob Mainz ein Sonderfall ist, was die Dichte an Brillengeschäften angeht, da ihm keine Vergleichsdaten für einzelne Innenstädte vorliegen. Bundesweit sei die Zahl der augenoptischen Betriebe zuletzt sogar leicht auf rund 10.700 zurückgegangen. Dass sich in einer Innenstadt, wie beispielsweise Mainz, mehrere Geschäfte halten, könne verschiedene Gründe haben. Dazu zählten die Bevölkerungsstruktur, die Passantenfrequenz und die Kaufkraft, wie der ZVA gegenüber Merkurist mitteilt.
Zudem spiele das jeweilige Geschäftsmodell eine wichtige Rolle. So könne sich ein Optiker beispielsweise auf Sportbrillen spezialisieren, während sein Mitbewerber ein anderes Konzept verfolgt, so der ZVA. Die reine Anzahl der Geschäfte erlaube daher keinen direkten Rückschluss auf die Höhe der Nachfrage.
Persönliche Beratung als Stärke
Ein wesentlicher Grund für den Erfolg der stationären Geschäfte gegenüber dem Online-Handel sei folgender: „Der stationäre Augenoptiker bietet einen Mehrwert, der über den reinen Verkauf eines Produkts hinausgeht“, so der ZVA. Damit seien die persönliche Beratung, die individuelle Messung und Anpassung sowie die fachliche Begleitung der Kunden gemeint.
Diese Kombination sei bei einem so individuellen Produkt wie einer Brille entscheidend dafür, dass das stationäre Geschäft den Markt weiterhin präge. Das belegen auch Zahlen aus dem aktuellen Branchenbericht des ZVA, wonach lediglich 270.000 Brillen online verkauft wurden. Eine Studie aus dem Spätherbst 2024 zeigte zudem, dass rund 64 Prozent der deutschen Erwachsenen eine Brille tragen. Auch damit lässt sich wohl die Anzahl an Optikergeschäften in der Mainzer Innenstadt erklären.