Innenstadt-Zoff: „Nur Nagel-Studios und Optiker-Läden bringen Mainz nichts“

Die Coronakrise hat dem Einzelhandel in Mainz stark zugesetzt. Besser wird es nicht, da die Geschäfte weiterhin zu sind. Aber ist die Innenstadt generell noch interessant, um dort zu shoppen? Nicht alle sind von dem Branchenmix vor Ort begeistert.

Innenstadt-Zoff: „Nur Nagel-Studios und Optiker-Läden bringen Mainz nichts“

Am kommenden Montag (1. März) werden in Mainz die Corona-Regelungen, die vor allem den Handel betreffen, gelockert (wir berichteten). Ähnlich wie bereits in anderen Bundesländern dürfen dann auch unter anderem Blumenläden, Gartencenter und Tierparks unter Auflagen wieder öffnen. Zudem dürfen Einzelhändler ein „Terminshopping“ anbieten. Wenn möglich sollen in absehbarer Zeit dann auch weitere Geschäfte wieder aufmachen dürfen. Doch lohnt sich die Mainzer Innenstadt überhaupt noch für einen Shopping-Bummel? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Vorsitzende der „Interessengemeinschaft Mainzer City-Carré“, Dieter Grünewald, schon längere Zeit. Sein bisheriges Fazit fällt dabei aktuell eher vernichtend aus.

„Einkaufen in diesem Quartier immer uninteressanter“

Grünewald würde sich für Mainz einen attraktiven Branchenmix wünschen, den es seiner Meinung nach nicht gibt in der Stadt. Die Verantwortung, für diesen Mix zu sorgen, sieht er dabei bei den Entscheidungsträgern in der Stadt. „Die wichtigen Personen sollten sich einmal intensiv Gedanken darüber machen, dass ein Konzept auf den Tisch gehört und dass es nicht nur bei Gebabbel bleibt.“ So habe ihm beispielsweise der Ladenbauer, der gerade das ehemalige WMF-Geschäft in der Stadthausstraße 13 umrüstet, berichtet, dass im April ein weiteres Optik-Fachgeschäft in der Stadthausstraße öffnen werde - das sechste auf einer Strecke von gerade einmal 100 Metern, so Grünewald. Darüber hinaus gebe es in unmittelbar angrenzenden Straßen drei weitere Optiker-Fachgeschäfte.

Nicht unerwähnt bleiben sollte bei dieser Bewertung, so Grünewald, dass sich auch neun Nagel-Studios in diesem Quartier befinden. „Sollen diese zur qualitativen Aufwertung und finanziellen Aufbesserung der Mieteinnahmen der Vermieter einen wesentlichen Beitrag leisten und für einen deutlichen Imagegewinn des Quartiers sorgen?“, fragt Grünewald. Dies sei sicherlich „ein grandioser Zuwachs“ für einen attraktiven-, frequenz-, angebots- und das Einkaufserlebnis fördernden Branchenmix, der weiterhin dafür sorgen wird, dass das Einkaufen in diesem Quartier sich immer uninteressanter gestaltet.“ Profitieren davon würden bestenfalls die angrenzenden Städte und die Online-Anbieter. In jedem Fall würde dies aber bewirken, „dass unser Mainzer City-Carré immer mehr verödet und ausblutet“, sagt Grünewald.

Junge Leute meiden Innenstädte

Für ihn sei es unverständlich, dass die Hauseigentümer und Immobilien-Agenturen nicht begreifen, dass es nicht nur um möglichst hohe Mieteinnahmen ginge, sondern auch darum, dass ein attraktiver Branchenmix und ein ausgewogenes, gesamtstädtisches Angebot langfristig für sichere Mieteinnahmen, weniger Leerstand, zufriedene Mieter und höhere Kundenfrequenzen sorge, so Grünewald. Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass die Hauseigentümer an einen Tisch geholt werden, um mit ihnen zusammen eine langfristige Lösung zu finden.

Dass es generell in deutschen Städten schwierig ist, jüngere Menschen für eine Shopping-Tour in den Innenstädten zu begeistern, besagt auch die Studie „Vitale Innenstädte 2020“ des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), die der „Bild“ vorliegt. Demnach können sich nur 29 von 100 jungen Leuten unter 25 Jahren noch für einen Einkaufsbummel durch das Stadtzentrum begeistern. 51 kaufen lieber online ein. Wie IFH-Chef Boris Hedde gegenüber der Zeitung sagt, würden viele kleine Läden und Boutiquen nach Corona nicht mehr da sein. Aber auch große Ketten müssten Filialen schließen. Insgesamt bräuchte man neue Ideen. „Einkaufen muss zunehmend zum Erlebnis werden. Wenn zum Beispiel ein Kaufhaus Flächen für E-Game-Events freigibt, kommt auch die Jugend wieder“, sagt Hedde gegenüber „Bild“.

Stadt investiert

Und was macht die Mainzer Politik aktuell gegen den vor allem coronabedingten Abwärtstrend in der Innenstadt? Die hat nun beschlossen, dass sobald Öffnungen möglich sind, Handel und Gastronomie kurz- und mittelfristig unterstützt werden sollen. Nach Absprache mit den Akteuren sollen sofort 50.000 Euro für Werbemaßnahmen zur Verfügung gestellt werden (wir berichteten). Zudem werden 50.000 Euro in Beleuchtungskonzepte investiert und in mobiles Stadtmobiliar für besondere Händleraktionen. Geplant ist außerdem, Mainzer Plätze durch begrünte Sitzgelegenheiten aufzuwerten.

Am Markt eröffnet im Sommer außerdem der „Mainz Store“ als neuer Treffpunkt für Touristen und Mainz-Liebhaber. Auch die Marketingausgaben in den Wochenendtourismus nach Mainz werden gesteigert. Zusammen mit den Mainzer Händlern soll zudem ein Gutschein-System entwickelt werden, das Kunden mehr an den stationären Handel binden soll. Ob das aber allerdings langfristig dazu führt, dass der Handelsstandort Mainzer Innenstadt attraktiv wird, bleibt abzuwarten.

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