Neue Gewölbebar in der Mainzer Altstadt

Eine „gemütliche Gewölbebar“ soll es bald in der Emmerich-Josef-Straße geben: „Das Archiv“ eröffnet in einer legendären Location. Wir haben mit einem der neuen Betreiber gesprochen.

Neue Gewölbebar in der Mainzer Altstadt

Was haben Harald Schmidt, „Goldfinger“ Gert Fröbe und Dieter Hildebrand gemeinsam? Sie alle waren im „Winzerkeller“ in der Emmerich-Josef-Straße zu Gast. Denn fast alle Künstler gingen nach ihren Auftritten im Mainzer Unterhaus noch in die Kneipe von Schorsch und Ludwig. Die galten als handfeste Wirte, sympathisch, gastfreundlich. Man konnte rauchen, was das Zeug hält, und bekam oft noch bis 5 Uhr morgens etwas zu essen. Die Stars trugen sich seit den 70er-Jahren ins Gästebuch ein, das noch heute im Kabarettarchiv zu finden ist. Dann, Ende 1994, endeten die Einträge abrupt. Schorsch starb im Alter von etwa 50 Jahren. Weil er alleiniger Pächter war, bedeutete sein Tod gleichzeitig das Aus für die Kneipe.

Zunächst stand der Keller viele Jahre leer, seit 2017 wurde er als Archiv der Hausverwaltung genutzt. Zuvor waren einige Versuche gescheitert, erneut eine Gastronomie in den Räumen zu eröffnen. Doch das ändert sich jetzt. Denn tatsächlich öffnet in den Räumen des ehemaligen „Winzerkellers“ bald wieder ein Lokal: die Gewölbebar „Das Archiv“. Eine Gruppe von acht Privatleuten (Dominik, Teddy, Flo, Sebastian, Jana, Chris, Tino und Chrisi) erweckt den legendären Keller wieder zum Leben.

Langwieriger Umbau

Noch im Jahr 2020 übernahm die Gruppe die Räume – und musste zunächst sehr viel Arbeit reinstecken. „Wir mussten eine ganze Menge umbauen, bekamen immer wieder neue Vorgaben von Behörden“, erzählt der Mainzer Florian. „Das meiste haben wir selbst gemacht, Hunderte Stunden renoviert, rausgerissen, gebohrt, isoliert, gefliest, Leitungen gelegt. Vieles mussten wir wieder abreißen und neu bauen.“ Die meisten Arbeiten erledigten Florian und die anderen abends oder am Wochenende. „Wir haben alle einen Hauptberuf.“ Die Gruppe sei bunt zusammengewürfelt und habe sich über „Tausend Umwege“ gefunden. Auch Florians Bruder und ein sehr enger Freund sind dabei, andere lernte er erst 2020 kennen.

Was die Gruppe eint, ist das gemeinsame Ziel: den Gewölbekeller wieder zu einem echten Treffpunkt zu machen. „Wir sind Riesenfans des Mainzer Marktfrühstücks. Und diesen Flair wollen wir auch in den Gewölbekeller transportieren: Die unterschiedlichsten Menschen sollen bei uns ihren Schoppen trinken und Spaß haben – ausgelassen, aber friedlich.“

„Keine Hipsterbar“

Einen Club oder eine Partylocation zu eröffnen, sei nicht in Frage gekommen. Stattdessen werde „Das Archiv“ eine gemütliche Gewölbebar. „Keine Hipsterbar, es wird keine ‘Ferz’ geben. Einfach eine bodenständige Bar mit angenehmen Leuten und ehrlichen Preisen.“ Florians Lieblingskneipe sei die „Andau“. „Wir wollen nichts abkupfern, aber in die Richtung darf es schon gehen.“ Man sehe sich nicht als Konkurrenz zur alteingesessenen Kneipenlandschaft, sondern als Ergänzung.

Das wichtigste Getränk auf der Karte: die Weinschorle vom Winzer. Auch diverse Weine und Biere soll es geben, dazu eine „Schatzkiste“ mit „richtig guten Schnäpsen, die man nicht überall bekommt“, so Florian. Außerdem sollen Herrengedeck (Bier, Korn) und hessische Spezialitäten wie Mispelchen oder Äppler auf der Karte stehen. Eine warme Küche wird es nicht geben, dafür kleinere Speisen und Snacks, etwa Chili, Spundekäs und natürlich Weck, Worscht und Woi.

Wann es losgehen soll

Etwa 60 bis 80 Leute sollen in den zwei größeren Räumen Platz haben. Es werde auch einen abgetrennten Raucherbereich geben. Und Musik soll laufen. „Einfach schöne Hintergrundmusik, kreuz und quer. Wir sind da offen für die Wünsche der Gäste.“ Wie der Vorgänger „Winzerkeller“ soll das „Archiv“ ein Ort werden, an dem man sich gerne aufhält. „Auch zum Versacken oder einfach nur zum Vorglühen.“

Doch wann können sich die Gäste selbst von dem neuen Konzept überzeugen? Schon am Elften Elften 2021 gab es einen Straßenverkauf vor dem „Archiv“. „Viele Leute haben damals reingeschaut und waren sehr angetan von der Location. Wir kriegen seitdem immer wieder Anfragen: ‘Wann geht es endlich los?’“ Ursprünglich habe man schon an Fastnacht öffnen wollen. Doch der Umbau verzögerte sich, zudem sollte in Sachen Corona wieder einigermaßen Normalität herrschen. Jetzt gibt es in der Gastronomie keine Corona-Regeln mehr und auch der Umbau ist fast abgeschlossen. „Wir hoffen, dass wir im Juni eröffnen können“, sagt Florian.

Und dann wolle man in „Übereinstimmung mit der Nachbarschaft“ aufmachen. „Wir wissen, welche Probleme andere Bars in der Gegend haben. Wir wollen auf keinen Fall anecken.“

Geöffnet ist die neue Bar (voraussichtlich ab Juni) am Donnerstag, Freitag und Samstag ab etwa 18 Uhr bis Open End. An anderen Tagen will man die Räume für Kulturveranstaltungen wie Poetry Slams zur Verfügung stellen.

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