Nur wenige bedanken sich

Beim diesjährigen "Danke-Polizei-Tag" sollten Mainzer Bürger die Möglichkeit haben, der ortsansässigen Polizei für ihre Arbeit zu danken. Angenommen wurde die Initiative nicht.

Nur wenige bedanken sich

Der gestrige Samstag hätte ein freudiger Tag für Mainzer Polizisten werden sollen. Zum ersten Mal organisierte der Verein Keine Gewalt gegen Polizisten den Danke-Polizei-Tag – ein Tag, an dem Menschen sich direkt bei den örtlichen Dienststellen für ihre Hilfe bedanken können.
Dienstgruppenleiter Jörn Grünhagen wartet ab 10 Uhr gespannt in der Polizeiinspektion Mainz 1 auf die Bürger, die heute danke sagen wollen. Aufmerksam wird jeder Fußgänger, der sich der Dienststelle nähert, begutachtet und als potentieller Danke-Sager eingestuft. Doch keiner der vorbeilaufenden Passanten betritt die Polizeiwache. Vereinzelt finden zwar Menschen in Handschellen, mit persönlicher Polizeibegleitung, den Weg in die Wache, jedoch beabsichtigen davon keiner, sich bei den Gesetzeshütern zu bedanken.

Der Danke-Polizei-Tag 2015, welcher von Gerke Minrath, Vorstandsvorsitzende des Vereins Keine Gewalt gegen Polizisten initiiert wurde, sollte Menschen, denen beispielsweise kürzlich von der Polizei geholfen wurde, die Möglichkeit bieten, sich auf der jeweiligen Polizeiwache zu bedanken. Erstmals fand der Danke-Polizei-Tag im vergangenen Jahr in Ahrweiler statt. "Immer mehr Polizisten werden im Dienst angegriffen und sowohl seelisch, als auch körperlich verletzt", sagt Minrath. "Die Beamten riskieren im Dienst häufig ihr Leben und müssen sich dazu auch noch Beleidigungen oder gar Körperverletzungen gefallen lassen." Deshalb sei es an der Zeit, den Polizisten Danke zu sagen. Laut Minrath vergessen viele Bürger, dass die Polizei dazu da sei, die Menschen zu schützen.

In der Polizeiinspektion Mainz 1 fand sich gegen halb elf dann doch noch ein dankbarer Besucher ein. Oberbürgermeister Michael Ebling kam in die Weißliliengasse. Er wolle den besonderen Tag nutzen, um sich persönlich bei der Mainzer Polizei zu bedanken. "Ohne die zahlreichen, kompetenten Beamten gäbe es keinen Rosenmontagsumzug, keine Johannisnacht und schon gar keine friedlichen Fußballspiele."

Initiatorin Gerke Minrath hatte ein straffes Tagesprogramm, insgesamt standen fast zehn Polizeidienststellen in Rheinland-Pfalz auf ihrer Dankes-Agenda, davon drei weitere Polizeidienststellen und die Bundespolizei in Mainz. Danach ging es für sie nach Andernach, Remagen und Bad Neuenahr. Diese Dienststellen hat sich Minrath ausgesucht, um selbst Danke zu sagen und um sich ein Bild davon zu machen, wie der Danke-Polizei-Tag in anderen Städten angenommen wird. "Vielleicht müssen wir im kommenden Jahr medienwirksamer arbeiten, um die Bürgerinnen und Bürger noch mehr darauf aufmerksam zu machen", sagt Gerke Minrath.

Merkurist