Einfach mal Danke sagen

Sie sind dazu da, um Straftaten zu verfolgen und aufzuklären. Hierbei werden Polizisten immer häufiger selbst Opfer von körperlicher und verbaler Gewalt. Am 19. September findet deshalb der Danke-Polizei-Tag in Mainz statt.

Einfach mal Danke sagen

„Im Vorbeigehen traf mich sein Faustschlag mit voller Wucht im Gesicht“, erzählt Polizeioberkommissar Andreas Chladeck. Der 33-Jährige Polizist wurde vor wenigen Wochen im Dienst Opfer einer Gewalttat. Ein Hundebesitzer hatte sich auf der Polizeiwache nach seinem verlorengegangenen Hund erkundigt, die Polizisten konnten ihm nicht weiterhelfen. Der Mann wurde so wütend, dass es vor dem Polizeigebäude zu Beleidigungen und einem Handgemenge zwischen dem Hundebesitzer, Chladeck und zwei weiteren Kollegen kam. Polizeioberkommissar Chladeck erlitt ein Schleudertrauma und war eine Woche dienstunfähig.

Im vergangenen Jahr kam es in Rheinland-Pfalz zu 2056 Fällen von körperlicher oder verbaler Gewalt gegenüber Einsatzkräften der Polizei. Die Zahl der Polizisten, die in Folge einer Gewalttat nicht mehr dienstfähig sind, stieg von vier auf elf.

"Wir wollen Köpfe und Herzen der Bürger erreichen." - Gerke Minrath

Wegen solcher Zahlen wurde im vergangenen Jahr erstmals der "Danke-Polizei-Tag" in Ahrweiler veranstaltet und findet nun in diesem Jahr am 19. September in Mainz statt. An diesem Montagmittag gab es eine Pressekonferenz zu der Veranstaltung. "Die Polizei schützt uns. Das vergessen viele", sagt Gerke Minrath, Vorstandsvorsitzende des Vereins Keine Gewalt gegen Polizisten und Initiatorin des Danke-Polizei-Tages.

Möglichkeit, Danke zu sagen

"An diesem Tag sollen Bürger bundesweit in jede Polizeidienststelle gehen und den Beamten ihren Dank aussprechen", erläutert Minrath das Konzept. Laut Minrath vergessen viele, dass Polizisten im Dienst häufig ihr Leben riskieren. Ebenso können sich Bürger vorab eine Postkarte aushändigen lassen, auf deren Rückseite sie ihren Dank notieren und in der jeweiligen Polizeiinspektion abgeben können.

Roger Lewentz (SPD), rheinland-pfälzischer Innenminister und Schirmherr des Danke-Polizei-Tages findet deutliche Worte: „Gewalt gegen Polizisten ist ein gesellschaftliches Problem. Es fehlt der nötige Respekt und die Akzeptanz gegenüber einer Institution der inneren Sicherheit.“ Laut Lewentz wurden im vergangenen Jahr bundesweit mehr als 62 000 Polizisten Opfer von gewalttätigen Übergriffen. „Jeder Bürger, der eine friedliche Gesellschaft will, sollte den Danke-Polizei-Tag unterstützen“, sagt Lewentz.

Außer den körperlichen Übergriffen zählen Beleidigungen mittlerweile zum Alltag der Polizisten. Gerade Frauen seien regelmäßig verbalen Attacken ausgesetzt, so Polizeipräsident Reiner Hamm. 89% der Gewalttaten gegen Polizisten passieren im Streifendienst, also auf der Straße. Ein weiteres Problem, das die Arbeit der Beamten erschwere, seien Handykameras. Unbeteiligte Passanten filmen hierbei die polizeiliche Vorgehensweise, um den Einsatzkräften ein mögliches Fehlverhalten nachweisen zu können. Einsatztrainer der Polizei stellten eine solche Situation nach:

Polizisten besser schützen

Um den Schutz von Polizisten sicher zu stellen, werden derzeit einige Maßnahmen erprobt. In Hessen gab es ein Pilotprojekt, bei dem sogenannte BodyCams zum Einsatz kamen. Polizisten werden dabei mit einer Kamera am Körper ausgestattet, die in kritischen Situationen mitfilmt. Laut Polizei konnte mit den BodyCams ein leichter Rückgang der Gewalttaten verzeichnet werden, da sie potenzielle Gewalttäter abschreckten. Unter Datenschützern sind die Körperkameras allerdings umstritten.

Merkurist