Polizei Mainz warnt vor großem Anstieg von Hacker-Angriffen

Die Cyberkriminalität in Rheinland-Pfalz hat zugenommen. Durch Hackerangriffe können persönliche Daten veröffentlicht werden, auch Energieversorgung und medizinische Einrichtungen sind gefährdet. Was unternehmen Polizei und LKA gegen Hacker?

Polizei Mainz warnt vor großem Anstieg von Hacker-Angriffen

Mehr als tausend Firmen weltweit haben Kriminelle kürzlich durch einen Angriff auf eine amerikanische IT-Firma lahmgelegt. Sie hatten die Software durch ein Erpressungsprogramm manipuliert und so die Unternehmen verschlüsselt, die Firmen konnten also nicht mehr auf ihre Daten zugreifen. Das hatte Auswirkungen bis nach Europa: In Schweden etwa mussten daraufhin 800 Filialen der Supermarktkette Coop schließen.

Die Cyberkriminalität nimmt zu, auch in Deutschland, auch in Rheinland-Pfalz. „Sie hat ein hohes Gefahrenpotenzial für Staat und Gesellschaft, insbesondere in den Bereichen kritischer Infrastrukturen und Märkte“, teilte kürzlich das Polizeipräsidium Mainz mit. Zu den kritischen Infrastrukturen zählen etwa die Strom- und Trinkwasserversorgung, Banken, Tankstellen, Krankenhäuser und Verwaltung.

„Bei einem solchen Angriff können rechtswidrig personenbezogene Daten veröffentlicht werden, außerdem können schwerwiegende Einschränkungen im öffentlichen Leben oder in er medizinischen Versorgung die Folge sein“, erklärt Helena Jarisch, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Mainz. So wurde etwa vor zwei Jahren die Trägergesellschaft Süd-West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Opfer eines Cyberangriffes. Das gesamte Netzwerk war blockiert, betroffen waren auch das Mainzer DRK-Schmerzzentrum und die Geschäftsstelle.

Cyber-Attacken werden tendenziell zunehmen

Tendenziell sei von einer zunehmenden Anzahl von Cyber-Attacken auszugehen. Ein Grund dafür sei die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitsprozesse. „Dadurch steigt die IT-Abhängigkeit“, so Polizei-Pressesprecherin Jarisch. „Bei Cyberangriffen kann die IT-Infrastruktur in merklichem Ausmaß beeinträchtigt und im schlimmsten Fall für unbestimmte Zeit komplett unbrauchbar gemacht werden.“ Auf Merkurist-Anfrage ist zu erfahren, dass sich immer mehr Wirtschaftsunternehmen bei der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) des LKA melden - im vergangenen Jahr waren es etwa 3000 mehr als noch im Jahr 2018 (12500 Kontaktaufnahmen). Und das sind nur die Unternehmen. „Die Mehrheit potenzieller Opfer ist im privaten Bereich zu finden“, sagt Jarisch. Vor allem würden breit angelegte Malware- und Phishing-Kampagnen an sehr große Verteiler initiiert, die sich mehrheitlich aus privaten Adressen zusammensetzen.

„Bei Cyberangriffen kann die IT-Infrastruktur in merklichem Ausmaß beeinträchtigt und im schlimmsten Fall für unbestimmte Zeit komplett unbrauchbar gemacht werden“ - Polizei Mainz

ZAC ist zuständig für Hackerangriffe in Behörden, Einrichtungen und Unternehmen. Die Zentrale Ansprechstelle existiert in allen Bundesländern und berät gemeinsam mit der Polizei die betroffenen Einrichtungen, wie sie sich vor Angriffen schützen können. Außerdem finden sich beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Handlungsanleitungen zum IT-Grundschutz. „Eine besondere Schwierigkeit stellt nach wie vor die niedrige Sensibilität für Straftaten im Internet allgemein dar“, heißt es von Seiten der Mainzer Polizei. „Diese rasanten Entwicklungen und das ständig anwachsende Datenmaterial stellen die Landeskriminalämter generell vor besondere Herausforderungen.“ Strafanzeigen gegen Cyberangriffe erstattet die Polizei inzwischen regelmäßig.

Kooperation mit Informatik-Studiengängen

Um besser gegen die zunehmende Cyberkriminalität vorgehen zu können, arbeitet das LKA Rheinland-Pfalz und das Polizeipräsidium Mainz nun mit der Hochschule Worms zusammen. Hier soll der Fachbereich Informatik vor allem dafür sorgen, dass das allgemeine Bewusstsein für die Gefahr verbessert wird. Auch auf nationaler und internationaler Ebene soll besser zusammengearbeitet und Wissen geteilt werden.

„Unsere Informatik-Studiengänge sind bei jungen Menschen derzeit stark nachgefragt und können durch die Kooperation mit dem Landeskriminalamt und dem Polizeipräsidium nun noch anwendungsnäher ausgestaltet werden." so der Präsident der Hochschule Worms, Prof. Dr. Jens Hermsdorf. So entwickeln die Studenten Routinen, um in ihrem späteren Berufsleben Gefahren so früh wie möglich zu erkennen und an das gesamte Unternehmen weitergeben zu können. Auch aktuelle Forschungsergebnisse sollen mehr eingebunden werden. Module wie „Netzwerke und IT-Sicherheit“, „Networks & Security“ sowie „Mobile Security“ werden zum Standard.

„Die Relevanz der IT-Sicherheit werden durch Best Practices sichtbar und nachvollziehbar gemacht“, heißt es von Seiten der Mainzer Polizei. „Prophylaxe, Erkennung und Abwehr von Angriffen auf die IT-Sicherheit werden stärker in den Fokus genommen, um die Sensibilität für Cyberkriminalität zu erhöhen.“

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