Mainzer Studierende designen Handtaschen aus Kaktusleder

Mit ihrem neu gegründeten Unternehmen wollen sich drei Studierende „der zweitgrößten umweltverschmutzenden Industrie der Welt“ entgegenstellen: Mit Handtaschen aus Kaktusleder schaffen sie eine nachhaltige Alternative - und suchen jetzt Unterstützer.

Mainzer Studierende designen Handtaschen aus Kaktusleder

Handtaschen bestehen meist aus Leder, denn das ist langlebig, robust und sieht gut aus. Die alternative, oft günstigere Variante sind Kunststoffe, also synthetisches Leder. Aus Umweltaspekten sei beides kritisch zu sehen, finden Anna Specht, Celine Vogt und Rabel Timasius. Gemeinsam überlegten sich die drei Mainzer daher eine Möglichkeit, nachhaltige Mode auf den Markt zu bringen, die vegan und ressourcenschonend ist, die keine Kunststoffe, keine giftigen Chemikalien und Farbstoffe enthält.

Nach einiger Suche kamen sie auf Kaktusleder als Rohstoff. „Kaktusleder enthält keinerlei Kunststoffe, es kommt kein Tier zu Schaden, und es werden bei der Färbung ausschließlich natürliche Stoffe verwendet“, erklärt Rabel Timasius, der sich im Team um die die steuerlichen und finanziellen Fragen kümmert.

Kakteen brauchen nur sehr wenig Wasser

Die Vorteile von Kaktusleder seien „einfach unschlagbar“: Die Pflanzen verbrauchen nur sehr wenig Wasser, sind sehr ergiebig und ihr Anbau konkurriert nicht mit dem von Nahrungsmitteln. Außerdem sei Kaktusleder von Natur aus besonders flexibel, atmungsaktiv, langlebig und widerstandsfähig.

„Das Material für die Taschen kommt aus Mexiko“, erklärt Timasius. „Dort werden die Kakteen angebaut, geerntet und entsprechend zu Leder verarbeitet.“ Anschließend kommen sie zu einem Produzenten nach Italien, wo sie von Hand gefertigt werden. Das Design stammt von Anna Specht und Celine Vogt selbst. „Die ganze Produktion ist CO2-negativ, weil durch die Produktion der Kakteen mehr CO2 in den Pflanzen gebunden als durch die gesamte Produktion ausgestoßen wird“, erklärt Timasius. Die Farbe der grünen Tasche besteht etwa aus den Farbpigmenten der geernteten Kakteen.

Alle im Team von „Rabél“- wie sie ihr neues Unternehmen genannt haben - studieren Wirtschaftswissenschaften und BWL. Die Idee, ein Unternehmen zu gründen, hatten sie schon lange. „Die Idee mit den Handtaschen aus Kaktusleder kam erst später mit dem Wunsch dazu, unsere Lieferkette ausschließlich nachhaltig und fair zu gestalten“, erinnert sich Timasius. So tragen ihre Taschen auch das Vegan-Logo der Tierschutzorganisation PETA. „Damit ist bescheinigt, dass wir ihren strengen Anforderungen gerecht werden und auf sämtliche tierische Produkte in unserer Produktion verzichten.“

Einziges Problem an ihrem Projektplan: Da sie noch studieren beziehungsweise gerade an ihren Bachelor- und Masterarbeiten schreiben, sind ihre finanziellen Mittel begrenzt. „Daher haben wir anfangs Schmuck aus Asien eingekauft und in Deutschland und Europa vertrieben, um genügend Mittel einzusammeln, um endlich in Europa herzustellen zu können“, so Timasius. Kürzlich startete zudem ihre Crowdfunding-Aktion. „Wir wollen damit auch die Industrie zum Umdenken bewegen und ihr zeigen, wie einfach es sein kann, nachhaltige und ressourcenschonende Materialien zu verwenden“, schreiben sie dort. „Die Modebranche ist die zweitgrößte umweltverschmutzende Industrie der Welt und die Lederindustrie trägt einen erheblichen Teil dazu bei. Wir glauben an eine gerechte Welt, in der wir Tieren, Menschen und unserer Umwelt mit Respekt begegnen.“

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