Bus und Bahn „vollgestopft“: Wie steht es um die Infektionsgefahr im ÖPNV?

Deutschlandweit steigen aktuell wieder die Inzidenzzahlen - auch bedingt durch die Virusmutationen. Größere Menschenansammlungen sollten daher gemieden werden. Viele fürchten nun, dass sie sich im ÖPNV anstecken könnten - zurecht?

Bus und Bahn „vollgestopft“: Wie steht es um die Infektionsgefahr im ÖPNV?

Mittlerweile hat auch Mainz die dritte Corona-Welle erreicht. Die Inzidenzzahlen liegen konstant über dem Wert von 50 und der Einzelhandel ist schon wieder geschlossen. Zu größeren Menschenansammlungen kommt es zurzeit aber noch am Rheinufer, in Supermärkten oder im ÖPNV. Im letzteren Fall stehen die Leute zumindest im Berufsverkehr - wenn auch mit Mund-Nasen-Schutz - oft eng beieinander. Bei vielen Pendlern hinterlässt das ein ungutes Gefühl. Manche fürchten sogar, sich in Bussen und Bahnen einem erhöhtem Infektionsrisiko auszusetzen. So meint zum Beispiel ein Merkurist-Leser: „Bus und Bahn sind vollgestopft - es wird nichts unternommen, um Infektionen in den Öffentlichen zu vermeiden“. Doch ist das wirklich so?

„Vielleicht auf Folgefahrzeug ausweichen“

In Mainz ist die Mainzer Mobilität (MM) für den ÖPNV zuständig. Dort ist man für das geschilderte Anliegen sensibilisiert. So sagt der MM-Pressesprecher, Michael Theurer, auf Anfrage von Merkurist: „Grundsätzlich ist im ÖPNV nie gänzlich auszuschließen, dass zu bestimmen Zeiten vereinzelt auch mal ein Bus oder eine Bahn ‘voll’ ist.“ Dann liege es aber auch im Ermessen der Fahrgäste, vielleicht auf ein Folgefahrzeug auszuweichen. „Wir können nur appellieren, auch mal auf das kommende Fahrzeug zu warten.“ Dieses sei dann in der Regel verhältnismäßig leer, so Theurer. „Ein strukturelles Problem sehen wir nicht, zumal wir trotz einer Fahrgastnachfrage von derzeit rund 30 Prozent das volle Angebot fahren und so sicherstellen, dass sich Fahrgäste möglichst gut verteilen können.“ Pauschale Vorwürfe, es sei zu voll in den Fahrzeugen, würden aber generell nicht wirklich weiterhelfen.

„Wenn uns auffällt oder wir entsprechende Hinweise bekommen, dass es auf bestimmten Streckenabschnitten dauerhaft zu voll sein sollte, schauen wir uns gerne das Ganze an und versuchen, hier eine Besserung zu erzielen.“ Derzeit gebe es jedoch so gut wie keine Beschwerden über zu volle Fahrzeuge, so Theurer.

Wie hoch ist denn nun das Infektionsrisiko?

Der Pressesprecher der MM, Michael Theurer, sagt dazu: „Durch die Pflicht zum Tragen medizinischer Masken, die relativ kurzen Aufenthaltszeiten in den Fahrzeugen und die ständige Luftzirkulation durch geöffnete Fenster und Türöffnungen an den Haltestellen, ist das Infektionsrisiko im ÖPNV sehr gering.“ Es liege aber in der Natur der Sache, dass ein Abstand von 1,5 Metern nicht immer eingehalten werden kann. Daher die medizinischen Masken.

Doch wie bewerten die deutschen Top-Virologen das Infektionsrisiko im ÖPNV? Hendrick Streeck von der Uni Bonn sagt dazu bei „n-tv.de“: „Das Infektionsrisiko im Öffentlichen Nahverkehr ist gering. Das Virus wird nicht über die Hände übertragen oder wenn man dort in engem Kontakt ist, sondern von Rachen zu Rachen. Also wenn man sich anhustet.“ Die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut hält zumindest das Tragen von FFP2-Masken für wichtig, um das Risiko einer Infektion zu minimieren. Im SWR sagt sie: „Es gibt die 3 G’s die man vermeiden sollte: Geschlossene Räume, Gedränge und Gespräche. Der Nahverkehr hat zumindest 2 davon.“ Daher seien FFP2-Masken sicher eine bessere Idee als die normalen OP-Masken. „Sie schützen auch, wenn man sich beim Ein- und Aussteigen zu nahe kommt und auch gegen diejenigen, die immer noch der Meinung sind, sie müssten in Bus und Bahn keine Maske tragen“, so Priesemann im SWR.

Auch laut „zdfheute-stories“ minimiert die Maskenpflicht im ÖPNV das Ansteckungsrisiko. Der Hauptübertragungsweg der Tröpfcheninfektion werde so schon einmal gehemmt – gerade wenn das Abstandhalten schwierig ist. Zudem würden in öffentlichen Verkehrsmitteln Menschen weniger reden als etwa in einer Bar. Dadurch sinke auch das Infektionsrisiko, denn je nach Aktivität würden mehr oder weniger Aerosole ausgestoßen.

In Mainz scheint sich immerhin auch die überwiegende Zahl der Fahrgäste an die Maskenpflicht zu halten, wie MM-Pressesprecher Michael Theurer angibt. „Unsere stichprobenartigen Kontrollen sowie die Kontrollen des Ordnungsamtes in unseren Fahrzeugen zeigen, dass die Maskenpflicht von nahezu allen Fahrgästen sehr gewissenhaft eingehalten wird. Wir haben hier keine strukturellen Probleme mit Maskenverweigerern.“ Wenn das Kontrollpersonal Verstöße feststellt, würden diese geahndet. Bisher seien aber nur sehr wenige Fälle bekannt.

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