DLRG rechnet mit Anstieg der Badeunfälle

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft glaubt, dass die Zahl der Badeunfälle im Rhein in den nächsten Jahren zunehmen wird. Alexander Pfleger, Einsatzleiter der Mainzer Ortsgruppe, erklärt woran das liegt.

DLRG rechnet mit Anstieg der Badeunfälle

Eigentlich ist das Baden im Rhein im Mainzer Stadtgebiet aus Sicherheitsgründen verboten (wir berichteten). Immer wieder müssen Polizei, Feuerwehr und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) dennoch ausrücken, um Menschen aus dem Fluss zu retten. Erst heute haben Badegäste zwei Schwimmer aus dem Rhein im Strandbad Oppenheim gezogen, auch die DLRG war sofort zur Stelle. Dort kann man auf eigene Gefahr schwimmen. Unter den Geretteten war auch ein Kind.

Nicht immer enden solche Einsätze gut. Laut einer bundesweiten DLRG-Statistik sind im letzten Jahr 16 Menschen in Rheinland-Pfalz und 23 Menschen in Hessen ertrunken. Die DLRG war allein in Mainz im letzten Jahr an etwa 25 Rettungseinsätzen beteiligt. Das ist zwar nicht mehr als in den Jahren zuvor, Alexander Pfleger, Einsatzleiter der Mainzer DLRG, fürchtet aber einen Anstieg in den nächsten Jahren. Schuld daran habe auch die Corona-Pandemie.

„Durch die Corona-Pandemie hat fast ein ganzer Jahrgang weder das Schwimmen gelernt, noch ein ganzes Jahr das Schwimmen sicher betrieben.“ - Alexander Pfleger, DLRG

„Wir erwarten in den kommenden Jahren bemerkenswerte Unterschiede und rechnen auch in diesem Jahr wieder mit einem Anstieg der Einsätze und der verunfallten Personen“, sagt er gegenüber Merkurist. „Denn durch die Corona-Pandemie hat fast ein ganzer Jahrgang weder das Schwimmen gelernt, noch ein ganzes Jahr das Schwimmen sicher betrieben.“ Oft sei der Grund, warum jemand ertrinkt, eine Verbindung aus mangelnder Schwimmkenntnis, Unterkühlung und der Kraft der Strömung.

Noch immer keine Schwimmkurse

Helfen kann es dementsprechend in schwierigen Situationen, wenn man richtig und ausdauernd schwimmen gelernt hat. Die DLRG setzt dabei zwar keine Altersgrenze, empfiehlt aber die ersten Schwimmkurse schon ab einem Alter von etwa fünf Jahren. Seit März 2020 konnten allerdings keinerlei Schwimmkurse in Mainz stattfinden. Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln und geschlossene Schwimmbäder sorgten dafür, dass sogar laufende Kurse abgebrochen werden mussten. Und auch jetzt, wo die Freibäder wieder geöffnet sind, kann die DLRG wegen der strengen Auflagen keine Schwimmkurse anbieten (wir berichteten).

Neben den fehlenden Kursen könnte aber auch ein weiterer Faktor zu mehr Badeunfällen führen. „Ebenso sehen wir den Anstieg der sommerlichen Hitze durch den globalen Klimawandel als Anlass, dass sich viele Menschen im Wasser abkühlen wollen und damit auf tollkühne Ideen kommen“, sagt Pfleger. Das sei zwar verständlich und die DLRG würde auch mehr bewachte Badestellen am Rhein begrüßen. Der Fluss mache das durch die Schifffahrt und die ständige Veränderung des Flussbetts aber schwer. „Heutzutage sind Badestellen am Rhein kaum noch möglich, weshalb auf Schwimm-, Naturbäder oder (Bagger)-Seen ausgewichen werden muss“, sagt Pfleger. „Hier sind Gemeinden aber meist nicht bereit mehr als das Mindeste zu tun und sperren Seen aus Haftungsgründen meist komplett für den Badebetrieb.“ Deshalb bleibt die DLRG auch weiterhin einsatzbereit, um Menschen zu helfen, die die Gefahren des Rheins und ihre eigenen Schwimmfähigkeiten unterschätzen.

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