Brautausstatterin über Lockdown-Verlängerung: „Es darf keiner verlangen, dass ich das verstehen soll“

Der Lockdown wurde bis Anfang März verlängert - für die Mainzer Brautausstatterin Elena Godbold beutetet das weitere Wochen ohne Kunden. Sie und andere Kollegen aus der Branche machen jetzt online auf sich aufmerksam.

Brautausstatterin über Lockdown-Verlängerung: „Es darf keiner verlangen, dass ich das verstehen soll“

Es gibt wohl einiges, das leichter zu planen ist, als eine Hochzeit während einer Pandemie. Nicht nur, dass man sich auf immer neue Regeln einstellen muss und aktuell nur im aller engsten Kreis heiraten darf. Auch der Brautkleidkauf ist zurzeit alles andere als einfach. Brautmodengeschäfte sind in Rheinland-Pfalz geschlossen und dürfen nur Abhol-, Liefer- und Bringdienste anbieten, wenn schon ein Kleid bestellt wurde. Bräute haben also aktuell keine Möglichkeit, sich vor Ort beraten zu lassen. Für Brautausstatterin Elena (Ela) Godbold von „Elas Bräute“ in der Mainzer Kurt-Schumacher-Straße ist das unverständlich. Sie hofft, ihr Geschäft bald wieder öffnen zu dürfen.

„Ich finde, es wäre an der Zeit gewesen, bestimmte Branchen differenzierter zu betrachten“ - Elena Godbold, Elas Bräute

„Ich bin absolut keine Corona-Leugnerin oder Verschwörungstheoretikerin und sehe ein, dass gewisse Regulierungen sinnvoll sind“, sagt Ela kurz nachdem der Lockdown bis Anfang März verlängert wurde. „Aber langsam steht für mich der Schaden in keinem Verhältnis mehr. Ich finde, es wäre an der Zeit gewesen, bestimmte Branchen differenzierter zu betrachten.“

„Unser Geschäft ist im März gelaufen“

Das große Problem sei, dass Brautmodenausstatter ihr ganzes Jahresgeschäft in fünf Monaten abwickeln müssen. „Ich kann nur immer wieder betonen, dass unser Geschäft im März gelaufen ist“, sagt Ela. Denn Brautkleider werden nicht von der Stange verkauft, sondern maßangefertigt und das bringe eine Lieferzeit von drei bis sechs Monaten mit sich. „Selbst wenn die Bräute wieder zu uns kommen dürfen, können wir kaum noch Kleider verkaufen. Wie sollen wir das Jahr überbrücken? Wie sollen wir in neue Waren und Kollektionen investieren, wenn jede Reserve in die Miete geflossen ist?“ Zudem sei noch hinzugekommen, erzählt Ela, dass sie seit Dezember keine Hilfsgelder bekommen hat.

„Jeden Tag sitze ich in meinen 140 Quadratmetern und kann es nicht fassen, dass es nicht möglich sein soll, ein bis zwei Personen in Einzelterminen empfangen zu können.“

Zu dem Ärger kommt Unverständnis. Denn sie fragt sich, warum andere Branchen früher öffnen dürfen, aber Brautmodenausstatter nicht. „Jeden Tag sitze ich in meinen 140 Quadratmetern, davon 80 Quadratmeter Verkaufsfläche, und kann es nicht fassen, dass es nicht möglich sein soll, ein bis zwei Personen in Einzelterminen empfangen zu können“, sagt Ela. Als die Brautmodengeschäfte noch geöffnet waren, habe sie verantwortbare Hygienekonzepte geliefert und bei Beratungsterminen die Ankleidung von Begleitpersonen durchführen lassen. Damit könne sie mehr Abstand halten als Friseure, die etliche Menschen am Tag und näher bedienen, sagt sie. „Das heißt nicht, dass ich es den Friseuren nicht gönne, dass sie früher öffnen dürfen. Aber es darf auch keiner verlangen, dass ich das verstehen soll.“ Weil in anderen Bundesländern die Beratung vor Ort erlaubt ist, werde die Luft für Geschäfte in Rheinland-Pfalz außerdem noch dünner - die Kundinnen könnten schließlich einfach woanders hinfahren.

Auch andere Brautausstatter machen auf Probleme aufmerksam

Mit ihrem Unverständnis und den Existenzängsten ist Ela nicht allein. Sie stehe mit 250 Brautausstattern deutschlandweit in Verbindung und wisse, dass all diese Probleme über viele Wege an die Bundesregierung herangetragen wurden. Es habe sich aber nichts geändert. Wie sie selbst - in Form von Instagram-Posts - machen auch andere Inhaber von Brautmodengeschäften deshalb in den sozialen Medien auf sich aufmerksam.

„Ich glaube, dass es jetzt voran geht, dass die Inzidenzzahlen sinken und wir dann das Lockdown-Ende erreichen“ - Julia Malecha, „Zweite Liebe Traumkleider“

Eine Brautausstatterin aus Karben bei Frankfurt hat beispielsweise ein Video gedreht, in dem sie ihr eigenes Unverständnis über die Schließungen ausdrückt. Julia Malecha von „Zweite Liebe Traumkleider“ in Saulheim verkauft schon fertige Kleider, auch aus zweiter Hand, und ist deshalb nicht so sehr betroffen wie ihre Kollegen. Dennoch macht sie immer wieder öffentlich auf die Situation der Branche aufmerksam und versucht auch, Mut zu machen: „Natürlich sind es noch drei Wochen, die wir durchhalten müssen, aber es ist für mich ein Ende in Sicht. Ich glaube, dass es jetzt voran geht, dass die Inzidenzzahlen sinken und wir dann das Lockdown-Ende erreichen. Ich glaube daran, dass wir ab dem 7. März wieder öffnen können.“

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