Warum manche sofort einen Impftermin bekommen und andere nicht

Der eine hat seine Erstimpfung schon hinter sich, der andere wartet noch auf den Termin - und das trotz schneller Registrierung. Warum gibt es solche Unterschiede? Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums erklärt den Prozess hinter der Terminvergabe.

Warum manche sofort einen Impftermin bekommen und andere nicht

Man hat die gleiche Prioritätsgruppe und registriert sich am selben Tag für einen Impftermin - trotzdem kommt es immer wieder vor, dass ein Impfling seine Termine schon am nächsten Tag erhält und der andere erst Wochen später. Einigen Merkurist-Lesern fallen dabei auch Unterschiede zwischen den Ländern auf. In Leser Julians Freundeskreis haben alle Freunde aus der Prioritätsgruppe 3 in Hessen schon ihre Termine - in Rheinland-Pfalz allerdings noch keiner. Und das, obwohl die Prio 3 in beiden Ländern am 23. April freigeschaltet wurde. Bei anderen Lesern war es genau anders herum:


Warum gibt es diese teils großen Unterschiede bei der Vergabe von Impfterminen? Timo Konrad vom rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium erklärt das grundsätzlich so: „Insgesamt handelt es sich bei der Terminvergabe und -planung um ein komplexes und dynamisches System, in welchem zahlreiche unterschiedliche Komponenten berücksichtigt werden müssen.“

Terminvergabe hängt von vielen Faktoren ab

Wer sich für einen Termin registrieren will, kann das telefonisch oder online tun. Das Team der Impfdokumentation vergibt die Termine dann grundsätzlich automatisiert - das hängt aber von einigen Faktoren ab. „Die Terminvergabe ist abhängig von der Auslastung des jeweiligen Impfzentrums, der Priorisierung und des Zeitpunktes der Registrierung sowie der Menge des zur Verfügung stehenden Impfstoffkontingents“, erklärt Konrad. Auch bei einer schnellen Registrierung verschiedener Personen könne es zu einem zeitlichen Verzug der Terminbestätigungen kommen, denn: „mehrere Tausend Personen pro Tag nutzen die Registrierungsmöglichkeit. Das bedeutet, dass selbst bei nahezu gleicher Uhrzeit eine deutlich unterschiedliche Terminierung stattfinden kann.“

„Allein in den vergangenen zehn Tagen haben sich noch mehr als 60.000 Menschen der Priogruppen 1 und 2 registriert.“ - Timo Konrad, Gesundheitsministerium Rheinland-Pfalz

Wegen der teils großen regionalen Unterschiede könne es außerdem sein, dass mancherorts schon Impfungen der Prio 3 durchgeführt werden, da es keine Wartenden der Priogruppen 1 und 2 mehr gab. Das könne sich aber wiederum täglich ändern, weil immer noch neue Registrierungen der ersten beiden Prioritätsgruppen hinzukommen, die dann bevorzugt behandelt werden: „So haben sich beispielsweise allein in den vergangenen zehn Tagen noch mehr als 60.000 Menschen der Priogruppen 1 und 2 registriert“, sagt Konrad. Innerhalb der dritten Prioritätsgruppe gibt es übrigens auch eine Priorisierung - Lehrer der weiterführenden Schulen sollen bis Mitte Mai ihre Erstimpfungen erhalten.

Manchmal, so Konrad, komme es auch vor, dass Fehler bei der Registrierung passieren, die dem Impfling am Ende zu Gute kommen. „In sehr wenigen Fällen stellen wir fest, dass es bei der Registrierung versehentlich zu falschen Angaben kam - beispielsweise hinsichtlich des Geburtsjahres oder einer priorisierten Berufsgruppe - was fälschlicherweise zur Einordnung in eine höhere Priogruppe und damit zu einer schnelleren Terminvergabe geführt hat.“ Das betreffe aber wohl weniger als ein Prozent der vergebenen Termine.

„Auch weitere Unvorhersehbarkeiten können zu Verzögerungen führen.“ - Timo Konrad

Zu all diesen Faktoren kämen außerdem noch unvorhersehbare Probleme hinzu. So musste kurzzeitig die Impfung mit dem Stoff von Astrazeneca gestoppt werden, dann durfte er in der Regel nur bei über 60-Jährigen eingesetzt werden. Dadurch kam es zu Verzögerungen in der Terminvergabe. „Auch weitere Unvorhersehbarkeiten, wie kurzfristig reduzierte Lieferungen von Impfstoffdosen, erschweren die Terminvergabe und können zu Verzögerungen führen.“

Große Unterschiede zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz sieht das Land Rheinland-Pfalz aber nicht. „Mit Blick auf die täglich vom RKI veröffentlichten Zahlen lässt sich bei der Erstimpfungsquote kein grundsätzlicher Unterschied im Impftempo über alle Priorisierungsgruppen erkennen.“ Eine Anfrage zum Stand in Hessen an das Innenministerium blieb bis zum Erscheinen des Artikels unbeantwortet. Am Freitag (7. Mai) lag die Impfquote in Rheinland-Pfalz laut RKI bei 30,5 und in Hessen bei 30,8.

Logo