Hätte der Rosenmontagszug abgesagt werden müssen?

Das Coronavirus verbreitet sich immer mehr in Deutschland. Jetzt fragen sich Merkurist-Leser: Hätte der Rosenmontagszug abgesagt werden müssen? Und wie gehen Stadt und Veranstalter mit weiteren Großveranstaltungen in Mainz um?

Hätte der Rosenmontagszug abgesagt werden müssen?

Noch ist in Mainz kein Corona-Fall bekannt, doch im Rhein-Main-Gebiet sieht das schon anders aus (wir berichteten). Auch in Mainz bereiten sich Ämter und Krankenhäuser auf die ersten Fälle vor. Jetzt fragt sich Merkurist-Leser Shiraz: „Warum wurde angesichts einer grassierenden Epidemie der Rosenmontagszug nicht abgesagt?“. Denn immerhin kamen am Montag vor einer Woche mehr als 500.000 Menschen in der Stadt zusammen.

Wie Michael Bonewitz, Pressesprecher des Veranstalters Mainzer Carneval-Verein (MCV), sagt, habe es dafür keine Überlegungen gegeben. „Es gab weder wegen der Grippewelle noch wegen des Wetters in diesem Jahr eine Diskussion, den Zug abzusagen.“ Es gebe jedes Jahr ein Sicherheitskonzept, das für möglichst alle denkbaren Fälle Maßnahmen vorsehe. „Dieses Sicherheitskonzept ist aus naheliegenden Gründen nicht für die Öffentlichkeit gedacht.“ Außerdem gebe es ein Krisenteam, das sich im Bedarfsfall zusammensetze und gravierende Entscheidungen wie eine Zugabsage bespreche.

In geschlossenen Räumen höhere Ansteckungsgefahr

Auch andere Leser hätten eine Zugabsage für falsch gehalten. „Bei einer Grippewelle wird der Rosenmontagszug doch auch nicht abgesagt“, kommentiert Martin. Karl schreibt: „Die ersten Fälle in Deutschland wurden erst am Dienstag bekannt - abgesehen von den Münchner Fällen vor Wochen, die sich aber alle auf nachvollziehbarem Weg angesteckt hatten und schon wieder gesund sind. Am Rosenmontag gab es noch keine Epidemie.“

Außerdem: 2016 wurde der Rosenmontagszug zuletzt abgesagt, damals wegen Unwetters. Doch auch an diesem Tag war die Mainzer Innenstadt voll mit Menschen. Sie verteilten sich noch mehr in die Kneipen und Clubs - wo die Ansteckungsgefahr höher ist als draußen. „Dieser Zug ist im Freien. Da sollte man sich doch eher Gedanken um Filmtheater oder Konzerte in Hallen machen“, kommentiert ein Leser entsprechend. Doch wie sieht es mit künftigen Großveranstaltungen in Mainz aus? Einige Events in Deutschland wie die Handwerksmesse wurden bereits abgesagt.

Was ist mit Marktfrühstück und Rheinfrühling?

Eine Sprecherin von Mainzplus Citymarketing, das viele Events und Kongresse in Mainz veranstaltet, sagt: „Wir halten uns an die offiziellen Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes, des Gesundheitsamtes Mainz-Bingen und der obersten Gesundheitsbehörde auf Bundesebene.“ Zum jetzigen Zeitpunkt (Stand: 2. März 2020) seien keine Veranstaltungen akut gefährdet. Falls dies doch zum Thema werde, informiere man tagesaktuell auf den Webseiten (www.mainz-congress.com www.frankfurter-hof-mainz.de).

Auch die großen Frühjahrsveranstaltungen der Stadt Mainz scheinen derzeit nicht in Gefahr. Stadt-Pressesprecher Ralf Peterhanwahr sagt: „Momentan können wir noch nicht sagen, ob Veranstaltungen wie der Rheinfrühling oder das Marktfrühstück abgesagt werden müssen. Wir sind dazu derzeit mit verschiedenen Stellen in Beratung und unterhalten uns über mögliche Szenarien.“ (pk)

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