Wird das Mainzer Impfzentrum bald wieder schließen?

Die Zahl der Impfungen sinkt wöchentlich, in den Impfzentren Mainz und Ingelheim kann man sich inzwischen auch ohne Termin impfen lassen. Doch lohnt sich der Betrieb überhaupt noch?

Wird das Mainzer Impfzentrum bald wieder schließen?

Am 1. Oktober war das Mainzer Impfzentrum in Gonsenheim in den Standby-Betrieb gegangen und öffnete zwei Monate später wieder, um die hohe Nachfrage an Auffrischungsimpfungen bedienen zu können (wir berichteten). Nun sinkt die Zahl der Impfungen wieder, wöchentlich suchen immer weniger Menschen die Einrichtung auf.

Wie das rheinland-pfälzische Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit (MWG) auf Merkurist-Anfrage mitteilt, wurden in der vergangenen Woche im Impfzentrum Mainz genau 603 Impfungen verabreicht, in Ingelheim (Impfzentrum des Landkreises Mainz-Bingen) waren es sogar nur 213. Zum Vergleich: Im Januar waren durchschnittlich mehr als 3200 pro Woche (13000 im Monat), in Ingelheim etwa 2700 (etwa 11000 Impfungen im Monat). „Da die durchgeführten Impfungen in den letzten Wochen stetig gesunken sind, werden die Kapazitäten entsprechend angepasst“, so David Freichel, Pressesprecher des MWG.

Hausärzte als bessere Anlaufstelle?

Ob die Impfzentren bei den geringen Impfzahlen noch aufrecht erhalten werden, wird bundesweit diskutiert. Die Finanzierung ist inzwischen geklärt – zumindest laut Aussage von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Er sagte kürzlich, dass der Bund laut Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz noch bis Ende 2022 die Hälfte der Kosten übernehmen werde. Doch sollen die Impfzentren laut Verordnung auch „wirtschaftlich“ sein.

Ulrich Weigeldt vom Hausärzteverband sagte gegenüber dem Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), dass sich die meisten Menschen sowieso in den Arztpraxen impfen lassen. Auch ohne Impfzentren gebe es gerade „mehr als genug Kapazitäten in den Hausarztpraxen“, so Weigeldt. Hausarztpraxen seien zudem am besten geeignet, um zweifelnde Menschen zu erreichen. Dennoch sei, als Impfstoffe knapp war, der Großteil immer zuerst an die Impfzentren gegangen sei, kritisiert er.

Zukunft der Impfzentren an vielen Orten ungewiss

Wie aus einer Umfrage des RND hervorgeht, sei in fünf der 16 Bundesländer die Zukunft der Impfzentren ungewiss. Rheinland-Pfalz hingegen habe, wie Hamburg, Hessen und Thüringen gemeldet, weiterhin auf staatliche oder kommunale Impfzentren zu setzen.

Wie sieht es konkret für die Impfzentren in Mainz und Ingelheim aus? Eine konkrete Entscheidung stehe noch aus, teilt Freichel vom MWG mit. Ob also die Impfzentren in der Region weiter betrieben werden, hänge maßgeblich davon ab, ob und wie die Finanzierungszusage des Bundesgesundheitsministers letztendlich auch in der Coronavirus-Impfverordnung des Bundes umgesetzt werde. Dies gelte prinzipiell für alle Impfzentren im Land, auch die langfristigen Planungen seien von der Bundesebene abhängig: Ob und wie es mit den Impfzentren weitergehe, könne demnach erst beantwortet werden, „wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen des Bundes feststehen“, so Freichel.

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