Stornowelle bei Veranstaltungsbetrieben – auch Mainz stark betroffen

Die Veranstaltungsbranche schlägt Alarm: Ein Großteil ihrer Betriebe stünde wegen der verschärften Pandemiemaßnahmen vor Insolvenzen und Entlassungen.

Stornowelle bei Veranstaltungsbetrieben – auch Mainz stark betroffen

Vier von fünf Veranstaltungsbetrieben leiden unter akuter Stornowelle – das meldet die „fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft“. So würden die verschärften Pandemiemaßnahmen der Regierung aufgrund der neuen Corona-Welle die ohnehin schon niedrige Auftragslage in der Eventindustrie vernichten. Die Lage spitze sich zu, indem gleichzeitig Politiker ein Ende der Wirtschaftshilfen wollen.

Die meisten Veranstaltungen wurden abgesagt

So seien wegen der ansteigenden Inzidenzen große Teile geplanter Veranstaltungen abgesagt worden: Messebeteiligungen, Weihnachtsmärkte, Konzerte, Kleinkunst, Festivals und Jahreshauptversammlungen. Besonders betroffen seien Mitarbeiteranlässe wie Weihnachtsfeiern. „Die Pandemiewelle wird zur Stornowelle“, so Jan Kalbfleisch, der Geschäftsführer der „fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft“. Bundesweit seien zwei Millionen Jobs und 240.000 Betriebe akut existenzgefährdet.

Auch die Mainzer Veranstaltungswirtschaft meldet einen Notstand für die Branche. „Die wirtschaftliche Not wird für langanhaltend Betroffene täglich größer, ein Ausweg aus der Pandemie ist nicht in Sicht“, sagt Bernard vom Bauer, Projektleiter beim Veranstaltungsplaner Atmosphere GmbH. Gemeinsam mit anderen Betroffenen aus der Branche hat er die Initiative „AlarmstufeRot Rheinland-Pfalz“ gegründet.

Das Eigenkapital ist aufgezehrt

Bauer und seine Mitstreiter begrüßen zwar die von der Wirtschaftsministerkonferenz und der Bundesregierung angekündigte Verlängerung der Wirtschaftshilfen und der Kurzarbeit als „unterstützenden und wichtigen Schritt“. Allerdings hätten die Hilfen die Kosten von Unternehmen und Selbstständigen bisher nur teilweise ersetzt. „Eigenkapital und Altersvorsorge sind aufgezehrt“, so Bauer. Für die geschäftlichen Events, die 88 Prozent des Gesamtumsatzes der Branche ausmachen würden, fehle weiterhin die Planungssicherheit. Ein großes Problem seien hier die langen Vorlaufzeiten, auch aufgrund von Genehmigungsverfahren und der Beteiligung internationaler Teilnehmer.

Stattdessen bräuchte die Veranstaltungswirtschaft eine langfristige Perspektive, die über das aktuelle „Fahren-auf-Sicht mit Hilfsverlängerungen im Drei-Monats-Rhythmus“ hinausgehe. Zahlreiche Solo-Selbstständige seien in andere Berufe und Anstellungen gewechselt, weil die angesetzte „Neustarthilfe“ von Anfang an zu niedrig angesetzt worden sei. Ein Weg zurück sei nun undenkbar. „Massiver Fachkräftemangel ist die Folge und wird einen Neustart behindern“, so Bauer. „Unsere Branche ist durch die Pandemie sehr in Mitleidenschaft geraten, sie ist am Boden. Und es ist nichts Positives in Sicht“, sagt auch Johannes Götten. Als selbstständiger Tontechniker arbeitet der 21-Jährige mit Bands wie BAP, Marius Müller Westernhagen und Ina Müller zusammen.

Ihre Forderungen wollte die Initiative „AlarmstufeRot Rheinland-Pfalz“ am Freitag vor Vertretern der Politik kundtun. Angemeldet waren auch Vertreter der Veranstaltungsbranche sowie des neu gegründeten Landesverbands Rheinland-Pfalz des “forward: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft”. Das Gespräch wurde jedoch kurzfristig abgesagt – von politischer Seite, wie der Veranstalter mitteilte.

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