Was bringt ein selbstgenähter Mundschutz?

Da es in Deutschland aktuell zu Lieferengpässen bei medizinischen Masken kommt, greifen viele Mainzer in der Corona-Krise auf selbstgenähte Stoffmasken zurück. Aber schützen die überhaupt vor den Viren?

Was bringt ein selbstgenähter Mundschutz?

Im Internet findet man mittlerweile zahlreiche Anleitungen, wie man Behelfsmasken selbst nähen kann, die vor dem Coronavirus schützen sollen. Viele Mainzer fragen sich allerdings, ob diese Masken überhaupt eine Ansteckung mit dem Virus verhindern können.

Diese Unsicherheit ist für Caroline Bahnemann vom „Katholisches Klinikum Mainz“ nicht neu. Die Leiterin der Marketing-Abteilung des Klinikums verweist auf die Homepage des Robert Koch Instituts (RKI). Dort wird erklärt, dass es sinnvoll sein kann, einen selbstgenähten Mund-Nase-Schutz (MNS) in der Öffentlichkeit zu tragen.

Weiß der Träger noch nicht, dass er selbst infiziert ist, können so seine Mitmenschen geschützt werden. Denn beim Husten, Niesen und Sprechen werden Tröpfchen freigesetzt. Die Masken fungieren dabei als Barriere und halten einen Teil der Tropfen zurück. Laut einer Studie der Cambringe Universität von 2013 lassen selbstgemachte Masken aus Staubsaugerbeuteln und Geschirrtüchern übrigens am wenigsten Partikel durch.

Leser Andreas merkt an, dass man sich trotz der Masken an die bestehenden Abstands- und Hygieneregeln halten muss. Auch das „RKI“ warnt vor einem falschen Sicherheitsgefühl: „Für die optimale Wirksamkeit ist es wichtig, dass ein Mund-Nasen-Schutz korrekt sitzt.“ Das bedeutet, dass die Maske eng anliegend getragen werden muss. Ist sie durchfeuchtet, muss man sie umgehend wechseln.

Mainzer nähen Masken für einen guten Zweck

„Die Verantwortung ist groß“ -Behrouz Asadi, Leiter Migrationsbüro Rheinland-Pfalz/Hessen

Da die Masken nicht nur in den Drogerie-Märkten vergriffen sind, sondern es auch bei Krankenhäusern und Pflegeheimen zu Lieferproblemen kommt, bittet Behrouz Asadi vom „Malteser Werk“ die Mainzer um Hilfe. Um Masken für soziale Einrichtungen und betroffene Personen nähen zu können, fehlen wichtige Materialien: „Aus diesem Grund möchten wir die Bevölkerung aufrufen, uns zu unterstützen und bisher ungenutzte Baumwollstoffe, die kochfest sind, zur Verfügung zu stellen.“ Auch Gummibänder, Nähgarn und Nähmaschinen werden für die Aktion „Hand in Hand zwischen Haupt- und Ehrenamt für soziale Verantwortung“ benötigt. Asadi betont: „Die Verantwortung ist groß und daher ist es für uns wichtig, Hand in Hand zusammenzuarbeiten.“ Die Masken werden dann in den sozialen Einrichtungen sowohl für das Personal, für das Ehrenamt und die betroffenen Menschen zur Verfügung gestellt. „Alle unsere Leistungen bezüglich dieses Projekts sind natürlich kostenlos“, so Asadi.

Auch das Mainzer Staatstheater hilft in der Krise. Dort entstehen bereits Masken für die Uniklinik. Die Schneider der Kostümabteilung seien auf diese Idee gekommen, so Kathrin Doering vom Staatstheater. „Zeitgleich gab es Gespräche zwischen dem Intendant Markus Müller und dem Vorstandsvorsitzenden der Universitätsmedizin Prof. Dr. Pfeiffer, dass wir mit der Herstellung von einfachen, waschbaren Masken sehr helfen könnten.“ Einige der Masken ziert ein schwarzer Stern, das Logo des Theaters. Doering berichtet weiter: „In der ersten Woche sind über 500 Masken gefertigt worden, die die Universitätsmedizin Mainz direkt entgegengenommen hat.“ Für die weiteren Masken übernehme die Klinik als zentrale Stelle die Verteilung.

„Ich finde es ist ein Zeichen des Respekts und der Solidarität“ -Helen Bender, Brautmoden-Designerin

Auch für Brautmoden-Designerin Helen Bender war klar, dass sie in der Situation helfen möchte: „Die Stoffmasken sind kein medizinischer Schutz, aber besser als nichts.“ Deshalb engagierte sie Hobbyschneiderinnen, mit denen sie Masken anfertigt und kostenlos an Menschen in Pflegeberufen und Berufsgruppen mit Kundenkontakt verteilt. Bender berichtet: „Man schützt mit diesen Masken zwar nicht direkt sich selbst, dafür aber das Gegenüber. Ich finde, es ist ein Zeichen des Respekts und der Solidarität den Mitmenschen gegenüber.“

Zusätzlich habe sie noch eine Kollektion mit Statement-Maske entwickelt, darauf sind beispielsweise Bärte abgebildet. Deshalb musste sie für ihre Mitarbeiterinnen keine Kurzarbeit anmelden und konnte noch eine weitere Aushilfe einstellen. Die Stoffe der Kollektion werden bei „Wamasa“ in Mainz bedruckt: „Auch die freuen sich über die zahlreichen Aufträge.“ Für alle Maskenträger hat sie noch einen Tipp: „Auch empfiehlt es sich immer eine Ersatzmaske zur Hand zu haben, denn sobald die eine feucht geworden ist, können wieder Tröpfchen durchdringen.“

Die Anleitung von Merkurist für einen einfachen Mund-Nase-Schutz findet Ihr hier. (mm)

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