Unterschiedliche Zahlen: Welcher Inzidenzwert ist entscheidend?

RKI, Gesundheitsamt oder Landesuntersuchungsamt: Wo finde ich die entscheidenden Inzidenzzahlen für Mainz und Mainz-Bingen? Die unterschiedlichen Angaben haben einen einfachen Grund.

Unterschiedliche Zahlen: Welcher Inzidenzwert ist entscheidend?

Welche Zahl stimmt denn nun? Hat die Stadt Mainz am 14. Mai eine Sieben-Tage-Inzidenz von 114,4, wie es das Gesundheitsamt Mainz-Bingen meldet oder einen Wert von 109,3, der auf der Seite des Landesuntersuchungsamts zu finden ist? Auch auf der Webseite des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist jeden Tag eine aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz zu finden. Doch welcher Inzidenzwert zählt, wenn es um Lockerungen geht? Und warum gibt es überhaupt verschiedene Werte?

Zunächst einmal sind der Wert des Robert-Koch-Instituts (RKI) und derjenige des Gesundheitsamts identisch. Denn wie Kreis-Pressesprecher Bardo Faust sagt, beziehe das Amt die Inzidenzzahl direkt von der Webseite des RKI. Auch in jeder Pressemitteilung zu den aktuellen Zahlen heißt es in Bezug auf die Sieben-Tage-Inzidenz: „Maßgeblich hierfür ist die Inzidenzberechnung des Robert-Koch-Instituts (RKI).“ Und weiter: „Die Differenz zum Landesuntersuchungsamt ist auf die unterschiedlichen Meldezeitpunkte zurückzuführen. Das RKI ruft die Zahlen um Mitternacht, das LUA gegen 14 Uhr ab.“

Landesuntersuchungsamt früher dran

Auch David B. Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Landesregierung erklärt auf Merkurist-Nachfrage: „Seit dem 29. März 2021 veröffentlichen wir als Landesuntersuchungsamt (LUA) täglich die Corona-Fallzahlen. Erhoben werden die Daten von den kommunalen Gesundheitsämtern in Rheinland-Pfalz. Diese übermitteln ihre Daten einmal täglich an das LUA, das sie als landesweite Meldestelle für Rheinland-Pfalz zusammenführt.“

Doch heißt das jetzt, dass das Land mit seinen Zahlen einfach nur früher dran ist als das RKI? Freichel sagt: „Wir erhalten immer wieder Rückmeldungen, wonach es angeblich zu abweichenden 7-Tages-Inzidenzen zwischen den Berechnungen des LUA und denen des RKI kommt. In Wirklichkeit aber berichten das LUA und das RKI in der Regel identische oder zumindest nahezu identische 7-Tages-Inzidenzen.“ Das LUA veröffentlich die Zahlen montags bis freitags ab 14 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags ab 11 Uhr; das RKI erst am Morgen des Folgetags.

Welcher Wert entscheidend für Lockerungen?

„Wenn man also nachmittags zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der neuen LUA-Zahlen diese mit denen auf dem RKI-Dashboard veröffentlichten vergleicht, findet man dort noch die Inzidenzen des Vortages. Am darauffolgenden Vormittag findet man dann auch beim RKI die aktualisierten Zahlen“, so Freichel. Dieser Ablauf entspreche der gesetzlichen Meldekette, die nach den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes vom Gesundheitsamt über die Landesmeldestellen an das RKI laufen muss.

Kleine Unterschiede könne es trotzdem geben: „Unabhängig hiervon müssen kleinere Abweichungen im Umfang von ein bis zwei Meldefällen zwischen LUA und RKI bewertet werden, die auch bei korrektem Vergleich mitunter nachweisbar sind und die beispielsweise dadurch entstehen können, dass ein Gesundheitsamt außerhalb von Rheinland-Pfalz einen Fall für eine Person mit Wohnsitz in Rheinland-Pfalz anlegt, der sich dadurch der LUA-Statistik entzieht“, so Freichel.

Also ist es recht einfach: Die Zahlen, die das Landesuntersuchungsamt veröffentlicht, findet man am nächsten Tag auf den Webseiten des RKI und des Gesundheitsamts Mainz-Bingen – eventuell mit minimaler Abweichung. Aber: Maßgeblich für Lockerungen sind die Inzidenzzahlen des RKI. Erst wenn sie dort fünf Tage hintereinander unter 100 liegen, kann die Bundesnotbremse in Mainz am übernächsten Tag aufgehoben werden. Wer schon einen Tag früher wissen will, in welche Richtung sich die Zahlen bewegen, kann das also auf der Seite des Landesuntersuchungsamts nachschauen.

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