Trotz Delta-Variante massive Lockerungen: Ist das nicht zu gefährlich?

Noch in dieser Woche treten weitreichende Corona-Lockerungen in Rheinland-Pfalz in Kraft. Gleichzeitig breitet sich die Delta-Variante des Virus in Deutschland weiter aus. Ist es überhaupt ein guter Zeitpunkt für Lockerungen?

Trotz Delta-Variante massive Lockerungen: Ist das nicht zu gefährlich?

Sich mit bis zu 25 Personen gleichzeitig treffen und sogar im Club feiern gehen - das und vieles mehr dürfen die Rheinland-Pfälzer ab Freitag wieder tun. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verkündete am Dienstag massive Lockerungen der Corona-Regeln (wir berichteten). Doch ist das überhaupt eine gute Idee?

Während Rheinland-Pfalz lockert, breitet sich die Delta-Variante des Virus weiter aus. Wie das Landesuntersuchungsamt (LUA) mitteilt, liegt der Anteil der Variante an den Coronafällen in Rheinland-Pfalz aktuell bei 25,3 Prozent (Stand 28. Juni). In Mainz macht sie einen Anteil von 47,4 Prozent aus - das sind 9 von 19 Fällen. In Ländern wie Großbritannien und Portugal hat die Variante wieder zu einem deutlichen Anstieg der Neuinfektionen geführt.

Wie aggressiv ist die Delta-Variante?

Virologe Prof. Dr. Bodo Plachter und Dr. Wolfang Konen, Hygieniker der Unimedizin Mainz, sind sich einig, dass man die Mutation ernst nehmen muss. Bei der Pressekonferenz zu den Lockerungen klärte Plachter darüber auf, was man bereits über die Delta-Variante weiß. Besonders Erfahrungen aus Großbritannien hätten gezeigt: „Delta ist deutlich ansteckender als Alpha.“ Aber: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Variante aggressiver ist und Menschen schwerer erkranken.“ So steige zwar die Inzidenz schnell an, es gebe aber nur einen moderaten Anstieg der Fälle in Notaufnahmen. Auch auf die Belegung von Intensivstationen wirke sich die Delta-Variante nicht stark aus. Das gelte auch für den Krankheitsverlauf bei Kindern, sagte Plachter mit Blick auf den Schulbetrieb nach den Ferien.

Impfungen würden ebenfalls helfen, so Plachter. In Großbritannien habe sich gezeigt, dass die dort verwendeten Stoffe von Biontech und Astrazeneca auch bei der Delta-Variante vor schweren Erkrankungen und Todesfällen schützen. Das gelte allerdings nur bei zweimaliger Impfung. „Die Impfungen sind bei Delta deutlich weniger wirksam, wenn man nur einmal geimpft ist. Es ist deshalb ratsam, sich zwei Mal impfen zu lassen“, erklärt Plachter. Insgesamt befinde man sich aktuell in einer anderen Situation als noch vor einem Jahr. Die Gesellschaft sei heute viel besser geschützt als in den ersten zwei Wellen.

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