Sind die Straßen seit dem Lockdown wirklich leerer geworden?

Geschlossene Geschäfte und Gastronomien, Verbot von größeren Zusammenkünften und eine Pflicht zum Home Office: Derzeit wird vieles getan, um die Mobilität der Menschen zu minimieren. Doch zahlen sich die Maßnahmen überhaupt aus?

Sind die Straßen seit dem Lockdown wirklich leerer geworden?

Schon seit drei Monaten befindet sich Deutschland im Lockdown. Was am 2. November als „Lockdown Light“ begann, wurde seitdem immer wieder verschärft. Zuletzt zum 25. Januar: Seitdem müssen in vielen Bereichen mindestens medizinische Masken getragen werden, zudem wurde die Home-Office-Regel verschärft (wir berichteten).

Merkurist-Leser Bert hat allerdings nicht den Eindruck, dass die Mobilität in Mainz seitdem abgenommen hätte. „Warum ist überall extrem viel los – trotz Homeoffice und Lockdown?“, fragt er in seinem Snip.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes

Doch hat Leser Bert recht? Das Statistische Bundesamt mit Sitz in Wiesbaden erhebt die Zahlen zur Mobilitätsentwicklung in allen Landkreisen und kreisfreien Städten. Diese basieren auf anonymisierten und aggregierten Mobil­funkdaten aus dem Netz des Tele­kommunikations­unternehmens Telefónica.

Die tägliche Mobilität wird mit dem durch­schnittlichen Wert des entsprechenden Wochentags aus dem jeweiligen Monat des Jahres 2019 verglichen. Liegt der Wert beispielsweise bei -20 an einem Montag im September 2020, zeigt das, dass die Mobilität an diesem Tag um 20 Przent geringer ausgefallen ist als im Durch­schnitt der Montage im September 2019. Doch wie sieht die Entwicklung in Mainz aus?

Home-Office-Pflicht hat kaum Auswirkung

In Mainz zeigt sich in der kompletten Corona-Pandemie ein deutlich geringeres Mobilitätsverhalten als im Jahr 2019. Auch im zweiten Lockdown ist die Mobilität deutlich zurückgegangen - vor allem nach der Verschärfung am 16. Dezember. Allerdings sind die Werte durch die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel etwas verzerrt. Bis in die erste Januarwoche hinein gehen die Werte teilweise auf Minus 60 Prozent runter, wie man hier in der Grafik sieht.

Ab dem 5. Januar pendelt sich der Wert im Bereich von -30 bis -40 Prozent ein. Was allerdings auffällt: Die erneute Lockdown-Verschärfung Ende Januar hatte offenbar kaum Auswirkungen auf die Mobilität der Mainzer. Dies könnte man so interpretieren, dass die Home-Office-Pflicht nicht als solche interpretiert wurde. So heißt es in der Verordnung: „Arbeitgeber werden verpflichtet, ihren Mitarbeitern Homeoffice anzubieten - soweit keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen.“

Mainzer Corona-Studie untersucht Home-Office-Situation

Auch die großangelegte Corona-Studie der Mainzer Universität (wir berichteten) kommt zu dem Ergebnis, dass es beim Home Office noch Luft nach oben gibt. So befinde sich unter den Studienteilnehmern nur etwa die Hälfte der Erwerbstätigen in unterschiedlichem Ausmaß im Home Office. Die Zahlen beziehen sich allerdings auf den Zeitraum von Mitte Oktober bis Mitte Dezember 2020.

Zu neueren Zahlen heißt es auf Merkurist-Anfrage: „Die Daten zur Entwicklung der Home-Office-Situation im Zeitverlauf sowie zur Situation seit der letzten Lockdown-Verschärfung wurden bereits erhoben, sie sind aber noch nicht komplett ausgewertet.“ In Kürze sollen die Daten aber im Studien-Dashboard einsehbar sein.

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