Personalmangel wegen Impfpflicht? So ist die Lage in Mainzer Kliniken

Ab Mitte März gilt für Beschäftigte in Kliniken und der Pflege die Corona-Impfpflicht. Wie gehen Mainzer Kliniken damit um und droht jetzt ein Personalmangel?

Personalmangel wegen Impfpflicht? So ist die Lage in Mainzer Kliniken

Impfung oder Kündigung – ganz so einfach ist die Umsetzung der Corona-Impfpflicht im Gesundheitswesen dann doch nicht. Am 16. März soll die Pflicht zwar in Kraft treten, noch ist aber vieles ungeklärt. Vor Kurzem gab das Bundesgesundheitsministerium laut mehrerer Medienberichte bekannt, dass ungeimpftes Personal vorerst doch weiterarbeiten darf. Zumindest so lange, bis die jeweiligen Gesundheitsämter im Einzelfall und unter Abwägung der Situation entschieden und ein Betretungs- oder Tätigkeitsverbot ausgesprochen haben. Da die Ämter derzeit ohnehin viel zu tun haben, könnte sich das in die Länge ziehen. Immer wieder wird diskutiert, ob das überhaupt umsetzbar ist.

Und dennoch: Im Dezember haben sich laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit 25.000 Menschen mehr aus dem Gesundheits- und Sozialsektor arbeitssuchend gemeldet, als üblich. Das sei zwar nicht besorgniserregend, der Deutsche Pflegerat betonte aber kürzlich: Jeder einzelne, der geht, reißt „eine Lücke in eine ohnehin schwache Personaldecke“. Wie sieht es zurzeit in Mainzer Kliniken aus? Ist mit Kündigungen und Personalmangel zu rechnen?

Hohe Impfquoten

Sowohl in der Unimedizin als auch im Marienhaus Klinikum (MKM) sei die Impfquote sehr hoch, heißt es aus den beiden Häusern. „Wir haben in der Marienhaus-Gruppe eine Impfquote von über 95 Prozent. In Mainz und Bingen liegt sie fast bei 100 Prozent, dort sind weniger als 30 Mitarbeiter ungeimpft“, sagt Dietmar Bochert, Leiter der Unternehmenskommunikation der Marienhaus-Gruppe. In der Unimedizin wisse man aktuell von 299 ungeimpften Mitarbeitern, was einer Impfquote von über 96 Prozent entspreche. Beide Häuser hätten ihren Mitarbeitern viele Impfangebote gemacht und Aufklärungsarbeit geleistet.

Die Mainzer Kliniken versuchen jetzt weiterhin, das verbliebene ungeimpfte Personal von der Impfung zu überzeugen. „Selbst unsere Holding-Geschäftsführung sucht bei Terminen in den Einrichtungen das Gespräch, um Mitarbeitende zu überzeugen“, sagt Bochert. Wie eine Sprecherin der Unimedizin sagt, würde auch der protein-basierte Novavax-Impfstoff einige bislang ungeimpfte Mitarbeiter umstimmen. Die Ständige Impfkommission hat sich erst vor Kurzem für den Einsatz des Vakzins ausgesprochen, in Deutschland soll es ab dem 21. Februar verfügbar sein (wir berichteten).

„Erfreulich können wir feststellen, dass es bislang nicht – wie teilweise in den sozialen Medien kolportiert wird – zu massenhaften Kündigungen kommt.“ - Dietmar Bochert, MKM

Größere Kündigungswellen wegen der anstehenden Impfpflicht habe es in beiden Häusern bisher nicht gegeben. „Erfreulich können wir feststellen, dass sich weiter Mitarbeitende dazu bewegen lassen und dass es bislang nicht – wie teilweise in den sozialen Medien kolportiert wird – zu massenhaften Kündigungen kommt“, sagt Dietmar Bochert vom MKM. Es habe zwar trägerweit Kündigungen gegeben, das seien aber nur Einzelfälle gewesen. Auch nach dem 16. März gehe man nicht davon aus, impfbedingt Kündigungen aussprechen zu müssen.

Beide Kliniken für Impfpflicht - aber nicht nur für das Gesundheitswesen

Sowohl die Unimedizin als auch das MKM sprechen sich grundsätzlich für die Impfpflicht aus, allerdings nicht nur für das Gesundheitswesen. Professor Dr. Norbert Paul und Professor Dr. Norbert Pfeiffer äußerten sich Ende des Jahres in einem Spiegel-Gastbeitrag zur Position der Klinik. Demnach sei eine Pflicht für alle Bürger des Landes nötig.

„Wir sind für eine Impfpflicht, aber nicht allein für die Berufsgruppe, die sich als Erste der Pandemie in den Weg gestellt hat“ - Dietmar Bochert

Ähnlich sieht das auch das MKM. „Wir sind für eine Impfpflicht, aber nicht allein für die Berufsgruppe, die sich als Erste und ohne Rücksicht auf ihre eigene Gesundheit der Pandemie in den Weg gestellt hat“, sagt Bochert. Die Mitarbeiter seien nach wie vor an der Front und stünden am Rande ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Und nach wie vor müssten sie „die Unvernunft anderer Menschen ausbaden, nach wie vor mit Impfverweigerern diskutieren oder sich beschimpfen lassen müssen, obgleich sie oder ihre Angehörigen wegen Corona auf der Station liegen.“

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