Knallhart-Regeln beim Termin-Shopping - und was ist mit Supermärkten?

Während Hunderte Leute im Supermarkt einkaufen, ist beim Termin-Shopping in kleineren Läden meist nur eine Person erlaubt. Dazu müssen sich Einzelhändler an strikte Hygiene-Regeln halten. Für viele Bürger sind diese Vorgaben nur schwer zu verstehen.

Knallhart-Regeln beim Termin-Shopping - und was ist mit Supermärkten?

Seit Montag darf der Einzelhandel in Rheinland-Pfalz unter Auflagen wieder öffnen (wir berichteten). Der Öffnungsschritt ist möglich, weil Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Schleswig-Holstein das einzige Land mit einer stabilen Inzidenz unter 50 war. Seit Donnerstag liegt der Wert allerdings zum ersten Mal seit fast zwei Wochen wieder bei über 50. Sollte sich das an drei aufeinanderfolgenden Tagen nicht ändern, ist in allen Kreisen, die ebenfalls eine Inzidenz über 50 haben, wieder nur Terminshopping möglich - Mainz liegt aktuell bei 49. Allerdings gelten dann für Einzelhändler, die ihre Läden dafür öffnen, wieder strenge Regeln.

So müssen Kunden einen Termin vereinbaren, bevor sie einkaufen gehen können. Händler müssen nach jedem Kundenbesuch ihr Geschäft desinfizieren und mindestens eine Viertelstunde durchlüften, bis der nächste Kunde den Laden betreten darf. Zudem ist nur ein Kunde pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche erlaubt und der Einkauf muss für die Kontaktnachverfolgung dokumentiert werden. Für viele Geschäftsleute und auch Kunden sind diese strikten Regelungen aber nur schwer zu verstehen. So geht es auch Leser Oliver. Er fragt: „Warum benötigt man in Geschäften in der Stadt einen 'Single-Termin', aber gleichzeitig gehen Hunderte im Real einkaufen?“

„Keiner versteht das“

So wie Oliver geht es auch der Inhaberin des Baby- und Kinderbekleidungsgeschäfts „Alleleut“, Andrea Weser. Sie sagt gegenüber Merkurist: „Keiner versteht das.“ Auch ihre Kunden hätten nie verstanden, warum sie vor der Öffnung des Einzelhandels am Montag nicht öffnen durfte. „Wir haben hier ein gutes Hygienekonzept, genug Abstand, ein Luftreinigungssystem und die Türen stehen offen. In großen Supermärkten tummeln sich währenddessen Hunderte Leute ohne Abstand“, sagt Weser.

Marcel Büchel, der Inhaber des „Indienhaus“, bewertet die Situation ähnlich: „Man kann die Regeln einfach nicht mehr nachvollziehen. Während die Einzelhändler in der Stadt schließen mussten oder nur nach Termin aufmachen konnten, durften Real und andere Märkte weiterhin auch Sachen wie Spielzeug, Klamotten und Deko verkaufen.“ Dort seien die Gänge aber voll mit Kunden, so Büchel. „Das ist absolut unverständlich.“

Doch warum gibt es die strengen Regeln beim Terminshopping, während sich im Supermarkt die Kunden dicht an dicht drängen? Eine Merkurist-Anfrage an das Gesundheitsministerium dazu wird schließlich vom „Corona-Kommunikationsstab der Landesregierung“ wie folgt beantwortet: „Im Gegenzug zu Waren des alltäglichen Bedarfs (in Supermärkten, Drogerien, etc.) wurden mit Terminshopping theoretisch kleine Läden teilgeöffnet, die alle weiteren Waren anbieten (Schuhe, Boutiquen, etc.). Hier waren andere Maßnahmen zu ergreifen.“

Das heiße aber nicht, dass Supermärkte von allen Maßnahmen ausgenommen wären: Desinfektionsspender seien regelmäßig zu kontrollieren, die Kunden zu zählen und die Abstände einzuhalten. Es ginge darum, dass Waren des alltäglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Hygieneartikel und Getränke verkauft werden. „Online geht dies schwierig oder nur bedingt, daher mussten auch hier andere Lösungen gefunden werden“, teilt der „Corona-Kommunikationsstab der Landesregierung“ abschließend mit.

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