Wie viele Gastronomen überstehen den Lockdown?

Am 2. November mussten bundesweit die Gastronomien schließen. Seitdem sind nur noch Straßenverkauf, Liefer- und Abholdienste erlaubt. Ein Ende des Lockdowns ist nicht in Sicht. Doch wie lange können die Gastronomen überleben?

Wie viele Gastronomen überstehen den Lockdown?

„Ich wache jeden Morgen auf und hoffe, dass dieser böse Traum vorbei ist und wir wieder arbeiten dürfen“ – so brachte es Kult-Gastronom „Wolfi“ Klein im Merkurist-Interview (wir berichteten) auf den Punkt. Anfang November musste er sein Gonsenheimer Lokal „Zum Löwen“ schließen. In ganz Deutschland war der „Lockdown Light“ beschlossen worden, der unter anderem Gastronomien und Hotels traf. „Haben alle Gastronomien den Lockdown überlebt?“, fragt Merkurist-Leser Jonas in seinem Snip. Er habe bereits gehört, dass einige aufgeben mussten.

Bisher keine Insolvenzwelle

Laut der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Rheinhessen gibt es bisher sogar weniger Insolvenzen als im Vor-Corona-Jahr. Im Zeitraum vom 1. März 2019 bis 31. Januar 2020 gab es laut IHK im Bereich Gastronomie 303 Geschäftsaufgaben in Mainz. Dazu zählen alle Betriebe, die mit Essen oder Getränken handeln, also beispielsweise auch Kioske. Im gleichen Zeitraum ein Jahr später, also vom 1. März 2020 bis zum 31. Januar 2021, waren es 226 Geschäftsaufgaben. IHK-Pressesprecher Stefan Linden erklärt aber: „Ein entscheidender Grund dafür ist, dass derzeit die Pflicht ausgesetzt ist, Insolvenz anzumelden.“

Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) bestätigt, dass es in der Gastronomie bisher weniger Gewerbeabmeldungen als im Vergleichszeitraum 2019/2020 gab. „Gleichwohl ist zu befürchten, dass die Zahl der Schließungen sowohl in der Gastronomie als auch im Einzelhandel in den nächsten Wochen und Monaten wohl leider deutlich ansteigen wird. Viele Betriebe sind mittlerweile am absoluten Limit.“ Sie erwarte daher von der Bundesebene, dass die zugesagten Hilfen jetzt endlich bei den Betroffenen ankommen. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum dies so lange dauert. Ich kann den Unmut hierüber sehr gut verstehen.“

Dehoga warnt: Vielen droht das Aus

Das sieht auch Gereon Haumann so, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Rheinland-Pfalz. Er fordert, dass die Aussetzung der Insolvenzanmeldepflicht bis Ende des Jahres verlängert wird. „Sonst schleppt man die Gastronomien durch den Lockdown und danach kommt dann die Insolvenz-Welle“, sagt Haumann gegenüber Merkurist.

Schon vor dem Lockdown im November hatte der Dehoga vor einem „Kollaps des Gastgewerbes“ gewarnt. Etwa einem Drittel der Betriebe drohe das Aus. „Diese Einschätzung hat sich nicht verändert. Im Gegenteil: Die Situation ist noch desaströser geworden“, so Haumann. Eine Dehoga-Umfrage vom 10. Januar habe ergeben, dass drei Viertel aller rheinland-pfälzischen Gastronomen echte Existenzangst hätten. 1000 Betriebe in Rheinland-Pfalz hatten an der Umfrage teilgenommen, ein Viertel von ihnen befasse sich intensiv mit einer Schließung.

Haumann sagt: „Es betrifft alle Betriebstypen: die kleinen Kneipen und die großen Restaurants. Da gibt es auch kein großes Stadt-Land-Gefälle.“ Besonders dramatisch sei die Situation aber bei getränkegeprägten Gastronomien wie Bars, Clubs und Diskotheken. Haumann fordert deshalb, die Mehrwertsteuer nicht nur beim Essen, sondern auch bei den Getränken zu senken. Außerdem müsse es dringend eine Öffnungsperspektive für Clubs und Bars geben.

Vorerst keine Öffnungsperspektive

In einem 4-Stufen-Plan hatte der Dehoga die schrittweise Öffnung der Gastronomie gefordert, sollten bestimmte Inzidenzwerte unterschritten werden. Doch die Politik spielt bisher nicht mit: Am Mittwoch wurde der Lockdown erneut bis Anfang März verlängert (wir berichteten). Für Gastronomen gibt es nur eine vage Hoffnung, dass sie bald wieder öffnen könnten. Clubs werden gar nicht mehr erwähnt.

Dabei glaubt Haumann nicht daran, dass die Gastronomie das Pandemiegeschehen verschlimmere. „Wenn wir öffnen, steht der Gesundheitsschutz an oberster Stelle“, so Haumann. Durch die Schließung der Gastronomien habe man Feiern ins Private verlagert – und dort würde es eben keine Hygienekonzepte geben. Haumann macht deutlich: „Die Gastronomie ist kein Pandemietreiber.“

Appell an die Bürger

Doch was kann die Stadt Mainz tun, um Gastronomen in dieser schweren Zeit zu helfen? Wirtschaftsdezernentin Matz sagt: „Mit dem ‘Mainz hilft sofort’-Paket haben wir verschiedene Maßnahmen auch für die Gastronomie initiiert. Aktuell prüfen wir die etwaige Befreiung von Gebühren für die Sondernutzung der Flächen für die Außengastronomie im Jahr 2021.“

Sie appelliert an die Bürger, die Mainzer Gastronomie und den Einzelhandel zu unterstützen. „Nutzen Sie die verschiedenen Angebote und helfen Sie den betroffenen Betrieben, damit wir auch nach Corona weiterhin diese große Vielfalt in unserer Stadt haben.“

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