Testpflicht bei Friseuren: „Die Betriebe melden bis zu 50 Prozent Umsatzrückgang“

Friseursalons dürfen weiter geöffnet bleiben – auch unter der neuen Bundesnotbremse. Allerdings müssen Kunden einen aktuellen Corona-Negativtest vorlegen sowie FFP2-Maske tragen. Wir haben Friseure gefragt, was das nun bedeutet.

Testpflicht bei Friseuren: „Die Betriebe melden bis zu 50 Prozent Umsatzrückgang“

Bis Freitag konnten Kunden des Friseursalons „Schnittstelle“ in Bretzenheim vor ihrem Termin einen Selbsttest durchführen. Neben dem Eingang im Hinterhof hatte Inhaber Marc-Andree Neher ein paar Stühle als „Teststation“ umfunktioniert. Mit der neuen Corona-Notbremse ist dies nun nicht mehr möglich. Erlaubt sind nun ausschließlich aktuelle Schnelltests, die zum Beispiel in der Arztpraxis oder Apotheke von geschultem Personal vorgenommen werden. Das Ergebnis darf nicht älter als 24 Stunden sein und muss schriftlich bestätigt werden. „Ohne einen aktuellen Test und FFP2-Maske dürfen wir niemanden bedienen“, so Neher. Nun befürchtet er, dass zahlreiche Kunden ihre Termine absagen werden. „Viele werden auch nicht wissen, dass Selbsttests nicht mehr erlaubt sind. Die werde ich nun nicht mehr alle erreichen, um das zu kommunizieren, und sie bei ihrem Termin wegschicken müssen.“

„Um etwa 20 Prozent ist unser Umsatz schon diese Woche zurückgegangen.“ - Marc-Andree Neher, Schnittstelle

Die Testpflicht bei Friseurterminen gilt schon seit Montag, mit dem neuen bundesweiten Gesetzentwurf tritt sie automatisch bei einer Inzidenz ab 100 in Kraft – so können Friseursalons weiter geöffnet bleiben. Die Testmaßnahmen findet Neher prinzipiell sinnvoll, da sie mehr Sicherheit bieten. Die Kehrseite sind die Terminabsagen. „Um etwa 20 Prozent ist unser Umsatz diese Woche bereits zurückgegangen“, so Neher. Auch Timo Baumgärtner von „Anne & Timo Friseure“ in der Altstadt musste schon diese Woche immer wieder Kundinnen wegschicken, da sie von der Testpflicht nichts wussten. „Ungefähr 20 Termine sind diese Woche schon weggefallen, weil die Leute abgesagt haben oder keinen gültigen Test vorweisen konnten“, berichtet er.

„Viele Kunden und Betriebe sind verunsichert“

Der Landesverband Friseure & Kosmetik Rheinland meldet sogar einen Umsatzrückgang von 30 bis 50 Prozent bei den Salons, bei denen bereits die Pflicht zum Testen bestand. „Viele Kunden und Betriebe sind verunsichert, was aktuell gilt“, so Geschäftsführer Dirk Kleis. „Viele Mitarbeiter müssen wieder in Kurzarbeit.“ Marc-Andree Neher muss aktuell niemanden seiner Angestellten zur Kurzarbeit anmelden, seine Rücklagen sind wegen der Schließungen dennoch aufgebraucht. Erst kurz vor Beginn der Pandemie war er in größere Räumlichkeiten umgezogen, hat in neue Einrichtungen und den Umbau investiert.

Neben der Pflicht zum Testen und zum Tragen der FFP2-Masken müssen die Friseure weiterhin Hygienemaßnahmen einhalten und die Kontaktdaten der Kunden erfassen. Außerdem müssen sie ihren Mitarbeitenden regelmäßig Tests anbieten, die dann aber freiwillig sind.

Eine Dokumentationspflicht zu den Testergebnissen haben Friseure übrigens auch nicht - was sehr merkwürdig ist, wie sowohl Marc-Andree Neher als auch Timo Baumgärtner finden. Denn eine Kontrolle darüber, ob die Tests tatsächlich durchgeführt werden, ist damit, abgesehen von Stichproben, kaum möglich.

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