Mainzer Virologe: Die meisten „Reinfektionen“ sind gar keine

Falscher Schluss aus erneutem positiven Test

Mainzer Virologe: Die meisten „Reinfektionen“ sind gar keine

Spätestens seit Omikron hört man immer wieder davon, dass sich Genesene erneut angesteckt hätten, oft werden sie sogar wenige Wochen nach der ersten Infektion wieder positiv getestet. Doch handelt es sich dabei wirklich immer um Reinfektionen? Der Virologe Professor Bodo Plachter von der Mainzer Unimedizin hat seine Zweifel.

Gegenüber dem SWR sagte er: „Es ist schon lange bekannt, dass man mit sensitiven PCR-Tests bei manchen Patienten über Wochen hinweg Virus-RNA in geringen Mengen nachweisen kann. Dieser Bestandteil des Virus kann zwischenzeitlich auch verschwinden und wieder auftauchen. Und wenn dann eine Person zunächst negativ getestet wird und Wochen später positiv, liegt der Schluss nah, der Patient hätte sich neu infiziert. Aber das stimmt nicht.“

„Die meisten Fälle von Reinfektionen sind gar keine“

Wie der Virologe sagt, sei eine erneute Corona-Infektion sehr schwer zu unterscheiden von einer sehr langen Nachweisbarkeit des Virus. Aber: „Die meisten Fälle von Reinfektionen, die jetzt in der Öffentlichkeit erscheinen, sind gar keine.“ In Rheinland-Pfalz wurden laut SWR in diesem Jahr bisher 14.133 Fälle geprüft, bei denen der Verdacht auf eine erneute Infektion bestand. Aber nur in 33 Fällen konnte dies bestätigt werden. In den allermeisten Fällen (12.768) konnte es nicht geklärt werden.

Plachter sagt: „Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass wir als Individuum eine vollständige Immunität gegen diesen Erreger aufbauen können.“ Das liege nicht nur daran, dass sich das Virus ändere, sondern auch daran, dass die Infektion in den Atemwegen abläuft. Die Schleimhäute der Atemwege seien eine große Fläche, in der sich ein Virus einnisten könne. „Das beste Immunsystem kann die Infektion nicht gänzlich verhindern, sie aber unter Kontrolle bringen“, so Plachter. Wichtig sei deshalb ein guter Impfschutz. Aber auch eine Infektion mit der milderen Omikron-Variante könne den Immunschutz verbessern. Auf keinen Fall solle man sich aber absichtlich anstecken. Jede Corona-Infektion sei ein Risiko und oft wisse man von seinen eigenen Vorerkrankungen nichts.

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