Mainzer sauer auf Gesundheitsamt: „So kenne ich Deutschland nicht“

Langes Warten für Merkurist-Leser Marco: Nachdem eine Bekannte positiv auf Corona getestet wurde, erwartete der Erstkontakt einen schnellen Anruf des Gesundheitsamtes. Doch es kam anders.

Mainzer sauer auf Gesundheitsamt: „So kenne ich Deutschland nicht“

Als Merkurist-Leser Marco (47) und seine Frau am 6. März Besuch von einer Bekannten bekamen, ahnten sie noch nicht, was ihnen in den nächsten Wochen bevorstehen sollte. Zwei Tage später bekam ihre Bekannte erste Symptome, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, und am nächsten Tag war nach einem PCR-Test schnell klar: Die Bekannte hat Corona. „Sie hat meine Frau angerufen und sich 1000 Mal entschuldigt“, erzählt Marco gegenüber Merkurist. „Zudem sagte sie, dass sich das Gesundheitsamt sehr bald bei uns melden wird.“

Marco war zu diesem Zeitpunkt bei der Arbeit und ging sofort nach Hause, als er von der Corona-Infektion der Bekannten erfuhr. „Und dann haben meine Frau und ich zu Hause auf den Anruf des Gesundheitsamts gewartet.“ Doch dieser Anruf kam am Dienstagnachmittag nicht mehr. Am Mittwoch auch nicht. In dieser Zeit verließ das Ehepaar das Haus nicht mehr.

Eine Woche lang meldet sich niemand

Am Donnerstag, den 11. März, rief Marcos Frau schließlich selbst beim Gesundheitsamt an. „Ein Mitarbeiter sagte nur, dass sich jemand melden wird. Wir dachten: Alles klar, dann warten wir halt weiter.“ Doch weder am Donnerstag, Freitag oder am Wochenende kam der Rückruf des Gesundheitsamtes. Das Ehepaar war mittlerweile eine Woche lang in freiwilliger Quarantäne – ohne jede Information der Behörde.

Am Montag (15. März) rief Marco seine Arbeitsstelle an und sagte Bescheid, dass er immer noch auf Rückmeldung warte. Marco sagt: „Die Personalstelle hat dann selbst beim Gesundheitsamt angerufen.“ Und das zeigte offenbar Wirkung. „Eine halbe Stunde später hat dann das Amt endlich angerufen.“ Doch von dem Inhalt des Gesprächs war Marco nicht gerade begeistert.

Marco positiv getestet

„Der Mitarbeiter war eher pampig. Ich musste den ganzen Fall nochmal schildern, dann hieß es: ‚Dann müssen Sie in Quarantäne’. Ich sagte: ‚Ich weiß, das bin ich seit Dienstag’.“ Das Amt ordnete für Marco und seine Frau schließlich eine Quarantäne bis zum 20. März an. Von einem Test habe der Mitarbeiter nichts gesagt.

Deshalb machte das Ehepaar auf eigene Faust Tests bei einer Ärztin. Das Ergebnis: Marco ist ebenfalls positiv, seine Frau, die bereits geimpft ist, negativ. „Ich habe aber keine Symptome“, erklärt Marco. Auch dem Gesundheitsamt sagte er Bescheid. „Da hieß es, dass ich ab jetzt noch einmal 14 Tage in Quarantäne muss.“ Auch die Tochter des Paars, die jetzt Direktkontakt ist, muss in Quarantäne.

Das sagt das Gesundheitsamt

Doch warum dauerte es so lange, bis Marco Rückmeldung vom Amt bekam? Eine Sprecherin der zuständigen Kreisverwaltung Mainz-Bingen schreibt, dass der spezielle Fall zunächst bei einem anderen Gesundheitsamt aufgelaufen sei. Die Kontaktperson (also Marco) sei dem Mainzer Gesundheitsamt erst am Abend des 12. März (Freitag) außerhalb der Dienstzeit übermittelt worden. „Wenn die Abarbeitung in anderer örtlicher Zuständigkeit erfolgt, müssen uns die Kontaktpersonen noch über diverse Meldewege übermittelt werden.“

Die Bearbeitung dieses Falls und die damit verbundene Quarantäneverordnung seien somit unmittelbar am darauffolgenden Montag erfolgt. Außerdem seien ohnehin alle Personen, bei denen Verdacht auf Ansteckung bestehe, dazu verpflichtet, sich selbstständig in Quarantäne zu begeben. So wie Marco und seine Frau es gemacht haben.

Doch wie ist generell die Situation im Gesundheitsamt? Immer wieder hieß es vonseiten der Politik, dass die Ämter mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 50 an ihre Grenzen stoßen könnten. Die Sprecherin sagt: „Am 16. März wurden insgesamt 45 Indexfälle (Neufälle und Wiedervorlagen für Kontaktlisten) abgearbeitet - im Schnitt ist mit vier bis fünf Kontaktpersonen auf der Liste zu rechnen. Erfasst werden jedoch nur Indexfälle und Kontaktpersonen der Kategorie 1.“ Das Gesundheitsamt Mainz-Bingen sei derzeit, auch durch die Unterstützung der Bundeswehr, personell gut aufgestellt.

„So kenne ich Deutschland nicht“

Die Sprecherin sagt weiter: „Auch bei einem höheren Inzidenz-Wert schaffen es die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Regel, Kontaktpersonen unmittelbar am Tag der Übermittlung der Kontaktliste anzurufen.“ Eine Überlastung sei derzeit nicht zu verzeichnen und aktuell würden Indexfälle und Kontaktpersonen direkt am Tag des Bekanntwerdens kontaktiert. „Oft werden die Kontaktpersonen durch den Indexfall vorab in Kenntnis gesetzt. Die Information des Gesundheitsamtes erfolgt teilweise mit Verzögerung.“ Auch würden Kontaktpersonen entsprechend der aktuellen Absonderungs-Verordnung Rheinland-Pfalz normalerweise zum Testen aufgefordert.

In Marcos Fall scheint also einiges schiefgelaufen zu sein. Dass er und seine Familie so lange in der Luft hingen, macht ihn sauer. „Kein Wunder, dass wir so viele Fälle haben“, sagt er gegenüber Merkurist. Die Kommunikation sei wirklich schlecht gelaufen. „Ich komme aus Italien und bin es eigentlich gewohnt, dass hier alles funktioniert. So kenne ich Deutschland nicht.“

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