Wie geht es bei den Fitnessstudios in Mainz weiter?

Am 27. Mai dürfen Fitnessstudios in Rheinland-Pfalz wieder öffnen. Wie haben die Inhaber die Krise bislang erlebt und was erwartet sie nun? Wir haben bei drei Studios aus Mainz nachgefragt.

Wie geht es bei den Fitnessstudios in Mainz weiter?

Die Corona-Krise hat einiges durcheinandergewirbelt - auch das Sportprogramm vieler Menschen. Denn ein Besuch im Fitnessstudio ist seit Mitte März gar nicht oder nur eingeschränkt, mit Personal Trainings, möglich. Doch das ändert sich in Rheinland-Pfalz am Mittwoch, 27. Mai: Denn dann dürfen die Studios wieder öffnen - wenn auch unter Auflagen.

Für Alex Thomessen, Besitzer des „Outback Gym“ in Mainz-Mombach, aber nicht nur ein Grund zur Freude. „Die Wiedereröffnung stellt eine sehr große, finanzielle Herausforderung allein dadurch dar, weil wir weniger Kunden durch die Vorgaben betreuen dürfen und viel mehr Personalkosten aufbringen müssen.“ Die Soforthilfe des Landes habe nicht einmal gereicht, um die laufenden Kosten eines Monats zu decken. Des Weiteren befürchtet er, dass es keine Kapazitäten gibt, um wieder neue, zahlende Kunden zu gewinnen, da diese durch die vielen Auflagen abgeschreckt werden. „Ganz zu schweigen von den zusätzlichen Kosten für Desinfektion, Aufstockung von Reinigungspersonal und Hygieneartikel, welche ja gerade vielfach teurer sind als sonst.“

Gerade deshalb wünscht Thomessen sich, dass er sein Studio früher öffnen darf - denn im Nachbarbundesland Hessen sind diese schon seit dem 15. Mai wieder geöffnet. Er fühlt sich wirtschaftlich benachteiligt und befürchtet, dass viele seiner Kunden nach Hessen „abwandern“. „Jeder Studiobetreiber fürchtet, diese lange Schließung finanziell nicht zu schaffen und Insolvenz anmelden zu müssen - auch ein Grund warum jeder Tag zählt, um wieder zu öffnen.“ Und: „Wir haben zwar weiter Beiträge einziehen können, aber müssen die ausgefallene Zeit den Kunden mit Gutscheinen und Erstattungen vergüten. Unsere Festangestellten sind seit der Zeit auf Kurzarbeit und die Aushilfen bekommen leider kein Kurzarbeitergeld. Diese sind auf ihren Nebenjob auch angewiesen.“

Umsatzeinbußen im fünfstelligen Bereich

Die Krise hat auch das Fitnessstudio „Aktiv und Gesund“ getroffen. „Wir haben Umsatzeinbußen, die gehen auch in den fünfstelligen Bereich. Das lag aber vor allem daran, dass wir keine neuen Mitglieder annehmen durften“, sagt Inhaber Christian Schwarz. Von dem Engagement der bestehenden Mitglieder ist er überwältigt. „Viele unserer Mitglieder haben uns unterstützt und ihre Beiträge trotz allem weitergezahlt. Manche mussten ihre Beiträge allerdings zurückziehen, aber das hat nur rund sieben Prozent ausgemacht. Da lag es daran, dass sie zum Beispiel in Kurzarbeit waren.“

Trotz aller wirtschaftlichen Einbußen mussten Schwarz und sein Geschäftspartner keine Mitarbeiter entlassen oder sie in Kurzarbeit schicken. „Im Gegenteil, wir konnten sogar noch neue Mitarbeiter einstellen.“ Und mit diesen hat das Team die Zeit der Schließung genutzt. „Wir haben die Studios renoviert. Außerdem konnten wir Online-Kurse und Personal Trainings anbieten. Und für hilfsbedürftige Mitglieder sind wir zum Beispiel einkaufen gegangen.“ Schwarz sieht aber auch noch einen ganz anderen Effekt der Krise: „Die Corona-Krise hat uns auf den Boden der Realität zurückgeholt. Das Grundbild von Fitnessstudios, und das meine ich überhaupt nicht abwertend, ist eher das der Muckibude. Wir arbeiten viel mit Risikogruppen, machen sie gesünder. Aber wir werden allgemein nicht als Gesundheitsexperten gesehen, da hat uns schon erschrocken, wie unwichtig wir zu sein scheinen.“

Derzeit laufen die Vorbereitungen zur Wiedereröffnung. Die genauen Auflagen für die Fitnessstudios sind von der Landesregierung allerdings noch nicht veröffentlicht. „Bis wir unsere Studios in Mainz, Budenheim und Ingelheim öffnen können, können unsere Mitglieder in Hochheim und Riedstadt trainieren. Wir haben bereits vor der Krise die Desinfektionsmöglichkeiten aufgestockt, Hygiene- und Abstandsregelungen werden bei uns strikt eingehalten“, erklärt Schwarz.

„Das Studiopersonal ist perfekt vorbereitet“

Beim Fitnessdiscounter „McFit“ geht man derzeit von den „maximalen Schutzmaßnahmen“ aus. Genauere Bestimmungen werden meist erst kurzfristig bekanntgegeben. „Wir werden diese rechtzeitig vor Studioeröffnung auf Social Media und unserer Website kommunizieren“, erklärt Kommunikationsleiter Pierre Geisensetter. „Das Studiopersonal ist perfekt vorbereitet.“ Er geht davon aus, dass Duschen und Umkleiden nicht genutzt werden dürfen. Außerdem empfehle „McFit“ das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. „Ansonsten tun wir alles dafür, dass der Wiedereinstieg ins Training so unkompliziert wie möglich gelingt.“

Die Krise habe auch „McFit“ unerwartet getroffen. „Wir haben aber kaum Mitglieder verloren, weil diese auch nach dem Shutdown auf ihr Training nicht verzichten wollten. Sie sind uns also in Summe treu geblieben.“ Dennoch glaubt Geisensetter, dass viele nach dieser Krise Bedenken haben, sich an Vertragslaufzeiten zu binden. „Hier möchten wir anknüpfen und bieten ab sofort mehr Flexibilität innerhalb der Tarifoptionen.“

Die genauen Hygiene-Auflagen für Fitnessstudios werden in den nächsten Tagen bekanntgegeben. Weitere Infos dazu findet Ihr unter anderem hier. (pk)

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