Offener Brief der Mainzer Altstadtgastronomen: So ging es weiter

Konzepte für den Winter - das haben Gastronomen der Mainzer Altstadt in einem offenen Brief gefordert. Und diese Forderungen wurden nicht ignoriert.

Offener Brief der Mainzer Altstadtgastronomen: So ging es weiter

Die Temperaturen sinken, die Corona-Zahlen steigen weiter. Einen Plan für Herbst und Winter haben Gastronomen der Mainzer Altstadt bereits im September gefordert - und sich deswegen mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen von Stadt und Land gewandt (wir berichteten). Nun, mehr als einen Monat danach, hat sich bereits etwas getan.

Zelte und viele Gespräche

Paul Koop, der durch seine Altstadt-Weintouren als „Mainzguide“ bekannt ist, war maßgeblich an dem offenen Brief beteiligt. „Einige Gastronomen haben sich überlegt, sich zusammenzuschließen. Dann kam die Idee, einen offenen Brief zu schreiben“, erzählt Koop. Er ist im Weinhaus Bluhm für die Teamkoordination zuständig, hat den Brief verfasst. „Dann kam die Frage: An wen schreiben wir den? Angefangen haben wir mit der höchsten Instanz, dem Innenminister, dann wollten wir die Verantwortlichen der Stadt, also Michael Ebling, Manuela Matz und die Ordnungsbehörden allgemein anschreiben.“ Das haben sie dann auch getan: 19 Gastronomen haben den Brief unterschrieben.

„Nach drei Wochen etwa war der Brief dann fertig. In der Zwischenzeit haben wir uns zweimal getroffen und einen großen Verteiler angelegt. Der Brief sollte sich nicht nur an die Altstadtgastronomen richten, auch andere Gastronomen waren willkommen.“ Auf ihren Brief gab es schnell Rückmeldungen: „Der Innenminister und OB Ebling haben sich bedankt. Wir wurden dann auch von Manuela Matz zu einem Gespräch eingeladen, wo wir nochmal ganz klar abgeschätzt haben, wie die aktuelle Lage ist und wie die Stadt helfen kann.“ So zum Beispiel der Verkehrsverein, der die Zelte für die Außenbereiche mit bis zu 350 Euro bezuschusst . „Das ist ein großer Betrag für ein Zelt und eine große Hilfe.“

Einheitliches Bild in der Stadt Mainz

Anfang Oktober sicherte auch die Stadt weitere Unterstützung für die Gastronomen zu. Dabei sollte vor allem die Erweiterung der Außenbereiche eine Hilfe sein. Dafür hat die Stadt eine Anlaufstelle für die Gastronomen eingerichtet. Wie Pressesprecher Ralf Peterhanwahr erklärte, können sich Gastronomen mit ihren Vorschlägen an eine neu eingerichtete Mailadresse wenden. „Mitarbeiter des Ordnungsamtes prüfen dann jeden Vorschlag einzeln, da immer die jeweilige Situation vor Ort betrachtet werden muss. Hier spielen auch Brandschutz, Rad- und Fußwege und genug Platz für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer eine Rolle.“ Die Stadt strebe aber eine möglichst einheitliche Lösung an. Auch Zelte und ähnliches könnten dann in einem einheitlichen Design für mehrere Gastronomen angeschafft werden.

Was Anfang Oktober noch ein Plan war, wurde nun umgesetzt. Auch darum kümmert sich Paul Koop: „Mit Murielle, der Chefin vom Weinhaus Bluhm, bin ich dann zum Zelthersteller gefahren und habe mir angeschaut, was machbar ist. Wir haben dann Preise verglichen. Jetzt ist jeder daran gehalten, sich diese Zelte zu bestellen.“ Auf die Zelte komme das Logo der Stadt und des Verkehrsvereins. „Das lösen wir wahrscheinlich über Aufkleber. Die Zelte sollen ein einheitliches Bild in der Stadt geben. Da ist auch Mainzplus Citymarketing mit im Boot“, sagt Koop. „Wir hoffen, dass es nicht zu lange dauert. Wir konnten einen Teil der Bestellung schon reservieren.“

Trotz Planung - ungewisse Monate für Gastronomen

Doch auch wenn sie für die kommenden Wochen zumindest in punkto Außenbereiche vorbereitet sind - die kommenden Monate sind ungewiss: „Wir haben Respekt vor dem, was kommt. Nach einem wahnsinnigen Sommer kommt jetzt der Einbruch und wir müssen sehen, wie es weitergeht“, sagt Koop.

Und die Situation ändert sich immer wieder schnell. So auch am Mittwoch (28. Oktober). Denn da hat der Bund die Schließung der Gastronomie- und Hotelbetriebe beschlossen (wir berichteten). Diese Nachricht kam auch für die Mainzer Gastronomen überraschend: „Die Schließung ist für uns alle ein Schock und nicht nachvollziehbar. Die Kontaktbeschränkungen dienen zwar dazu, dass sich weniger Menschen treffen und in der Gastronomie würden sie das tun, es ist aber trotzdem kritisch zu sehen“, so Koop. Es sei schwer nachvollziehbar, dass so viel getan und investiert wurde und die Betriebe nun dennoch schließen müssen.

„Es ist trotzdem ein schönes Zeichen, dass die Regierung zumindest einen Teil der Ausfälle erstatten möchte. Und es ist toll zu sehen, wie sehr die Mainzer die Gastronomie unterstützen.“ Dennoch - ein Kritikpunkt bleibt: „Die Menschen werden aus dem kontrollierbaren Bereich in der Gastronomie ins Private geschickt, wo es sehr schwer ist, die Einhaltung der Regeln zu beachten“, so Koop. „Das ist unverständlich.“ (df)

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