Müssen Mainzer Clubs schließen?

Erste Konzepte zur Unterstützung der Clubs in der Krise wurden bereits bewilligt - aber reicht das aus? Betroffene äußern sich zur aktuellen Lage.

Müssen Mainzer Clubs schließen?

Grabesruhe statt Partystimmung: Seit März müssen Mainzer Clubs aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Sämtliche Einnahmen fielen weg, während für die Betreiber Fixkosten bestehen bleiben. Viele Club-Betreiber fürchten um ihre Existenz und versuchen, sich mithilfe von Alternativ-Konzepten über Wasser zu halten. Am ersten Oktoberwochenende findet beispielsweise das Unterstützungs-Projekt „Feierabend. Supporte deinen Club!“ im Mainzer Schlossbiergarten statt (wir berichteten). Das Soli-Wochenende wurde in Kooperation mit „Mainzplus Citymarketing“ ins Leben gerufen. Außer dem „Kulturclub Schon Schön“, der „Dorett-Bar“ und anderen nimmt auch der Rockclub „Caveau“ an der Veranstaltung teil.

Wittmeier: „Rheinland-Pfalz in der Pflicht“

Im Gespräch mit Merkurist äußert sich „Caveau“-Betreiber Wieland Wittmeier zur momentanen Situation: „Ob wir den Betrieb halten können, hängt vor allem von der Dauer der Schließung ab. Sollten wir weiterhin keine Unterstützung erhalten, werden wir spätestens im Februar über die Schließung entscheiden.“ Derzeit mache er erhebliche Verluste. Wegen steigender Infektionszahlen rechnet Wittmeier nicht mit einer Wiedereröffnung in diesem Jahr - selbst eine Öffnung in der ersten Jahreshälfte 2021 hält er für unrealistisch. „Und selbst wenn eine Öffnung unter Auflagen wieder möglich ist, wird es für einen kleinen Club wie das ‘Caveau’ schwierig, kostendeckend zu arbeiten“, sagt er.

Auf die Frage, welche Maßnahmen er zur Rettung des Clubs unternommen hat, erklärt Wittmeier: „Alle Erlöse des Unterstützerkonzertes ‘Feierabend. Supporte deinen Club!’ kommen den teilnehmenden Clubs zugute. Außerdem unterstützen uns unsere fantastischen Gäste durch Spenden und den Kauf von Gutscheinen.“ Zusätzlich sei er politisch aktiv geworden und informiere Landtags- und Stadtratsabgeordnete über die Situation der Clubbetreiber.

Zur Entschärfung der Lage sieht Wittmeier das Land Rheinland-Pfalz in der Pflicht, er fordert: „Während andere Bundesländer schon im Mai Hilfsprogramme für die Veranstaltungsbranche aufgelegt haben, hält sich da Rheinland-Pfalz sehr bedeckt. Für die Zukunft erwarten wir eine Abschaffung oder zumindest Aussetzung der Vergnügungssteuer auf Tanzveranstaltungen.“ Die Steuer sei eine „einseitige und willkürliche Belastung der Branche“.

„Pyramide“ nicht in Gefahr

Harald Geiling von der „Pyramide Mainz“ sieht die Lage ähnlich kritisch. Auch er hält eine Prognose für die nächsten Monate für schwierig. Außerdem vermutet er: „Solange hohe Infektionszahlen bei Bevölkerung und Verwaltung Angst schüren, werden Indoor-Veranstaltungen weder genehmigt noch von ausreichend vielen Besuchern besucht werden.“ Zum Fortbestand der „Pyramide“ erklärt Geiling: „Die Pyramide ist nicht gefährdet, auch wenn die Pandemie noch sehr lange andauern wird. Sie wird von den Gesellschaftern gestützt.“

Im Falle sinkender Infektionszahlen wünscht sich Geiling von der Stadt Mainz „verantwortungsbewusste, neue Hygienekonzepte unter Einsatz von Tests, die eine Virusinfektion zuverlässig vermeiden“. Das derzeitige Hygienekonzept des Landes mit Maske und Abstand biete nur einen geringen relativen Schutz und erlaube deshalb volle Veranstaltungssäle nicht. „Wir sind bereits mit der Wirtschafts- und Ordnungsdezernentin in dieser Sache in Kontakt“, so Geiling.

Für öffentliche Veranstaltungen wäre dieses Konzept seiner Meinung nach trotzdem ungeeignet, da Besucher eine Testverpflichtung vor Veranstaltungsbeginn als diskriminierend empfinden könnten. „Deshalb wird es Club und Party wohl erst wieder nach einem erfolgreichen Einsatz von Impfstoffen in wesentlichen Bevölkerungsanteilen geben können“, so der „Pyramiden“-Betreiber.

Neue Perspektiven für Clubs

Seit Juli ist der erste Mainzer Nachtkulturbeauftragte Timo Filtzinger im Amt. Während der Corona-Krise bedeutet der Posten für ihn viel Arbeit, da sich Gastronomen und Club-Betreiber mit ihren Sorgen und Anliegen verstärkt an ihn wenden. Filtzinger soll zwischen den Interessen der Stadt und den Gastro- und Clubbetreibern vermitteln. Bereits zum zweiten Mal traf er sich dazu am Montag mit rund 50 Gastronomen und Vertretern der Stadt zum „Gastro-Gipfel“ (wir berichteten).

Für Club-Betreiber hat sich dabei eine neue Perspektive eröffnet: „Jeder Club kann jetzt individuell mit dem Bauamt klären, ob er vorübergehend Stühle und Tische in die Räume stellt und so in den Bar-Betrieb wechselt“, so Filtzinger. Diese Sondergenehmigung sei allerdings nur für die Dauer der Pandemie gültig und erlischt nach deren Ende. Dann müssen Tische und Stühle wieder entfernt werden. Vorab muss auch geprüft werden, ob Fluchtwege trotz Stühlen und Tischen eingehalten werden können. (df)

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