Mainzer Schausteller: „Weihnachtsmarkt wäre letzter Strohhalm gewesen“

Die Mainzer Schausteller kämpfen um ihre Existenz. Vielen droht nach der Verschärfung der Corona-Regeln und der Absage des Weihnachtsmarkts der finanzielle Ruin. Auch die Corona-Soforthilfen können da kaum Abhilfe schaffen.

Mainzer Schausteller: „Weihnachtsmarkt wäre letzter Strohhalm gewesen“

Mehrere Zehntausend Besucher kamen im letzten Jahr auf den Mainzer Weihnachtsmarkt. In diesem Jahr wird es jedoch keinen einzigen Besucher geben, denn der Markt ist vor Kurzem aufgrund der steigenden Coronafallzahlen abgesagt worden (wir berichteten). Für die Mainzer Schausteller bedeutet dies, dass sie erneut keine Einnahmen generieren können. Durch die ebenfalls coronabedingten Absagen von „Rheinfrühling“ und „Johannisnacht“ bleibt ein Großteil der Schausteller im Jahr 2020 somit gänzlich ohne Einnahmen. Viele kämpfen nun ums finanzielle Überleben.

Situation „mehr als schlimm“

Wie der Vorsitzende der Mainzer Schausteller, Marco Sottile, im Gespräch mit Merkurist sagt, „wäre der Weihnachtsmarkt der letzte finanzielle Strohhalm für die Schausteller gewesen“. Denn die Corona-Soforthilfen der Bundesregierung seien oftmals nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ in Bezug auf die laufenden Finanzierungen, die jeder Schausteller zu stemmen hätte. Zudem seien versprochene Hilfen teilweise gar nicht angekommen. „Für unsere Branche ist die aktuelle Situation mehr als schlimm“, sagt Sottile. Lange könne die Branche ohne Einnahmen nicht mehr durchhalten.

Momentan hielten sich die Banken noch zurück, doch es werde sich bald zeigen, wer von den Schaustellern „über die Klinge springen muss“. So hätten einige Kollegen beispielsweise schon ihre Lebensversicherung aufgelöst, um ihren Betrieb am Leben zu halten. Durch die harten Coronamaßnahmen, die quasi einem Berufsverbot gleichkämen, sei die gesamte Veranstaltungsbranche komplett ausgebremst worden. Es sei schwer zu verstehen, dass beispielsweise Riesenräder, bei denen man den Zugang kontrollieren könne, nicht öffnen dürfen, während Baumärkte aus allen Nähten platzen“, so Sottile weiter.

Hoffnung auf Feste 2021 und Impfstoff

Dass jetzt der Weihnachtsmarkt abgesagt wurde, könne er aber gut verstehen. „Wir haben alle auf den Weihnachtsmarkt gehofft, auch weil wir davon leben, aber die Gesundheit der Bevölkerung steht natürlich völlig zurecht im Fokus“, sagt Sottile. Zudem glaube er, dass es ohne den Weihnachtsmarkt auch für den Mainzer Einzelhandel schwierig werde, große Umsätze zu machen. Er selbst sei jedoch froh, so Sottile, dass er zumindest durch die kleineren Feste in der Umgebung im Sommer einige Einnahmen machen konnte - zumal auch der „Pop-up-Freizeitpark“ scheiterte.

Die Hoffnung der Schausteller richtet sich nun ganz auf das kommende Jahr. „Wir hoffen auf den Rheinfrühling an Ostern, dass der stattfinden kann“, erklärt Sottile. Außer auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus hoffe er nun, wie auch auch seine Kollegen, auf die angekündigten Finanzhilfen aus Berlin, sagt Sottile abschließend. (df)

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