Mainzer Clubs: „Das würde das Aus bedeuten“

Sie schlossen zuerst und werden wohl als letzte wieder öffnen: Für Clubs und Diskotheken bedeutet die Corona-Krise eine sehr lange Zeit ohne Einnahmen. Kommt jetzt für Mainzer Clubs das Aus?

Mainzer Clubs: „Das würde das Aus bedeuten“

Tanzverbot auf unbestimmte Zeit: Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten am Mittwoch bekanntgaben, werden Bars, Clubs, Diskos und Kneipen weiterhin geschlossen bleiben. Vor allem bei Tanzlokalen ist davon auszugehen, dass das auch noch lange so bleiben wird. Denn gerade in geschlossenen Räumen, in denen eng getanzt wird, kann sich das Virus ungestört verbreiten. Doch was bedeutet die Situation für Mainzer Clubs?

Der Rockclub Caveau hat die Lage auf seiner Webseite in einem längeren Post zusammengefasst. Darin heißt es, dass die Einnahmen seit Beginn der Corona-Maßnahmen auf 0 Euro gesunken seien. Dagegen lägen die Fixkosten wie Pacht, Löhne Sozialabgaben, Energiekosten und Leasingverträge monatlich im fünfstelligen Bereich. „Derzeit bestreiten wir das aus den allgemeinen Rücklagen, aber die gehen natürlich schnell zur Neige.“

Längerer Shutdown existenzgefährdend

Wie gravierend die Folgen sind, hänge letztlich vom Datum der Wiedereröffnung ab. „Sollten wir nach Ostern wieder öffnen können, wäre die Unterbrechung teuer und ärgerlich und es wird im Hochsommer dann eng werden“, heißt es. Doch wie seit Mittwoch feststeht, wird es deutlich länger dauern. Das Caveau schreibt: „Ein längerer Shutdown wird dann schnell existenzgefährdend.“ Und weiter: „Länger als drei Monate würde dann wohl auch das Aus bedeuten.“

Und auch danach würde die Einnahmesituation wohl nicht rosig werden. „Und selbst wenn wir zügig wieder aufmachen dürften, wäre da immer noch die Frage, ob Gäste in nächster Zeit überhaupt auf Veranstaltungen gehen wollen. Das Virus verschwindet ja nicht über Nacht.“

„Jede unbesuchte Woche schmerzt“

Auch Anthony DeGuzman vom Club „Roof 175“ in der Rheinallee findet die Lage sehr schwierig. „Als junges Unternehmen, das viel in die Location reinvestiert hat, ist es definitiv nicht leicht und jede unbesuchte Woche schmerzt“, sagt er gegenüber Merkurist. Die Situation nach einer Wiedereröffnung sieht er aber nicht ganz so negativ: „Einerseits könnte die Euphorie hoch sein und alle wollen unbedingt wieder raus und was erleben. Andererseits könnte die Angst, sich den Virus einzufangen, noch groß sein.“

Doch welche Chancen haben Clubs, bis dahin doch noch an Geld zu kommen? Zum einen sind da die staatlichen Hilfen. Das Caveau sieht diese aber kritisch. Die Sofortbeihilfen müsse man zwar nicht zurückzahlen, sie würden aber lediglich einen Monat lang helfen. Schnellkredite noch weniger: „Der Staat macht also meinen Laden dicht, leiht mir dann Geld, damit ich wieder aufmachen kann?“ Ähnliches gelte für Stundungen. „Generell sind alle Lösungen, die mit Stundungen und Krediten zu tun haben, wenig hilfreich. Sie führen nämlich zur Überschuldung. Die Krise ist vorbei, die Schulden sind noch da.“

Caveau schlägt Lösungen vor

Stattdessen appellieren die Caveau-Verantwortlichen an die Verpächter. „Pacht muss erlassen oder zumindest gemindert werden! Pacht ist, zusammen mit Löhnen der größte Kostenpunkt. Die allermeisten Verpächter sind Kapitalgesellschaften oder die öffentliche Hand. Da sollte ein Pachtausfall von 1-3 Monaten leicht verkraftbar sein.“ Zudem solle die Stadt Mainz die Vergnügungssteuer auf Eintrittskarten für das Jahr 2020 aussetzen. Außerdem sollten Zuschüsse nicht an der Zahl der Mitarbeiter, sondern an den tatsächlichen Kosten festgemacht werden und Rückzahlungen von Stundungen noch innerhalb von zwei Jahren möglich sein. Auch Kurzarbeit bei Minijobbern könne helfen.

Eine weitere Möglichkeit: Spenden. Darauf setzt auch der „Roof“-Club. „Wir haben die ROOF-Streams ins Leben gerufen als die ersten in Mainz und einer der ersten in Deutschland. Dort gib es die Möglichkeit, ein paar Taler zu spenden.“ Das sei auch gut angenommen worden, allerdings nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“, so DeGuzman. „Trotzdem hilft natürlich jeder Cent.“ (mo)

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