Einzelhandel und Gastro: Wie soll es jetzt weitergehen?

Gerade Händler und Gastronomen leiden unter den Corona-Maßnahmen. Für die Politik ist es ein Balance-Akt, die Bedürfnisse der Wirtschaft nicht zu übersehen und trotzdem auf steigende Inzidenzen zu reagieren.

Einzelhandel und Gastro: Wie soll es jetzt weitergehen?

Anfang März durfte der Einzelhandel in Mainz wieder öffnen, doch nach wenigen Tagen war schon wieder Schluss. Weil die Inzidenzwerte in der Stadt gestiegen sind, ist aktuell nur noch Terminshopping möglich. Ein harter Schlag für die Mainzer Einzelhändler. Gleiches gilt seit Freitag nun auch im Landkreis Mainz-Bingen (wir berichteten) Mit den aktuellen Regeln sind viele Händler zudem nicht zufrieden (wir berichteten). Doch wie soll es weitergehen und welche Alternativpläne gibt es für Händler und Gastronomen in Mainz?

Die Mainzer Wirtschafsdezernentin, Manuela Matz (CDU), sagt: „Es wäre wichtig, unter Einbezug aller Maßnahmen, wie etwa der zunehmenden Zahl an Impfungen oder mehr Testungen, eine Öffnungsstrategie zu entwickeln. Dabei könnte mit der Außengastronomie begonnen werden, da diese im letzten Jahr nicht zu einem höheren Infektionsgeschehen beigetragen hat.“ Sie sei überzeugt davon, dass viele Menschen Anreize für regelmäßige Tests brauchen. Heißt also: Ohne Vorab-Test kein Eintritt ins Geschäft oder in den Außenbereich eines Restaurants. „Ohne diese Anreize würden sich wahrscheinlich deutlich weniger testen lassen. Gerade dann ist die Gefahr groß, dass asymptomatische Verläufe zu spät oder gar nicht entdeckt werden.“

IHK-Chef: „Evidenz statt Inzidenz“

Der Hauptgeschäftsführer der rheinhessischen Industrie- und Handelskammer (IHK), Günter Jertz, hat einen anderen Ansatz. Sein Motto lautet: Evidenz statt Inzidenz. „Heißt: Nicht die rein epidemiologische Beurteilung, sondern auch wirtschaftliche und sozialwissenschaftlichen Daten sollten in die Entscheidungen der Politik einfließen.“ Diese Meinung vertrete er nicht allein, so Jertz. Dies sei die Ansicht vieler IHKs. Hoffnung, dass das geforderte Umdenken stattfinden könne, mache ihm die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die geplante Osterruhe doch noch gekippt zu haben. Diese hätte Händler und Gastronomen massiv getroffen. Merkels Schritt verdiene also „Respekt“, so der IHK-Chef.

„Die beste Strategie ist die 24/7-Stratgie für das Impfen: 24 Stunden, 7 Tage lang.“ - IHK-Chef Günter Jertz

Für den Weg aus der Krise sieht Jertz vor allem einen Schritt als den wichtigsten an: „Die beste Strategie ist die 24/7-Stratgie für das Impfen: 24 Stunden, 7 Tage lang.“ Damit Händler und Gastronomen bis dahin überhaupt durchhalten können, sind sie auch auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen. Doch genau da haperte es zuletzt, wie Jertz im Merkurist-Interview Ende Januar erklärte: „Die Wirtschaftshilfen kommen nur sehr schleppend an. Dieses Resümee müssen wir leider auch für die Mainzer und rheinhessische Wirtschaft ziehen. Das steigert bei vielen die Verzweiflung umso mehr“, so Jertz damals.

Und nun? Günter Jertz sagt: „Wir sehen immer noch Luft nach oben. So gab es erst kürzlich wieder - bedingt durch die Betrugsfälle im Bund - erhebliche Verzögerungen. Nun hoffen wir, dass der vom Bund angekündigte Härtefallfonds zügig ausgestaltet und hoffentlich auch für Rheinland-Pfalz auferlegt wird.“

Ist die „Luca“-App sinnvoll?

Einig sind sich Matz und Jertz darin, dass Kontaktverfolgungsapps wie die „Luca“-App sinnvoll sein können. Die Kontaktnachverfolgung per Smartphone-App soll Infektionsketten stoppen und Kontakte sicherer machen. Das Land Rheinland-Pfalz hat zu Beginn der Woche beschlossen, sich der gemeinsamen Beschaffung der „Luca“-App durch die Länder des „dataport“-Verbunds anzuschließen. „Alles, was dazu beiträgt, dass die Unternehmen ihr Geschäft wieder hochfahren können, ist von Wert in der gegenwärtigen Lage. Es könnte sich als sinnvolle Ergänzung erweisen, dass nun ein Wettbewerber zur bislang verbreitetsten Corona-App des Robert-Koch-Instituts antritt“, so Jertz.

Logo