Bußgeld für Falschangaben - was sagen Gastronomen dazu?

Wie wichtig die Kontaktverfolgung in der Corona-Pandemie sein kann, das haben Fälle der vergangenen Wochen gezeigt. Immer häufiger ist auch die Gastronomie betroffen - Gäste müssen informiert werden. Doch was, wenn diese falsche Angaben machen?

Bußgeld für Falschangaben - was sagen Gastronomen dazu?

Donald Duck, Spiderman oder Mickey Mouse: Einige Restaurant- und Barbesucher haben die Kontaktdatenerfassung in der Vergangenheit nicht ernst genommen und statt ihrer Daten Pseudonyme eingetragen - das ist jetzt allerdings strafbar. Der rheinland-pfälzische Ministerrat hat am 6. Oktober beschlossen, dass falsche Kontaktangaben nun mit einem Bußgeld von 150 Euro bestraft werden. Wie genau dies allerdings kontrolliert werden soll, das steht noch nicht fest.

Wie geht die Gastronomie damit um?

Dass es ein Bußgeld geben wird, hat die Bundesregierung bereits zuvor angekündigt (wir berichteten). Wie genau es umgesetzt werden soll, darüber haben die einzelnen Landesregierungen individuell entschieden. Das vom Land Rheinland-Pfalz festgelegte Bußgeld von 150 Euro stößt allerdings nicht bei allen auf Zuspruch. Gereon Haumann, Präsident der Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Rheinland-Pfalz erklärt dazu auf Merkurist-Anfrage: „Ich halte die Einführung eines Bußgeldes für den falschen Weg.“ Daher habe der Dehoga Rheinland-Pfalz gestern einstimmigen beschlossen, die Landesregierung aufzufordern, die Digitalisierung zu nutzen, um die Akzeptanz der Kontaktdaten-Erfassung bei den Gästen zu erhöhen.

Auch Dominique Liggins, Citymanager der Stadt Mainz, sieht das Bußgeld kritisch: „Das ist ein Schlag ins Gesicht für Unternehmer der Gastronomie.“ Er sieht die Umsetzung und Überwachung der Angaben für die Gastronomen als nicht alltagstauglich an. Ähnlich sieht es Paul Koop. Er ist in der Teamassistenz des Weinhaus Bluhm und für Hygienekonzepte und deren Umsetzung verantwortlich. „Wir haben uns alle verpflichtet, das Coronavirus einzudämmen. Wir halten das Bußgeld aber für nicht zielführend. Zudem können wir uns den Prozess dahinter nicht vorstellen. Wen sollen wir im Service noch einstellen? Wir haben zu Stoßzeiten schon teilweise eine weitere Person, die das Hygienekonzept kontrolliert.“ Er hält das Ganze auch aus Datenschutzgründen für schwierig.

„Es ist eine zusätzliche Belastung im Winter.“ - Markus Hoffmann, Geschäftsführer Wilma Wunder und Zenz

Einen kritischen Blick auf die Einführung des Bußgeldes hat auch Markus Hoffmann, Geschäftsführer des Wirtshaus Zenz und Wilma Wunder: „Man muss die Kontaktdaten so oder so überwachen. Aber es kostet Zeit und die Gastronomen Geld. Es ist eine zusätzliche Belastung im Winter.“ Die Belastung sieht er nicht nur in dem zusätzlichen Personalaufwand, sondern auch in der Wirkung nach Außen. „Den Gastronomen wir damit der schwarze Peter zugeschoben, obwohl wir das gar nicht wollen. Es ist ein Zwiespalt zwischen Sicherheit und dem Wohlbefinden.“ Man wolle, dass die Leute sich wohlfühlen, müsse sie aber ständig kontrollieren und auch immer wieder ermahnen. Darauf würden manche Gäste nicht so positiv reagieren. „Es ist ein sensibles Thema.“

Weniger falsche Kontaktdaten

Kai Müller, Inhaber des „Lille Hus“ in der Mainzer Altstadt, erhofft sich, dass es durch die Einführung des Bußgeldes weniger Falschangaben geben wird: „Es hätte sogar früher eingeführt werden können, dann wäre es wahrscheinlich nicht zu so vielen ‘falschen’ Angaben gekommen. Ebenfalls finden wir gut, dass nicht mehr die Gastronomie dafür verantwortlich ist sondern der Gast selbst.“ Er hält das Bußgeld für sinnvoll. „Wir finden auch die 150 Euro gerechtfertigt, da es leider immer zu einer Schmerzgrenze kommen muss, damit Menschen daraus lernen. Wäre die Strafe zu niedrig, würden glaube ich weiterhin falsche Kontaktdaten angegeben werden“, so Müller weiter.

Bei einem Punkt sind sich allerdings alle Gastronomen einig: Der Ablauf der Kontakterfassung soll weiter optimiert werden. Während Markus Hoffman das System für die Kontakterfassung schon von analog auf digital umgestellt hat, überlegt auch das Team des „Lille Hus“, die Erfassung zu digitalisieren. „Wir denken jedoch gerade über eine elektronische Kontaktdatenerfassung nach. Dort können unsere Gäste sich über einen QR-Code bei uns im Café anmelden“, so Müller.

Umstieg auf elektronische Erfassung

Für die Überprüfung der Daten haben sich verschiedene Gastronomen unterschiedliche Lösungen überlegt. Markus Hoffmann erklärt: „Wir haben das System umgestellt, von analog auf digital. Das System ist schnell und sicher. Gäste müssen sich nun einmalig bei uns registrieren. Dann können sie bei uns digital einchecken. Ein Mitarbeiter kontrolliert dann die Angaben, die der Kunde auf seinem Handy gemacht hat durch einen Blick auf das Display.“ Auch der Dehoga habe sich, wie Präsident Haumann erklärt, über die Digitalisierung der Erfassung Gedanken gemacht. „Der Dehoga hat gemeinsam mit einem Start-up eine ,digitale Visitenkarte‘ entwickelt, die als Dehoga-BarCov-App eine Alternative zur Zettelwirtschaft ist.“ (ms/df)

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