Chance auf Öffnung? Wie es mit den Bordellen weitergeht

Körpernahe Dienstleistungen sind inzwischen in Rheinland-Pfalz wieder erlaubt. Das Prostitutionsgewerbe zählt allerdings nicht dazu. Bordelle sind weiterhin geschlossen. Wie es jetzt weitergeht.

Chance auf Öffnung? Wie es mit den Bordellen weitergeht

„Bordelle (zu): Keiner kommt“ - so ähnlich titelte im letzten Jahr eine regionale Zeitung. Und in der Tat, in fast allen Bundesländern sind die Bordelle seit Monaten geschlossen. Während inzwischen also viele Dienstleistungsanbieter wieder ihrem Gewerbe nachgehen können, dürfen Prostituierte weiterhin keine Kunden empfangen. Doch nun wird der Unmut unter den Prostituierten und Bordellbetreibern immer größer, da sie auch bei den am Dienstag angekündigten nächsten Corona-Lockerungen (wir berichteten) erneut nicht berücksichtigt wurden. Sie drängen nun auf eine schnelle Öffnung ihres Gewerbes.

„Corona-Heuchler stoppen“

Vor allem der Verein „Doña Carmen“, der sich für die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten einsetzt, fordert nun anlässlich des diesjährigen „Internationalen Hurentages“ ein Ende der „Corona-Heuchelei auf Kosten von Sexarbeiter*innen“ und die Rückkehr zum Regelbetrieb im Prostitutionsgewerbe. Aktuell sind in 14 von 16 Bundesländern Prostitutionsstätten weiterhin geschlossen. Nur in Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen dürfen Bordelle in Kreisen unter 50 beziehungsweise 35 Corona-Fällen pro 100.000 Einwohnern wieder öffnen. In anderen Bundesländern aber seien Bordell-Öffnungen selbst in den vorliegenden Stufenplänen für eine inzidenzbasierte Lockerungspolitik – soweit es solche Pläne überhaupt gibt – weder vorgesehen noch angedacht, so Doña Carmen.

Man betreibe hier „eine rücksichtslose Politik der Existenzvernichtung gegenüber rund 90.000 Sexarbeiter*innen und ihren Familien“. So treibe man die Betroffenen systematisch ins Elend, so Doña Carmen. Dabei würden Landespolitiker mittels Corona-Verordnungen eine offenkundig rechtliche Ungleichbehandlung des Prostitutionsgewerbes gegenüber Betrieben sonstiger körpernaher Dienstleistungen, die in sämtlichen Bundesländern längst wieder zugelassen sind, betreiben.

Und der Verein geht in seiner Kritik an der Politik noch weiter. „Wenn Bordelle angesichts der auf breiter Front sinkenden Inzidenzwerte nicht wieder geöffnet werden, so darf man mit Fug und Recht davon ausgehen, dass unter dem Vorwand des Schutzes vor Corona ganz andere Ziele mitverfolgt werden als nur die des Gesundheitsschutzes“, so Doña Carmen. Prostituierte hätten nämlich einen Anspruch auf das grundgesetzlich geschützte Recht auf freie Berufsbetätigung.

Perspektive auf baldige Öffnung?

Doch wie bewertet nun die rheinland-pfälzische Staatskanzlei die Situation, ist eine baldige Öffnung der Bordelle realistisch? Auf Anfrage von Merkurist teilt der Corona-Kommunikationsstab der Landesregierung mit, dass mit der dritten Stufe des Perspektivplans Rheinland-Pfalz, die ab Mittwoch im Land umgesetzt werden kann, die Landesregierung einen weiteren Schritt mit Öffnungen hin zu einem guten Sommer gehe. Dieser Schritt gehe sogar viel weiter als bisher geplant.

Dennoch gelte: Das Virus ist noch nicht besiegt, die Pandemie ist noch nicht beendet. Daher gebe es nicht in allen Bereichen breite Öffnungen, so ein Sprecher. „Wir bleiben vorsichtig. Deshalb bleiben Bordelle auch bis auf Weiteres geschlossen.“ Dennoch gibt es Hoffnung für Prostituierte und Bordellbetreiber. Wie der Corona-Kommunikationsstab mitteilt, werde sich der Ministerrat schon in der kommenden Woche mit weiteren Perspektiven für den Sommer (Ende Juni / Anfang Juli) befassen. Diese Beratungen gelte es jedoch noch abzuwarten.

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