Offener Brief: Aerosol-Experten mit Appell an Kanzlerin

Führende Aerosol-Experten wenden sich in einem offenen Brief an Kanzlerin Angela Merkel und fordern, die Gefahr der Virusinfektion durch Aerosole bei den Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung endlich zu berücksichtigen.

Offener Brief: Aerosol-Experten mit Appell an Kanzlerin

In der Debatte um eine erfolgreiche Bekämpfung des Coronavirus haben sich jetzt auch führende Aerosol-Experten deutlich in Stellung gebracht. In einem offenen Brief, der unter anderen an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) adressiert ist und auch Merkurist vorliegt, machen sie deutlich, wo genau das Infektionsrisiko lauert. Dazu erläutern die Wissenschaftler auch, welche Maßnahmen bei der Bekämpfung des Virus sinnvoll sind und welche überhaupt nicht.

„Goldene Regeln“ zur Infektionsvermeidung

Wie die Experten um Dr. Gerhard Scheuch in dem Brief schreiben, seien leider bis heute wesentliche Erkenntnisse ihrer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt worden. Stattdessen würden eher symbolische Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen erlassen, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten ließen. Doch „die Übertragung der SARS-CoV-2-Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt. Übertragungen im Freien sind äußerst selten und führen nie zu ‚Clusterinfektionen‘, wie das in Innenräumen zu beobachten ist.“

Auch die aktuell diskutierten Ausgangssperren müssten in diese Aufzählung irreführender Kommunikation aufgenommen werden, schreiben die Experten an die Kanzlerin. „Die Ausgangssperren versprechen mehr, als sie halten können. Die heimlichen Treffen in Innenräumen werden damit nicht verhindert, sondern lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen.“

Die „Goldenen Regeln“ zur Infektionsvermeidung seien deshalb:

1.) Infektionen finden in Innenräumen statt, deshalb sollten sich möglichst wenige Menschen außerhalb ihres Haushaltes dort treffen. Zusätzlich muss man beachten, dass in Innenräumen auch dann eine Ansteckung stattfindet, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat

2.) Man sollte die Zeiten der Treffen und die Aufenthaltszeiten in Innenräumen so kurz wie möglich gestalten.

3.) Man sollte durch häufiges Stoß- oder Querlüften Bedingungen wie im Freien schaffen.

4.) Das Tragen von effektiven Masken ist in Innenräumen nötig. In der Fußgängerzone eine Maske zu tragen, um anschließend im eigenen Wohnzimmer eine Kaffeetafel ohne Maske zu veranstalten, sei nicht zielführend. Dabei ist zu beachten, dass der Dichtsitz der Maske für ihre Effektivität mindestens genauso wichtig ist wie die Abscheideeffizienz des Materials.

5.) Raumluftreiniger und Filter sind überall dort zu installieren, wo Menschen sich länger in geschlossenen Räumen aufhalten müssen (Wohnheime, Schulen, Alten- und Pflegeheime, Betreuungseinrichtungen, Büros und andere Arbeitsplätze).

6.) In großen Hallen und Räumen ist die Ansteckungsgefahr viel geringer als in kleinen Versammlungsräumen. Wenn man also wieder Theater, Konzerte, und Gottesdienste stattfinden lassen will, sollte das in großen gut gelüfteten Hallen stattfinden oder wenn möglich ins Freie ausgewichen werden.

Gerade die Kombination dieser Maßnahmen würden zum Erfolg führen, so die Aerosol-Experten in ihrem offenen Brief. „Wird das entsprechend kommuniziert, gewinnen damit die Menschen in dieser schweren Zeit zugleich ein Stück ihrer Bewegungsfreiheit zurück.“ Wer sich zum Kaffee in der Fußgängerzone trifft, müsse also niemanden in sein Wohnzimmer einladen. Dort sei die Einhaltung der bekannten Hygieneregeln zu erwarten, zu Hause dagegen nicht, so die Wissenschaftler.

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