Am Dienstagabend feierte die neue Dokumentation „Die Toten Hosen – Das letzte Album“ im Mainzer Cinestar Premiere. Außer den Bandmitgliedern Campino, Andi Meurer und „Vom“ Ritchie waren auch prominente Gäste wie Fußballtrainer Jürgen Klopp und der ehemalige Ministerpräsident Alexander Schweitzer vor Ort. Der Film von Regisseur Eric Friedler, eine Produktion von SWR und NDR, begleitet die Düsseldorfer Band bei der Entstehung ihres letzten Studioalbums.
Schonungsloser Einblick in den kreativen Prozess
Zwei Jahre lang ließ sich die Band bei der Arbeit im Studio filmen – ein Novum in über 40 Jahren Bandgeschichte. Die 90-minütige Dokumentation zeigt den oft quälenden Prozess, neue Songs zu erschaffen. „Das Schreiben von Liedern und Texten hat auch immer etwas damit zu tun, sich voreinander auszuziehen“, erklärt Frontmann Campino gegenüber Merkurist. „Es wird ganz schnell und hart geurteilt und dann sind zwei Wochen Arbeit innerhalb von Sekunden vom Tisch.“
Songs werden geschrieben und wieder verworfen, immer auf der Suche nach dem besten Stück. Schlagzeuger Vom Ritchie beschreibt die Frustration, wenn eine Idee bei Campino durchfällt: „Es ist frustrierend, wenn dir etwas gefällt und Campino nicht, weil dadurch eine Menge guter Musik auf der Strecke bleibt.“ Am Ende entscheidet eine „Listening Session“ mit Freunden und Vertrauten mit darüber, welche Lieder auf das Album kommen.
Der Film macht deutlich, wie sehr der Abschied die Musiker emotional belastet. Gitarrist Kuddel bekennt, dass er sich vor der „großen Leere“ fürchte. Campino selbst muss in der Doku weinen. „Dadurch, dass es streckenweise richtig ätzend ist, ist es auch leicht, Abschied zu nehmen“, sagt er im Film.
Prominente Gäste und Mainzer Nächte
Dass die Premiere in Mainz stattfand, war kein Zufall. Der SWR hat den Film koproduziert. Bassist Andi Meurer verriet aber auch eine persönliche Verbindung: „Ich mag Mainz. Meine Tante hat hier gewohnt. Ich war öfter in Mainz und ich finde das eine sehr schöne Stadt.“ Unter den Gästen war auch Fußball-Coach und Campino-Kumpel Jürgen Klopp, der während der Vorführung immer wieder herzhaft lachte.
Campino selbst schwärmte vom Mainzer Nachtleben, das er vor einigen Monaten mit Jürgen Klopp erkundet hatte. „Wunderschön, das hat mich restlos überzeugt. Ich habe hier Freunde und Familie“, so der Sänger. „Das Kneipenleben in der Mainzer Altstadt erinnert mich an Düsseldorf. Man kann wunderbar losziehen, ohne zu wissen, wo man endet. Das wurde mir von kompetenten Figuren gezeigt. Jürgen Klopp hatte ja auch noch Ortskenntnis.“ Wie ein Post des Irish Pubs „Nolan’s“ zeigt, waren die Toten Hosen auch nach der Filmpremiere wieder in der Mainzer Altstadt unterwegs.
Ein Fan der Toten Hosen ist auch Ex-Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Gegenüber Merkurist sagte er: „Ich bin Fan, seit ich 14 war. Ich habe mir Ende der 80er meine erste Tote-Hosen-Platte gekauft. Die Band waren sehr prägend für meinen späteren Musikgeschmack, weil ich durch sie auf die britische Musik gekommen bin. Es ist eine große Ehre, hier zu sein.“
Überraschende Enthüllungen und ein Teddybär
Die Dokumentation enthüllt auch einige Anekdoten aus der Bandgeschichte. So war der größte Hit „Tage wie diese“ bereits aussortiert und landete nur durch einen Zufall wieder auf dem Album. Außerdem verrät Campino, dass er noch einmal Vater geworden ist: „Ich hatte mir meinen Weg zur Rente schon anders vorgestellt, aber das fällt ja jetzt aus.“
Eine besonders persönliche Geschichte steckt hinter einem Song über einen Teddybären. Wie im Film erklärt wird, entstand der Text nach einem Ultraschalltermin von Campinos Frau. Sie habe ihm am Telefon gesagt: „Du, wir kriegen kein Baby, wir kriegen einen Teddy.“ Das Ultraschallbild habe sie an den Kopf eines Teddybären erinnert.
Das letzte Studioalbum mit dem Titel „Trink aus, wir müssen gehen!“ erscheint am 29. Mai. Die Dokumentation „Die Toten Hosen – Das letzte Album“ ist ab Mittwoch, 20. Mai, in der ARD Mediathek verfügbar und wird am Samstag, 23. Mai, um 23:25 Uhr im Ersten ausgestrahlt.