Sie ist die jüngste Mainzer Ortsvorsteherin

Christin Sauer (Grüne) ist die jüngste Mainzer Ortsvorsteherin. Was sie an Hartenberg-Münchfeld schätzt und welche Herausforderungen dort warten, darüber hat sie mit Merkurist gesprochen.

Sie ist die jüngste Mainzer Ortsvorsteherin

Seit Juni 2019 ist Christin Sauer (27, Grüne) neue Ortsvorsteherin von Hartenberg-Münchfeld. Die gebürtige Aschaffenburgerin kam vor sechs Jahren nach Mainz. Was sie in ihrem Stadtteil verändern möchte, wie es um die Grünflächen steht und welche Herausforderungen auf sie als jüngste Ortsvorsteherin warten, darüber hat sie im Merkurist-Interview gesprochen.

Merkurist: Frau Sauer, was mögen Sie an Hartenberg-Münchfeld?

Christin Sauer: Ich mag besonders an meinem Stadtteil, dass er so grün ist und dass er trotz der Nähe zur Innenstadt ruhige Ecken und damit Lebensqualität hat. Wir haben im Gegensatz zur Innenstadt größere zusammenhängende Grünflächen wie den Hartenbergpark. Das macht HaMü lebenswert und deswegen ist auch das Wohnen dort für viele sehr interessant.

Was muss man unbedingt gesehen haben?

Ich bin ja großer Fan der Alten Patrone, die leider in der Nutzung etwas eingeschlafen ist. Das Ziel ist aber, das wieder weiter zu entwickeln. Es ist ein sehr romantischer und ruhiger Ort, auch toll für Kinder. Das ist definitiv einer meiner Lieblingsorte.

Welche Probleme gibt es in HaMü?

Wo fangen wir da an? (lacht) Wie überall in der Stadt gibt es auch in HaMü nicht genug Wohnraum. Auch die Kita-Plätze reichen nicht aus, daher bauen wir zwei neue in den nächsten Jahren. Auch im Verkehr gibt es ein paar Problempunkte. Da HaMü ein künstlicher Stadtteil ist, sind die Verbindungen zwischen der ehemaligen Neustadt und dem ehemaligen Gonsenheim verkehrlich nicht so gut. Gerade die ÖPNV-Bindung ist schwierig. Teilweise muss man über den Hauptbahnhof fahren, das ist schon absurd.

Der Stadtteil hat noch recht wenige Traditionen, da es der jüngste von Mainz ist. Da müssen wir die Entwicklung vorantreiben. Wir brauchen Treffpunkte für die Menschen wie ein Eiscafé oder einen Marktplatz. Leider gibt es dafür keine Räume, die müssen wir für Gastronomie und Einzelhandel schaffen. Auf gewisse Dinge habe ich nur wenig Einfluss, aber gerade auf die Lebensqualität im Stadtteil kann ich einwirken - das interessiert doch bei der Stadt niemanden, ob wir in HaMü eine Eisdiele haben oder ob man sich hier gut aufhalten kann. Diese Aufgabe sehe ich bei mir.

Thema Grünflächen: Der Hartenbergpark steht ja oft in der Kritik, gilt als vermüllt und ungepflegt. Wie nehmen Sie das wahr?

Ich finde, dass das auch für andere Grünflächen in Mainz gilt. Und man merkt daran, dass Mainz keine reiche Stadt ist und wenig Personal hat. Daher kann die Stadt nicht so viel investieren, wie vielleicht nötig wäre. Ich bin zum Beispiel sehr dafür, dass man das Gras den Insekten zuliebe länger stehen lässt. Wenn es dann aber gemäht wird, sieht man überall das geschredderte Plastik. Da sieht man, das hat auch viel mit der Entsorgung zu tun. Mehr Mülleimer wären da zum Beispiel eine Maßnahme. Das ist ein Thema, das auch die Ortsvorsteher sehr beschäftigt.

Ihr Stadtteil beheimatet auch das Bruchwegstadion und den FSV Mainz 05. Bis 2022 soll dort die neue Geschäftsstelle entstehen. Wie stehen Sie diesem Bauprojekt gegenüber?

Grundsätzlich finde ich es gut, dass das Bruchwegstadion weiterentwickelt wird und dass dort vor allem die jungen Spieler stark gefördert werden sollen. Was ich allerdings sehr schade finde, ist, dass für die Fans nichts geplant ist. Das war in den Planungen eigentlich vorgesehen, wurde mittlerweile aber wieder gestrichen. Gerade HaMü bräuchte so etwas. Diese Leidenschaft der Fans hätte man damit noch befeuern können. Aber es ist wichtig, den Bruchweg weiter zu beleben.

Sie sind die jüngste Ortsvorsteherin in Mainz. Wie fühlt man sich dabei, gerade als Zugezogene?

Gerade das finde ich spannend, denn wie viele Mainzer sind wirklich noch Ur-Mainzer, gerade bei den Studenten? Die Mischung ist wichtig, und ich habe einen anderen Blick auf die Stadt. Am Anfang ist es recht viel, was die Verantwortung angeht. Es ist ein zeitintensiver Job - aber ich bin nicht allein und muss das nicht alleine stemmen. Da gibt es permanenten Kontakt und wir tauschen uns aus. Ich mache das ja alles auch zum ersten Mal und ich bin froh, dass ich meine Vorgängerin Karin Trautwein (CDU) immer um Rat fragen kann. Auf Stadtteilebene sind Parteizugehörigkeiten auch völlig irrelevant. Ich genieße es außerdem sehr, dass ich nicht nur Ortsvorsteherin bin, sondern auch im Stadtrat. Da habe ich beide Perspektiven auf Stadtteil und Stadt, die Kombination finde ich sehr reizvoll.

Beschreiben Sie Ihren Stadtteil in drei Worten.

Hartenberg-Münchfeld ist grün, freundlich und offen.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Sauer.

Das Interview führten Peter Kroh und Denise Frommeyer. (pk)

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