Ex-Mainz-Profi rechnet in Rapsong mit Fußballgeschäft ab

Zugeballert vor 60.000, Trainer, die auf „The Rock“ machen und Fans, die denken, man wäre Gemeinschaftsgut: Der ehemalige Mainz-05-Spieler Chinedu Ede rechnet in einem Rapsong mit dem Fußballgeschäft ab.

Ex-Mainz-Profi rechnet in Rapsong mit Fußballgeschäft ab

Ein außergewöhnlich schneller und dribbelstarker Spieler sei er, der das Offensivspiel von Mainz 05 bereichern werde. Das sagte der damalige Mainz-05-Manager Christian Heidel im Sommer 2012 über Chinedu Ede, den er gerade von Union Berlin verpflichtet hatte. „Wir sind überzeugt, dass ihm bei uns dieser Durchbruch gelingt.“ Doch daraus wurde nichts: Ede machte zwischen 2012 und 2015 nur neun Spiele für die Mainzer (ein Tor), wurde in dieser Zeit zwei Mal verliehen und wechselte dann schließlich in die Niederlande zu Twente Enschede. Im vergangenen Sommer beendete Ede seine Karriere beim Berliner Regionalligisten Altglienicke. Jetzt sorgt er allerdings wieder für Aufmerksamkeit.

Denn Ede hat eine zweite Karriere gestartet: als Rapper. In dem Song „Reflexion“ verarbeitet er unter anderem seine Fußballkarriere, ohne dabei auf konkrete Vereine einzugehen. Sein Urteil: vernichtend. „Ich hasste Fußball, diese Spastis, diese Plastikwelt, nichts von Substanz, nur das Finanzielle, was mich hält.“ Am liebsten hätte er fast „jeden zweiten von ihnen weggeschellt“, nur zwei echte Freunde habe er in all den Jahren gehabt. „So viel Lebenszeit vergeudet, Trainer schieben nen Dicken, als wären sie ‘The Rock’.“ Auch die Anhänger kriegen ihr Fett weg: „Jeder Fan da draußen denkt, du wärst Gemeinschaftsgut.“

Drogenbeichte von Ede

In einem Interview mit T-Online stellte Ede allerdings klar, dass er den Sport selbst nie gehasst habe. „Ich habe angefangen, weil es Spaß gemacht hat.“ Mit dem Geschäft Fußball habe er dagegen nichts anfangen können. „Am Ende wollten sie in dieser Industrie, und das ist das Fußballgeschäft wirklich, einfach nur anpassungsfähige, unmündige und gleichgestellte Roboter, die immer denselben Scheiß erzählen. Dieses Drumherum, dieses ganze Funktionärstum – es hat mich so angewidert.“ Wer Ecken und Kanten habe, werde so zurechtgemeißelt, bis er in diese Welt passe. „Am Ende rechtfertigt kein Geld der Welt, dass man nicht man selbst sein darf.“

Zudem beichtet Ede in dem Rapsong, dass er in seiner aktiven Zeit Drogen genommen hat. „Vor 60.000 im Bundesligaspiel, manchmal zugeballert.“ Gegenüber T-Online erklärt er: „Manchmal hat man so krass den Anschluss zur Realität verloren und wollte allem gerecht werden, dass das zum Balsam wurde. Ja, dann spielst du auch mal auf deinen Restdrogenwerten.“ Zum anderen meine er aber auch die Tatsache, ständig auf Schmerzmitteln gespielt zu haben. „Bei Verletzungen wurdest du dazu gedrängt, wieder früher anzufangen, als es wirklich gut für deinen Körper war.“

Diese Ehrlichkeit scheint anzukommen. Das Video auf Youtube haben bereits mehr als 25.000 Menschen gesehen – und die meisten feiern das Lied. „Um Klassen besser als der übliche Kram, mit Tiefgang, authentisch und leidenschaftlich“, schreibt ein User. Ein anderer: „Man spürt, dass es aus dem Herzen kommt und da fühl ich mich berührt, auch ohne auf Rap zu stehen! Alle Daumen hoch.“ (ms)

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