VR-Brillen gegen Diskriminierung? Neues Polizeiprojekt in Rheinland-Pfalz

Rassismus und Diskriminierung bei Polizeikontrollen? Mit einem neuen Projekt will die Polizei Rheinland-Pfalz dagegen vorgehen – und hat direkt einen Preis gewonnen.

VR-Brillen gegen Diskriminierung? Neues Polizeiprojekt in Rheinland-Pfalz

Mit einem Virtual-Reality-Projekt sind rheinland-pfälzische Polizisten in der bundesweiten „Diversity Challenge“ der „Charta der Vielfalt“ auf dem ersten Platz gelandet. Innenminister Michael Ebling (SPD) hat die Gruppe am Montag im Innenministerium in Mainz empfangen.

Projekt mit Polizei-Studenten

Zum dritten Mal hat der Verein „Charta der Vielfalt e.V.“ in diesem Jahr den bundesweiten Wettbewerb „Diversity Challenge“ ausgerufen. Die Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz (HdP) nahm mit einem zehnköpfigen Team aus Dozentinnen und (ehemaligen) Studenten daran Teil und gewann mit ihrem Projekt „PoliVersity Rheinland-Pfalz“ in der Disziplin „Wie können wir die Vielfaltsgesellschaft am Arbeitsplatz neu denken?“.

Das Gewinnerteam hat gemeinsam mit der Polizeidirektorin Angela Seip und IT-Trainer Martin Gruner Virtual-Reality-Szenarien entwickelt, in denen verschiedene Polizeieinsätze abgespielt werden. Dabei interagieren die Polizisten mithilfe einer VR-Brille und zwei Joysticks mit virtuellen Bürgern. Ziel dieses Projekts sei, innerhalb der Polizei Rheinland-Pfalz professioneller und sensibler mit Vielfalt umzugehen und den richtigen Umgang mit verschiedenen Personengruppen zu finden.

Beispielsszenarios: „Racial profiler“ und Transpersonen

Eins von den Beispielsszenarios ist der „Racial profiler“ in einer allgemeinen Verkehrskontrolle. In dieser Einsatzlage geht es darum, eine anti-rassistische Haltung einnehmen zu können. Es wird ein amerikanischer Bürger bei einer einfachen Verkehrskontrolle angehalten und kontrolliert. Die Person empfindet das aufgrund seiner schwarzen Hautfarbe jedoch als diskriminierend.

Ein weiteres Szenario ist die „Ansprache Transpersonen“ bei einer anlassbezogenen Personenkontrolle. Ein Streifenteam soll nach einem Taschendieb suchen. Diese Person wird aufgefunden und nach Ausweispapieren gefragt. Zu dem Ausweis erhalten die Beamten einen DGTI-Ergänzungsausweis (Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.). In diesem Fall soll die Polizei lernen, Personenkontrollen ohne Diskriminierung durchzuführen und auf Fragen wie „Können wir diesen Ausweis akzeptieren?“, „Was muss ich bei der Durchsuchung beachten?“ oder „Führt die Durchsuchung ein männlicher Polizeibeamter oder eine weibliche Polizeibeamtin durch?“ korrekt einzugehen.

VR-Szenarien in der Polizeiausbildung

„Ein diskriminierungssensibles Vorgehen der Polizei ist nicht nur moralisch richtig, sondern stärkt auch das Vertrauen in die Integrität und Gerechtigkeit der Polizeiarbeit“, so Ebling. Deshalb sollen die VR-Übungseinheiten in Zukunft den praktischen Übungsteil der Polizei-Hochschule ergänzen.

Mithilfe von Cardboxen, Prototypen der VR-Brille, lassen sich die Szenarien auch in der Fortbildung anwenden. Dabei scannt man für verschiedene Szenarien die dazugehörigen QR-Codes mit dem Handy ab, das man anschließend mit der Cardbox wie eine Brille aufsetzen kann. Das hat auch Innenminister Ebling ausprobiert.