Anwohner beklagen: Zu viel Durchfahrtsverkehr – zu wenige Parkplätze

Zu viel Durchfahrtsverkehr und zu wenige Parkplätze: Das stört Anwohner in Teilen der Mainzer Oberstadt. Der Ortsvorsteher kennt die Probleme seit Jahren, doch eine Lösung scheint es vorerst nicht zu geben.

Anwohner beklagen: Zu viel Durchfahrtsverkehr – zu wenige Parkplätze

Viele Anwohner der Carl-Benz-Straße in der Mainzer Oberstadt sind von der Verkehrssituation vor Ort genervt. Die zwischen der vielbefahrenen Geschwister-Scholl-Straße und dem Karcherweg gelegene Carl-Benz-Straße wird nämlich seit Jahren schon als Durchgangsstraße genutzt. Diese Problematik beschreibt eine Merkurist-Leserin auch in ihrem Snip zum Thema: „Wann wird man in der Carl-Benz-Straße tätig? Durchfahrtsverkehr wie auf einer Hauptstraße“.

Oberstadt-Ortsvorsteher Daniel Köbler (Grüne) kennt die Situation rund um die Carl-Benz-Straße. Er sagt gegenüber Merkurist: „Dieses Problem gibt es seit Jahrzehnten im Abschnitt zwischen der Hechtsheimer- und der Geschwister-Scholl-Straße.“ Ein Hauptproblem ist laut Anwohnern auch, dass die meisten Autofahrer ein „Anlieger frei“-Schild am Karcherweg ignorieren würden. Dieses wurde im Herbst 2021 angebracht, als der Karcherweg und der in Richtung Goldgrube anschließende Ebersheimer Weg als Fahrradstraße ausgewiesen wurden. Heißt konkret: Radfahrer haben hier nun Vorfahrt, Autofahrer müssen sich hintenanstellen.

Kontrollen nur schwer möglich

Das „Anlieger frei“-Schild sollte auch für Entlastung der Bewohner in der Carl-Benz-Straße sorgen – doch nutzt es etwas? Ortsvorsteher Köbler erhielt bisher unterschiedliche Rückmeldungen: „Einige Anwohner berichten, die Situation habe sich gebessert, andere sagen, es sei genau so problematisch wie früher.“ Seine Hoffnung ruht nun auch auf den wärmeren Monaten. „Jetzt beginnt die fahrradstarke Zeit. Wenn sich herumspricht, dass man als Autofahrer hinter den Radfahrern im Karcherweg keine Zeit spart, könnte das den Durchfahrtsverkehr dort reduzieren“, hofft der Ortsvorsteher. Zusätzlich habe die Verkehrsverwaltung angekündigt, nun offizielle Zählungen vor Ort durchzuführen um einen realistischen Einblick zu erhalten. Laut Schätzungen sind es derzeit 40 bis 60 Prozent der Autofahrer, die unberechtigter Weise über die Carl-Benz-Straße abkürzen. Zu kontrollieren, welche Autofahrer wirklich mit einem Anliegen von der Carl-Benz-Straße auf den Karcherweg einbiegen, sei jedenfalls schwierig: „Selbst die Suche nach einem Parkplatz gilt genau genommen als Anliegen.“

Selbst eine Teilsperrung für Autofahrer war im Abschnitt um die Carl-Benz-Straße schon Thema. Letztlich hätten sich aber auch Anwohner selbst gegen dieses Modell ausgesprochen, da auch sie davon betroffen gewesen wären – als Kompromiss folgte das „Anlieger frei“-Schild. Eine weitere Hoffnung für die Anwohner des betroffenen Bereichs in der Oberstadt sei laut Köbler, dass der Bund die Bauarbeiten am Mainzer Südkreuz abschließt. „Das würde einen nicht gerade geringen Teil des Verkehrs aus der Oberstadt herausnehmen, glaubt Köbler.

Parkplatzsituation ebenfalls kompliziert

Doch nicht nur der Durchfahrtsverkehr stört viele Anwohner in der Carl-Benz-Straße, auch die Parkplatzsituation ist schwierig. Die ohnehin schon problematische Situation verschlechterte sich vor wenigen Jahren nochmal massiv, als das Wohnungsunternehmen Vonovia Parkplätze vor den Wohnkomplexen auf einer Seite der Straße privatisierte. Weil diese nun kostenpflichtig sind, parken viele Anwohner der Vonovia-Anlagen eben nicht auf dem Parkplatz, sondern auf den wenigen Parkplätzen direkt in der Carl-Benz-Straße. Da zusätzlich viele Pendler die ohnehin schon knappen Stellplätze als Park and Ride-Plätze nutzen, ist die Situation für viele Anwohner störend. „Das bringt zusätzlichen Parkdruck in der Carl-Benz- und der anliegenden Gottlieb-Daimler-Straße mit sich“, so Köbler.

Zumindest das Park and Ride-Problem könnte theoretisch durch Anwohnerparkausweise gelöst werden, doch auch das war zumindest bisher keine ernsthafte Option. Bisher gab es im betroffenen Abschnitt zu viele ungenutzte Stellplätze, um das Anwohnerparken dort einzuführen, wie Köbler erklärt. Nun will die Stadtverwaltung erneut prüfen, ob im Abschnitt zwischen der Goldgrube und der Gottlieb-Daimler-Straße nicht doch Anwohnerparkausweise kommen könnten. „Mir wurde zugesichert, dass eine erneute Zählung stattfinden soll“, so der Ortsvorsteher. Mittel- oder Langfristig könnten aber auch Stellplätze am nahegelegenen Studentenwohnheim an der Kurmainz-Kaserne zu Park and Ride-Stellplätzen umfunktioniert werden und die Anwohner in der Carl-Benz-Straße somit entlasten. Bis dahin werden aber nach aktuellem Stand noch einige Jahre vergehen.

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