Schlaflose Nächte am PC

48 Stunden lang hacken, tüfteln und networken: Beim ersten „Hackathon Rhein-Main“ erstellten die Teilnehmer von Freitag bis Samstag eine eigene Internet- oder Smartphone-App.

Schlaflose Nächte am PC

"The only way to predict the future is to create it." Die einzige Möglichkeit, die Zukunft vorher zu sehen, ist sie selbst zu schaffen. Die Worte des Management-Theoretikers Peter Drucker sind eines der vielen Zitate, die auf Schildern die Eingangshalle der alten Mensa an der Johannes-Gutenberg Universität zieren. In der linken Aula treffen sich Donnerstagabend die Teilnehmer des ersten Hackathons Rhein-Main. Die Veranstalter, die akademischen Rechercheplattform Thesius und die Hochschulgruppe Start, geben ihnen von Freitag bis Samstag genau 48 Stunden Zeit, eine Internet- oder Smartphone-Anwendung zu erstellen. Von der Idee bis zur Umsetzung können die "Hacker" alles selbst gestalten, die einzige Vorgabe: Die Apps müssen zum Thema Bildung und Forschung passen. Die Sponsoren von IBM stellen den Teilnehmern die Entwicklerplattform Bluemix zur Verfügung, von der United Digital Group werden sie während dem Programmieren beraten und unterstützt.

Lern-Apps und Konferenz-Orga

Rund 50 Teilnehmer haben sich für den ersten großen Hackathon in Mainz angemeldet. Wirtschaftswissenschaftler, Techniker, Informatiker treffen bei belegten Brötchen und kostenlosen Getränken am Donnerstagabend aufeinander. Unter ihnen befinden sich nur wenige Frauen.

Zwei der "Hacker" stellen eigene Ideen vor, die sie während des Hackathons umsetzen möchten: Max Schumacher möchte eine App erstellen, mit der man Inhalte aus Mathemathik, Naturwissenschaften und Technik erlernen kann. Nun braucht er noch eine Gruppe Teilnehmer. Alexander Gräsel geht es ähnlich: "Ich hab 'ne schöne Idee, aber kein Team", sagt er bei der Eröffnung. Seine Idee ist eine Web-App: Mit ihr sollen die Nutzer Konferenzen leichter planen und organisieren.

Auch die Veranstalter schlagen den Teilnehmern Apps vor, die anzeigen, welche Uni-Bibliotheken wie voll sind, oder eine Anwendung, mit der man für eine Deadline planen kann. Dann finden sich die Teilnehmer zu Gruppen von bis zu vier Personen zusammen und wählen aus, was sie gemeinsam umsetzen möchten.

48 Stunden lang tüfteln und hacken

Alexander braucht ein wenig, bis er eine Gruppe für seine Konferenz-App findet. "Nach gefühlten zwei Minuten waren die ersten Teams schon komplett", erzählt er später. "Derweil stand auf meinem Teamzettel noch kein einziger Name und ich bekam Panik!" Doch schließlich schließen sich erst Andre aus Marburg und dann Tatjana und Lukas aus Gießen an. Die Gruppe ist komplett und gibt sich den Namen Team Sparta. Freitag geht es dann in aller Frühe los, um 6:30 Uhr stehen die Mitglieder von Team Sparta auf und frühstücken am den Computer-Plätzen ihr Müsli.

Die Teilnehmer des Hackathons arbeiten fast rund um die Uhr, immer wieder müssen sie sich kleinen Problemen stellen. Auch Team Sparta muss direkt zu Beginn kämpfen: "Ich wollte die App mit einer coolen neuen Oberflächen-Bibliothek von Microsoft programmieren, aber das hat leider nicht geklappt", so Alexander. "Daher habe er und sein Team sich nach vier Stunden für eine ältere entschieden. "Die geht zwar auch, hat aber keine Wow-Effekte und sieht etwas altbacken aus."

Es gibt viel zu tun, überall in der Alten Mensa sitzen die Hackathon-Teilnehmer an den Arbeitsplätzen. Manche übernachten vor Ort, die Veranstalter stellen extra einen Schlafraum neben der Aula zur Verfügung. Oder sie schlafen gar nicht: "Ich habe von Freitag auf Samstag genau eine Stunde im Sessel geschlafen", sagt Alexander. Durch den Schlafmangel hätten sich leicht Logik- und viele Rechtschreibfehler eingeschlichen. "Das Powernapping hat da aber echt geholfen."

Doch der Einsatz hat sich gelohnt. Bei der Siegerehrung kurz nach 20 Uhr am Samstagabend verkündet die Jury: "Der erste Preis geht an Team Sparta!" Die Freude ist groß, Alexander und seine Gruppe erhalten eine Trophäe in Form eines goldenen Bildschirmes. Außerdem bekommen sie ein Erklärvideo für ihre App und jedes Teammitglied gewinnt eine Smartwatch.

Merkurist