365-Euro-Jahresticket für alle?

Vor seiner Wiederwahl kündigte OB Michael Ebling an, sich für günstigere Jahrestickets für Bus und Bahn einzusetzen. Dafür hofft er auf Unterstützung seitens der Bundesregierung.

365-Euro-Jahresticket für alle?

Im November vergangenen Jahres wurde Michael Ebling (SPD) für eine weitere Amtszeit von acht Jahren zum Oberbürgermeister von Mainz gewählt. Unter dem Motto „Bezahlbar mobil“ kündigte er damals in seinem Wahlprogramm an, für günstigere Ticketpreise der öffentlichen Verkehrsmittel sorgen zu wollen. Mit einem Jahresticket für 365 Euro solle man im gesamten Tarifgebiet des RMV unterwegs sein können. Dafür sind vor allem die Unterstützung der Bundesregierung und des Landes Rheinland-Pfalz nötig, die zurzeit konsultiert werden.

Zuschüsse auf Bundesebene beantragt

Auch die Bundesregierung befürwortet die Einführung der 365-Euro-Tickets. So wurde in dem im vergangenen Jahr verabschiedeten Klimapaket zugesichert, ÖPNV-Tickets für 365 Euro jährlich im Rahmen von zunächst zehn Modellprojekten deutschlandweit finanziell zu fördern. Damit solle der öffentliche Personennahverkehr gestärkt und die CO2-Belastung gemindert werden.

Gemeinsam mit dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) setzt sich Ebling daher seit Oktober vergangenen Jahres dafür ein, das RMV-Gebiet zu einer durch den Bund geförderten Modellregion zu machen. Auch die Städte Offenbach, Aschaffenburg, Hanau und Darmstadt sagten zu, sich an einer entsprechenden Bewerbung zu beteiligen, wie aus einer gemeinsamen Presseerklärung der Städte Mainz und Frankfurt hervorgeht.

Marc-André Glöckner, Pressesprecher der Stadt Mainz, erklärt zudem, der RMV habe die Bewerbung im Oktober vergangenen Jahres bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eingereicht. Die zugrundeliegende Förderrichtlinie wird zurzeit von der Europäischen Union geprüft. Anschließend kann die Bundesregierung entscheiden, welche zehn Regionen zukünftig bezuschusst werden.

Mehr finanzielle Entscheidungsfreiheit

Zudem forderten Ebling und die Oberbürgermeister aus Ludwigshafen, Koblenz, Trier und Kaiserslautern das Landesverkehrsministerium zu einer Verbesserung der ÖPNV-Angebote in den rheinland-pfälzischen Großstädten auf. Damals argumentierte das Ministerium allerdings, zunächst das Busliniennetz in den ländlichen Regionen ausbauen zu wollen.

Bis Ende des Jahres soll in Rheinland-Pfalz ein neuer Entwurf des Nahverkehrsgesetzes beschlossen werden. Dieser sieht vor, den ÖPNV zur „Pflichtaufgabe“ für Kommunen und Kreise zu machen. Wie Nicola Diehl, Pressesprecherin des rheinland-pfälzischen Verkehrsministeriums, erklärt, sollen ihnen damit mehr finanzielle Freiheiten eingeräumt werden. Außerdem ist geplant, verbindliche Standards für den öffentlichen Nahverkehr und deren Finanzierung festzulegen. Die Stadt Mainz befürworte diese Vorhaben, so Stadt-Pressesprecher Glöckner.

Sozialticket für Bus und Bahn

Für Mainzer, die existenzsichernde Leistungen erhalten, wurde im vergangenen Jahr der „MainzPass“ eingeführt. Für 35 Euro pro Monat kann damit der öffentliche Nahverkehr ab 9 Uhr täglich genutzt werden. Weitere Vergünstigungen gibt es mit dem MainzPass außerdem in Museen, bei sportlichen Freizeitaktivitäten und anderen Kulturangeboten. Weiterhin beschloss der Stadtrat im Juni einen Ausbau des lokalen Straßenbahnnetzes. (df)

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