AfD-Plakat hängt vor Haus von Flüchtlingsfamilie - eine Provokation?

„Bunt statt Burka“ - die AfD setzt im Bundestagswahlkampf auf das Thema Zuwanderung. In Klein-Winternheim hängt eines der Wahlplakate direkt vor dem Haus einer syrischen Flüchtlingsfamilie. Ist das eine gezielte Provokation?

AfD-Plakat hängt vor Haus von Flüchtlingsfamilie - eine Provokation?

Der Bundestagswahlkampf ist in vollem Gange. In Mainz sieht man an jeder Ecke eines der unzähligen Wahlplakate und auch im beschaulichen Klein-Winternheim zieren die Slogans der Parteien die Laternenmasten. Eines dieser Plakate aber findet Merkurist-Leserin Cecilia deplatziert. „Was für eine Provokation in Klein-Winternheim bei Mainz“, schreibt sie in ihrem Snip. Was Cecilia stört: Seit Montagmorgen hängt ein Plakat der Alternative für Deutschland (AfD) in ihrer Straße - direkt vor dem Haus, in dem eine syrische Flüchtlingsfamilie wohnt.

„Das einzige AfD-Plakat in der Siedlung“

„Die Familie hat es schon schwer genug, sie hat eine harte Reise über das Mittelmeer hinter sich, der Vater ist in der Türkei, von manchen Nachbarn werden sie nicht akzeptiert - und jetzt das“, sagt Cecilia gegenüber Merkurist. In der ganzen Siedlung hänge nur ein einziges AfD-Plakat und das ausgerechnet vor diesem Haus. Seit etwa eineinhalb Jahren wohnt eine Mutter mit ihren vier Kindern in dem Haus, das Cecilia gehört.

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„Der AfD geht es darum, Angst vor dem Fremden zu schüren“ - Merkurist-Leserin Cecilia

An dem AfD-Plakat störe Cecilia der fremdenfeindliche Unterton. „Man muss Burkas nicht gut finden, aber der AfD geht es nur darum, Angst vor dem Fremden zu schüren.“ Für eine bunte Gesellschaft, wie es das Plakat suggeriert, stehe die AfD gerade nicht. Auch die Familie selbst hat das Plakat bemerkt, so die 18-jährige Tochter auf Merkurist-Nachfrage, sie wolle es aber nicht weiter kommentieren. Cecilia hat sich unterdessen an die Verbandsgemeinde Nieder-Olm gewandt - und die hat reagiert.

Plakat wurde abgehängt - und hängt jetzt wieder

Am Mittwoch wurde das Plakat nach Cecilias Beschwerde abgehängt, am Donnerstagmorgen hing es allerdings wieder an der gleichen Laterne. Ein Vertreter der Straßenverkehrsbehörde Nieder-Olm sagt, dass man nach einem Anruf der Klein-Winternheimer Bürgermeisterin Ute Granold das Plakat um einige Meter versetzt aufgehängt habe. Warum das Plakat einen Tag später wieder an derselben Stelle hängt, könne er nicht sagen. Die Bürgermeisterin war am Donnerstag nicht zu erreichen.

Der AfD-Spitzenkandidat für Mainz und Mainz-Bingen, Sebastian Münzenmaier, hält das Abhängen für eine Farce. Er sagt auf Merkurist-Nachfrage: „In welcher Gesellschaft befinden wir uns, in der eine Verbandsgemeinde ein rechtmäßiges Plakat wieder abhängen lässt?“ Die AfD hänge Plakate auf, wo sie gut sichtbar und erlaubt seien. So dürfen Wahlplakate etwa nicht an Ampeln oder an Verkehrsschildern aufgehängt werden. Der Laternenmast in Klein-Winternheim habe alle Kriterien erfüllt. „Wenn wir uns an jeder Stelle Gedanken machen würden, welcher Anwohner sich durch was auch immer gestört fühlen könnte, kämen wir gar nicht mehr zum Plakatieren“, so Münzenmaier. Die Familie lebe in Deutschland in Sicherheit und müsse das Plakat einer demokratischen Partei aushalten.

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„Es geht hier nicht um Meinungsfreiheit, sondern um Respekt vor den Mitmenschen“ - Cecilia

Merkurist-Leserin Cecilia ist anderer Meinung. Das AfD-Plakat mit dem Untertitel „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ tue so, als wollten sich muslimische Flüchtlinge generell nicht integrieren. Aber gerade bei ihrer Nachbarfamilie sei das anders: „Ich sehe immer wieder, dass die Kinder wollen. Sie geben sich viel Mühe, die deutsche Sprache zu lernen.“ Mittlerweile haben auch andere Anwohner auf das Plakat reagiert: Auf der Straße steht mit Kreide geschrieben: „Refugees Welcome“.

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