Aufregung um NS-Vergleich von Mainzer Arzt Trabert

Als Kandidat für die Wahl zum Bundespräsidenten im Februar hat der Mainzer Arzt Gerhard Trabert nur Außenseiterchancen. Aufgrund einer Äußerung über Juden und Flüchtlinge steht der Mediziner nun aber plötzlich im Fokus der Politik und Medien.

Aufregung um NS-Vergleich von Mainzer Arzt Trabert

In einem Monat geht der Mainzer Arzt Dr. Gerhard Trabert ins Rennen um das Amt des Bundespräsidenten. Trabert ist parteilos, wurde aber von den „Linken“ für die Wahl nominiert (wir berichteten). Beim digitalen Jahresauftakt der Partei am Samstag sorgte der Sozialmediziner nun aber für einen politischen und medialen Aufschrei.

„Absolut inakzeptabel“

Grund für die „Empörung“ (Focus online) ist ein Zitat Traberts, in dem er die Situation von Flüchtlingen in Zusammenhang mit den im Nationalsozialismus verfolgten Juden setzt: „Wie damals viele Deutsche wussten, was mit den Juden geschieht, ist es heute so, dass wir wissen, was mit geflüchteten Menschen im Mittelmeer, in libyschen, in syrischen Lagern geschieht. Wir wissen, wie die Armut zunimmt, wir wissen um die erhöhte Sterberate von armen Menschen auch hier in Deutschland.“ Dieser Äußerung vorangesetzt hatte Trabert, wie Focus Online berichtet, ein Zitat eines jüdischen Jugendlichen, der 1945 im NS-Konzentrationslager Bergen-Belsen starb. In seinem Tagebuch habe der Junge beklagt, dass die Gesellschaft das Schicksal der Juden ignoriere.

Nach der Rede Traberts fordert nun der erste Politiker Konsequenzen. So sagte der erste Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel gegenüber der „Welt am Sonntag“: „Es ist mir völlig unbegreiflich, dass sich immer wieder jemand findet, der geschichtsvergessene Vergleiche zur NS-Zeit zieht. Diese Äußerungen sind absolut inakzeptabel und ebenso wirr wie historisch entglitten.“ Damit disqualifiziere sich Gerhard Trabert selbstverständlich und für jeden offenkundig für das höchste Staatsamt. Die Linke sollte kritisch wägen, ob sie diese Kandidatur weiter trage“, so der FDP-Politiker.

Trabert äußert sich erneut

Um die Schärfe aus der Diskussion zu nehmen und seine Intention zu verdeutlichen, meldete sich Trabert selbst noch einmal über Twitter zu Wort. Demnach würden verschiedene Medien seinen historischen Hinweis auf das Wegschauen vieler Deutscher im Nationalsozialismus bezüglich der Verfolgung und Ermordung von Menschen jüdischen Glaubens und von Sinti und Roma als einen Vergleich mit der gegenwärtigen Missachtung und Gefährdung von Gesundheit und Leben bestimmter Bevölkerungsgruppen interpretieren.

Das sei es ausdrücklich nicht. Es gehe ihm nicht um eine historische Gleichsetzung, erklärt Trabert. „Das von den Nationalsozialisten verursachte Leid vieler Menschen war unbeschreiblich größer und ist nicht vergleichbar. Aber die Tendenz des Wegschauens muss deutlich kritisiert werden.“ Ihm gehe es ums Hinschauen, gerade in der heutigen Zeit und um ein Lernen aus der Vergangenheit, so Trabert. „Wenn man, wie ich, im Mittelmeer erleben muss, dass Menschen vor den eigenen Augen ertrinken (…) weil es kein europäisches Rettungskonzept gibt (…) dann steigert das das Unverständnis über die Ignoranz der Politik diesem Leid gegenüber“, so Trabert. Darauf wolle er aufmerksam machen.

Unterschiedliche Reaktionen

Aber auch Traberts Tweet löst wiederum unterschiedliche Reaktionen aus. So bewertet ein User den Vergleich als „höchst treffend“, zumal ja das Zitat des NS-Opfers vorangestellt worden sei. „Wer das falsch verstehen will, ist nicht in guter Absicht unterwegs“, so der User. Eine andere Kommentatorin meint dagegen: „Nichts, aber auch wirklich gar Nichts rechtfertigt, geschweige denn entschuldigt Vergleiche mit dem Holocaust. Nichts! Der Zweck heiligt nicht jedes Mittel.“ Und so findet Traberts Argumentation auch in den sozialen Medien sowohl viel Zustimmung als auch Ablehnung.

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