Ärger um neue Schiffsanleger in der Neustadt

An der Südmole sollen neue Anleger für große Binnenschiffe gebaut werden. Anwohner sind verärgert und fürchten Lärm und Abgase. Doch was sagt die Zollhafen GmbH?

Ärger um neue Schiffsanleger in der Neustadt

Anwohner des Mainzer Rheinufers in der Neustadt sind verärgert: Denn während am Zollhafen neue Wohnungen entstehen, sollen nun an der Südmole Anleger für große Binnenschiffe gebaut werden. Damit auch Autos von und auf die Schiffe umgesetzt werden können, soll außerdem eine Fahrzeugbrücke am Frauenlob-Tor entstehen, heißt es in einer Bekanntmachung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Bingen. Der Träger des Vorhabens hat bereits ein Planfeststellungsverfahren zu den Schiffsliegestellen durchgeführt.

Laut der Unterlagen des Verfahrens ist eine Schiffsliegestelle an der Südmole „fahrstrategisch von hoher Bedeutung“, weil Mainz für die Schifffahrt ein zentraler Punkt sei. Außerdem werden die jetzigen Plätze an der Nordmole entfallen: Dort gibt es momentan noch eine provisorische Liegestelle, die demnächst zurückgebaut werden soll.

Die Kritik der Anwohner

Doch Anwohner befürchten nun, dass die Neustadt durch die neuen Anliegestellen zusätzlich mit Lärm belastet und den Mainzern der Rheinblick genommen wird. „In einem 24/7-Betrieb sollen hier bis zu 16 Frachtschiffe in Viererreihen per Dieselmotor an- und ablegen sowie einen Autoabsetzplatz direkt vor der Caponniere nutzen“, sagt Torsten Kirchmann von der Bürgerinitiative Neustadt-Ufer, die sich inzwischen gebildet hat. „Es gibt auf 100 Rheinkilometern wohl kaum eine Stelle, an der mehr Menschen dichter am Rhein wohnen als in der Mainzer Neustadt.“

Die Luft sei durch Straßenverkehr und Industrie bereits jetzt bis zu den Grenzwerten und oft darüber hinaus mit Feinstaub und Abgasen belastet. Ein Piratenspielplatz für Kleinkinder liege dann 15 Meter neben den Auspuffrohren, ebenso die Liegewiese zwischen Caponniere und Frauenlobbrunnen. „Das Schlimmste: Es wurde keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt, sie ist auch bislang nicht vorgesehen“, sagt Kirchmann. Die Bürgerinitiative fordere deshalb, dass die Anlegestellen und der Autoabsetzplatz nicht gebaut werden.

„Keine Gedanken über die Belastung der Menschen in der Neustadt gemacht“ - Torsten Kirchmann

Ein weiterer Kritikpunkt: „Die allermeisten Anwohner des Zollhafens, der Taunusstraße, der Hafenstraße, des Feldbergplatzes, des gesamten Viertels, Zugezogene und Alteingesessene, wussten bis September nichts von diesem Projekt und waren völlig überrascht“, so Kirchmann, der selbst in der Taunusstraße wohnt. Die BI gehe davon aus, dass mindestens einhundert Einsprüche gegen das Planfeststellungsverfahren eingelegt wurden.

Es müsse ein anderer Standort für die Schiffsanlieger gefunden werden, Politik und Behörden hätten nicht richtig nach Alternativen gesucht. „Stadtrat und Ortsbeirat haben dem Vorhaben mehrheitlich zugestimmt, ohne sich vorher Gedanken über die Belastung der Menschen in der Neustadt zu machen“, sagt Kirchmann. „Die Initiative richtet sich nicht gegen die Binnenschiffer, die sind genauso Opfer einer verfehlten Politik.“

CDU kritisiert Zollhafen GmbH

Die CDU Mainz-Neustadt schreibt in einer Pressemitteilung, dass Mainzer Gremien nicht über die Ausdehnung der Liegeplätze über das Zollhafengelände hinaus bis zur Frauenlobstraße entschieden hätten. „Die einzige Abstimmung dazu fand am 5. September im Ortsbeirat auf CDU-Antrag statt“, so der Sprecher der CDU-Ortsbeiratsfraktion Mainz-Neustadt, Karsten Lange. „Der Antrag, der sich gegen die Liegestellen und die Autoabsetzanlage richtete, scheiterte damals an SPD und Grünen.“

Der CDU-Stadtbezirksvorsitzende Torsten Rohe wirft unterdessen der Zollhafen GmbH ein „doppeltes Spiel“ vor: „Es gab offenbar Zusagen für Liegeplätze den Binnenschiffern gegenüber, die erst jetzt nach Jahren erfüllt werden sollen - vor frisch vermarkteten Wohnimmobilien. Pünktlich vor der Vermarktung der Nordmole sollen dort wiederum die Liegeplätze wegkommen.“ Wo die Investoren bereits ihren Profit gemacht hätten, sollten nun bis zu 14 Schiffe vor die Häuser gelegt werden - samt Autoabsetzanlage. „Das darf nicht sein“, so Lange. Stattdessen solle sich die Zollhafen GmbH finanziell an neuen Anlegern zwischen Kaiserbrücke und Industriehafen oder am Weisenauer Ufer beteiligen.

Was die Zollhafen GmbH sagt

Die Mainzer Zollhafen GmbH sieht das anders. Deren Sprecher Peter Zantopp-Goldmann sagt, dass es eine Zusage an die Binnenschiffer, dass neue Anlegestellen an der Südmole errichtet werden, bereits im Jahr 2014 gegeben habe. „Die Zollhafen Mainz GmbH & Co. KG hat die geplanten Schiffsanlegestellen entlang der Südmole gegenüber unseren Kunden, den Käufern der Baugrundstücke im Zollhafen, seit Jahren klar und offen kommuniziert.“ Das Thema sei darüber hinaus im Bebauungsplan und mit Begründung „eindeutig in Wort und Zeichnung dargestellt“. Zantopp-Goldmann sagt: „Inwieweit die Bauträger Ihre Wohnungskäufer informiert haben, entzieht sich unserer Kenntnis.“

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