Dramatische Lage: Obstbauern aus Rheinland-Pfalz warnen vor Höfesterben

In einem Brandbrief warnen Obstbauern vor dem Ende der heimischen Produktion. Auch der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd in Mainz fordert ein Umdenken, bevor es zu spät ist.

Dramatische Lage: Obstbauern aus Rheinland-Pfalz warnen vor Höfesterben

Angesichts einer aus ihrer Sicht dramatischen Situation im deutschen Obstbau schlagen Branchenvertreter Alarm. In einem Brandbrief fordern sie zum Handeln auf, den auch Theresa Pfeifer, Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd mit Sitz in Mainz, unterzeichnet hat.

Mit der Frage „Wollen wir in Deutschland überhaupt noch heimisches Obst?“ wendet sich der Verband an die Politik. Ohne Unterstützung sinke die Wettbewerbsfähigkeit immer weiter, noch mehr Betriebe müssten schließen und die Versorgung mit regionalem Obst sei gefährdet. Die Entwicklung sei kein kurzfristig schlechtes Geschäft, sondern ein „rasanter Abschied von der heimischen Obstproduktion“.

Billigimporte überschwemmen den Markt

Die Obstbauern schildern konkrete Beispiele: So würden tausende Tonnen deutscher Äpfel zu Saft verarbeitet, während nur wenige Meter weiter Äpfel von der Südhalbkugel für den Verkauf verpackt würden. Hochwertige Süßkirschen blieben an den Bäumen hängen, weil Billigimporte den Markt überschwemmten. Zudem würden Zwetschgen und Heidelbeeren unter den Produktionskosten gehandelt. Bei Erdbeeren erwarte man in diesem Jahr die niedrigste Freilandernte seit mehr als 30 Jahren.

Dabei produzierten die deutschen Obstbaubetriebe unter höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Sozialstandards und investierten in Biodiversität und Klimaschutz. Gleichzeitig stiegen die Produktionskosten und insbesondere die Löhne massiv an. Die Folge sei dramatisch: In Deutschland verschwinde mittlerweile etwa alle zwei Tage ein Obstbaubetrieb.

Appell an Politik und Verbraucher

Die Verfasser des Briefes kritisieren, dass heimisches Obst immer häufiger durch Importware ersetzt werde. „Regionalität darf aber kein Werbeslogan sein, der nur so lange gilt, wie sie keinen Cent mehr kostet“, heißt es in dem Schreiben. Wer heimische Produktion wolle, müsse auch bereit sein, diese zu ermöglichen.

Der Appell richte sich daher an die Politik, den Handel und die Verbraucher gleichermaßen, sich bewusst für heimisches Obst zu entscheiden. Denn, so die Warnung der Obstbauern: „Was heute verschwindet, lässt sich morgen nicht einfach wieder aufbauen.“